"Alter, du scheiß, du scheiß privilegierter weißer Junge, was sagst du hier?" – Narrative Identitätsarbeit von privilegierten Antirassisten* im Kontext von Männlichkeit und Weißsein
Florian Ohnmacht


Abstract

In der wegweisenden Studie "Rassismus wider Willen" hat Anja Weiß (2001) auf den impliziten Rassismus von weißen Antirassist*innen aufmerksam gemacht. Seither hat sich im zivilgesellschaftlichen wie auch akademischen Feld viel getan. Das zeigt etwa die Debatte zum politischen und moralischen Antirassismus sowie zur Rassismuskritik wie auch die Rezeption von Postkolonialer Theorie und Kritischer Weißseinsforschung. Können die privilegiert positionierten Aktivisten* tatsächlich neue Wege beschreiten? Welche Positionen, Diskurse und Praktiken entwickeln sie? Wie stehen sie zu rassistischen, sexistischen und anderweitig normalisierenden Praktiken und Diskursen? Diesen Fragen widmet sich mein Dissertationsprojekt, aus dem erste Ergebnisse vorgestellt werden sollen. Im Rahmen der Studie werden biographisch-narrative Interviews mit rassismuskritischen Aktivisten in Österreich, die sich selbst als weiße Männer* oder als Männer* ohne eigene Rassismuserfahrungen definieren, geführt. Der Vortrag soll zeigen, dass die Subjektposition des weißen antirassistischen Mannes* eine spezifisch rassialisierte und gegenderte Position ist, die trotz des vorhandenen Wissens darüber, weder vollständig erkannt noch transformiert werden kann. Die angewandten Selbsttechniken, wie Reflexionen, Reisen und Bildung, sind nämlich genauso von Rassismen und Sexismen durchzogen. Gleichzeitig werden weniger hegemoniale Technologien des Selbst angeeignet, die nicht aus der weißen Vorherrschaft entwickelt wurden.

 

Zur Person

Florian Ohnmacht hat Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Innsbruck studiert. Er arbeitet als Universitätsassistent im Lehr- und Forschungsbereich Migration und Bildung des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck und ist Kollegiat des Doktoratskollegs Dynamiken von Ungleichheit und Differenz im Zeitalter der Globalisierung.

 


Panel 15: Normalitätskonstruktionen und Männlichkeit

Zeit: Freitag, 08. November 2019, 11:00-12:30 Uhr
Raum: Seminarraum 2, Universitätsstraße 15, 1. Stock WEST

 

Veranstaltet von der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung und der FP Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck (CGI) in Kooperation mit dem Büro für Gleichstellung und Gender Studies der Universität Innsbruck.

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