Zur Widerspiegelung der gesellschaftspolitischen Verhältnisse in der Erfassung eines sprachwissenschaftlichen Themenbereichs
Jana Valdrová


Abstract

Zu Schlüsselthemen der Linguistik der Gender- und sexuellen Identitäten gehören die Movierung von Personen- und Berufsbezeichnungen, die Verwendung und Funktion des sogenannten generischen Maskulinums, die (im Tschechischen bis auf wenige Ausnahmen sehr konsequent durchgeführte) Ableitung weiblicher Familiennamen von den männlichen Familiennamen mit Hilfe vom Movierungsformanten -ová und die Regeln für Bildung und amtliche Registrierung von Transpersonen-Namen. Diachronisch betrachtet bieten diese Phänomene überraschende Einblicke in das zeitgenössische gesellschaftspolitische Klima.
In dem Beitrag wird eine feministisch-kritische Analyse der Publikationstätigkeit derjenigen tschechischen SprachwissenschaftlerInnen durchgeführt, die über den Rahmen der strukturalistischen Herangehensweise hinaus gehen und politisierende bzw. ideologische Stellungnahmen zum Ausdruck bringen.
Dabei lassen sich zwei Zugänge zu grammatischen Phänomenen unterscheiden: einerseits werden neue Tendenzen in der Grammatik als sprachliche Indizien und Begleitäußerungen der sich emanzipierenden bzw. emanzipierten Frauen erklärt, auf der anderen Seite wird eine grammatische Regel (die Movierung der weiblichen Familiennamen) als wissenschaftliches Mäntelchen erläutert, um die symbolische Diskriminierung von Frauen bzw. anderer Geschlechter zuzudecken.

 

Zur Person

Jana Valdrová, Ph.D., Forschungsplattform Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck. Kontakt: jana.valdrova@gmail.com
Jana Valdrová ist in Tschechien und Österreich als feministische Linguistin tätig. In ihren Publikationen beschäftigt sie sich mit sprachlichen Geschlechter-Konstrukten und deren Hierarchisierungen. Sie ist Verfasserin von sprachlichen Empfehlungen für einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch des Tschechischen, die in der tschechischen Amtssprache implemetiert werden.

 


Panel 06: Das Subjekt zwischen Sag- und Sichtbarkeiten

Zeit: Donnerstag, 07. November 2019, 16:30-18:00 Uhr
Raum: Kaiser-Leopold-Saal, Karl-Rahner-Platz 3, 1. Stock

 

Veranstaltet von der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung und der FP Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck (CGI) in Kooperation mit dem Büro für Gleichstellung und Gender Studies der Universität Innsbruck.

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