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2. Offenbarung: Was bewirkt Gott in der Welt?

Christliche Theologie stand immer wieder in Gefahr, Offenbarung als bloße Mitteilung von Inhalten und Wahrheiten mißzuverstehen. Das ist nicht zuletzt deshalb problematisch, weil es das Mißverständnis nahelegt, daß sich eine so verstandene Offenbarung mit der Mitteilung ihrer Inhalte selber überflüssig macht. Es ist ein bedeutender Fortschritt christlicher Theologie des 20. Jahrhunderts, durch personalistisch ausgerichtete Ansätze Offenbarung, Gnade und Erlösung in ihrer untrennbaren Einheit als geschichtlichen Prozeß der Selbstmitteilung Gottes zu verstehen, der sich in seiner Liebe den Menschen öffnet und schenkt, sodaß er selber zum Herzzentrum menschlicher Existenz wird. Diese personale Vertiefung des Offenbarungsverständnisses hat sich als wichtiger Fortschritt vom Ersten zum Zweiten Vatikanum dokumentiert, hinter den eine heutige christliche Theologie nicht mehr zurückfallen sollte. Für Karl Rahners Theologie ist das Verständnis von Offenbarung als göttliche Selbstmitteilung absolut zentral. Im folgenden ist nach einer diesbezüglichen Skizze zu überprüfen, wieweit das Offenbarungsverständnis einer an Girard orientierten Theologie einem solchen personalen Verständnis als Selbstmitteilung entspricht und für ein solches einen Beitrag zu leisten vermag.

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