Miniaturskulpturen als Queerlesken
Ursula M. Lücke


Abstract

Schloss Ambras in Innsbruck beherbergt eine wichtige Wunderkammer Europas. Lange als Sammelsurien abgewertet gelten Wunderkammern heute als Orte neuzeitlicher Wissensbildung für Fürst*innen, privilegierte Bürgerliche und Wissenschaftler*innen (Bessler 2015). Neben seltenen Objekten aus Natur, Kunst und Wissenschaft waren auch solche "fremder" (Exotica) und kurioser Welten (Mirabilia) ausgestellt. Besonders Miniaturen aus Gold mit schiefen Perlen verkörpern die "Exotica" und "Mirabilia" - einerseits als Zurschaustellung kolonialer Weltsichten, andererseits als das, was existieren könnte (Foucault 1980).
Unregelmäßige Perlen heißen barroco, was "schief" bedeutet. Sie bilden Körperteile von Miniaturskulpturen als Mischwesen, Harlekine u.a. Einige zeigen historische Personen, die als Wunder die edelste Schöpfung der Natur verkörpern (Daston/Park 1998). Meine Miniaturen aus Edelmetall reflektieren diese schiefe Tradition: "Mädchen geht schwimmen" bieten die Möglichkeit, den Froschmann* und das Mädchen* zu queeren. "Zentrifurie" verbindet Zentrifugalkraft mit Furie – Physik verschwimmt mit Mythos.
Skulpturen sind wichtige Untersuchungsgegenstände feministischer Theorie (Wenk 1996). Im Lichtbildvortrag werden Zusammenhänge und Abgrenzungen anhand von Bildmaterial und queerfeministischer Theorie diskutiert. Eine dekoloniale Perspektive ist Grundlage für die Auseinandersetzung mit den historischen Miniaturskulpturen sowie den aktuellen Kunstwerken.

 

Zur Person

Mag.a Dr.in Ursula M. Lücke, Freiberufliche Künstlerin und Kulturwissenschaftlerin,
Miniaturkunst in Edelmetall und Emaille | Vermittlung - eco-fair, hydrophil, queer
Projekte: Alles klar zum Entern! - Mit Kunst die Geschlechterverhältnisse im Museum verändern + Modernity, Socialism and the Visual Arts – A six-day ship conference + Wasserweib und Wissenschaft.

 


Panel 17: Kunst und visuelle Kultur

Zeit: Freitag, 08. November 2019, 14:00-16:00 Uhr
Raum: Kaiser-Leopold-Saal, Karl-Rahner-Platz, 1. Stock

 

Veranstaltet von der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung und der FP Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck (CGI) in Kooperation mit dem Büro für Gleichstellung und Gender Studies der Universität Innsbruck.

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