Gender Studies going underground/
Gender Studies auf dem Weg in den Widerstand
Jacob Guggenheimer


Abstract

Bei der 2. ÖGGF-Tagung ging ich unter dem Titel "Unruhe bewahren" der Frage nach, wie dem per se Ereignishaften in der Welt ein dauerhafter Ort gegeben werden könnte, ohne den Prämissen der Queer Theorien untreu zu werden: Damals dachte ich, die akademische Disziplin-Werdung der Gender- und Queer Theorien stehe kurz bevor. Heute wird es darum gehen, wie das widerständige Potential, insbesondere der Queer Theorien, die sich dem ereignishaften Wesen innerhalb der Geschlechterverhältnisse verschrieben haben, in „finsteren Zeiten“ (Hannah Arendt) des soziokulturellen Backlash überdauern kann. Die ungarische Regierung führte durch die unumwundene und lückenlose Abschaffung der Gender Studies exemplarisch vor, wie rasch und spurenlos sich die Wellen an der Oberfläche der gesellschaftlichen Realität glätten können und wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass intellektuelle Anstrengungen allem Engagement und analytischem Scharfsinn zum Trotz der Vergessenheit anheim fallen. Doch wie können sich die Gender Studies und Queer Theorien aus der Abhängigkeit akademischer und anderer staatlicher Institutionen emanzipieren? Die Frage danach, ob und wie die Gender Studies und ihre Ideen in den Untergrund gehen und überdauern können, führt u.a. zur Philosophie Henri Bergson, dem zufolge das Denken von Ideen, Denkräume nur in sofern erhält, als dass die Denkbewegung ihrer Tendenz nach unablässig fortgesetzt wird. Eben das geschieht im Prozess des Werdens, der zugleich das Gedächtnis ist.

 

Zur Person

Mag. Jacob Guggenheimer. Klinischer Psychologe der Familien- und Jugendgerichtshilfe Klagenfurt und externer Lektor an der Universität Klagenfurt, insbesondere für Gender Studies.

 


Panel 23: Anders Werden - diesseits und jenseits der Institutionen

Zeit: Samstag, 09. November 2019, 09:30-11:00 Uhr
Raum: Hörsaal 3, Universitätsstraße 15, EG OST

 

Veranstaltet von der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung und der FP Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck (CGI) in Kooperation mit dem Büro für Gleichstellung und Gender Studies der Universität Innsbruck.

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