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4. Schluß

Die obigen Ausführungen versuchten zu zeigen, daß sich die auf den ersten Blick unvereinbar scheinenden Konzepte einer an Girard orientierten und einer Rahnerschen Theologie anhand konkreter Sachfragen in fruchtbarer Weise ins Gespräch bringen lassen. Eine solche systematisch orientierte Annäherung enthält unvermeidlich die Gefahr, daß die verglichenen Entwürfe unter der Hand uminterpretiert werden. Der Frage, wieweit die skizzierte »an Girard orientierte Theologie« mit der Theorie Girards oder der Theologie anderer sich an Girard orientierenden Theologen übereinstimmt, konnte hier nicht im Detail nachgegangen werden. Die fragmentarischen Anmerkungen, die eine innere Nähe meiner Ausführungen zu René Girard und noch mehr zu Raymund Schwager belegen, ließen sich in einer umfangreicheren Studie vervielfachen. Für die Frage, ob und inwieweit Girards Theorie einer solchen theologischen Adaptation entspricht, müßte zudem noch berücksichtigt werden, daß diese trotz ihrer konzisen Darstellbarkeit nicht jenes geschlossene System ist, das viele Kritiker vorauszusetzen scheinen, sondern offen ist für einen Prozeß, der nicht zuletzt durch einen regen Austausch mit Theologen zu nicht unbedeutenden Präzisierungen geführt hat.

Doch auch wenn die Frage, ob hier noch ein authentischer Girard präsentiert wurde, strittig bleibt, sollte der Beitrag zur Lösung theologischer Sachfragen den Ausschlag geben. Und hier scheint mir eine Theologie, die sich an Girard orientiert, einiges beitragen zu können für ein Christentum, das sich aus einer Reflexion auf seine eigensten Wurzeln den konkreten Herausforderungen gesellschaftlich-kollektiver Heillosigkeit stellt, ­ und zwar nicht in Rücknahme, sondern in Aufnahme und Weiterführung einer weltoffenen katholischen Theologie, wie sie im Zweiten Vatikanischen Konzil zum Ausdruck kam und von Karl Rahner in hervorragender Weise ausgearbeitet wurde.

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