Erzählende Konsumlandschaften zwischen Modernität und Traditionalität

Eine virtuelle Begegnung mit dem archaischen Monte Iato, Sizilien (6./5. Jh. v. Chr.)

 WKP

 

Was bedeutete ein Leben zwischen Modernität und Traditionalität vor 2500 Jahren? Inwieweit war dieses Leben bereits damals geprägt von einer Spannung zwischen Weltläufigkeit und Ortsansässigkeit, zwischen Weltflair und lokaler Authentizität, zwischen Zugewanderten und Alteingesessenen? Insbesondere in ländlichen Regionen? Diesen Fragen sind wir auf dem archaischen Monte Iato (6. – 5. Jh. v. Chr.) mitten im bergigen Binnenland Westsiziliens nachgegangen.

Ziel des geplanten Wissenschaftskommunikationsprojekts ist es nun, unsere Forschungsergebnisse zu diesem Spannungsfeld zwischen ‚Moderne‘ und ‚Tradition‘ auf dem archaischen Monte Iato virtuell erkundbar zu machen. Dies soll mittels „Erzählender Konsumlandschaften“ geschehen, die in einem interaktiven 3D Visualisierungssystem verschiedenste Konsum-Geschichten anklickbar machen, die genau von diesem Spannungsfeld handeln. Die multimediale Grundlage dazu bildet die archäologische Karte, in der alle multivariaten Daten und Raumbezüge abgespeichert sind, die unsere Forschungen bisher erbracht haben. Diese Karte soll in ein digitales Darstellungsmedium transformiert werden, das all die darin abgespeicherten Daten zu archäologischen Funden – unter anderem mittels Audiodateien – selbst in die Rolle des Erzählens von Konsum-Geschichten schlüpfen lässt. Multiple Anfangspunkte im Layout des storyboard überlassen es dabei dem user, mit welcher Konsum-Geschichte in welcher Konsumlandschaft er beginnen möchte, wodurch der user in das storytelling involviert und so am Ball gehalten wird.

All diese virtuell nacherlebbaren Konsum-Geschichten führen schließlich – unabhängig vom Anfangspunkt – zu der immer gleichen, gemeinsamen storyline: Die Alteingesessenen auf dem Monte Iato reagierten auf das Spannungsfeld zwischen neuer und alter Welt damit, dass sie in ihrem kultischen Zentrum vermeintlich alte Traditionen neu belebten und religiöse Riten archaisierten, um unter sich und gegenüber anderen als Einheimische zu gelten.

Noch heute ist die Frage, wer Einheimische/r ist, von höchster politischer Brisanz. Deshalb richtet sich die virtuelle Ausstellung über den archaischen Monte Iato an eine möglichst breite Öffentlichkeit. Drei unterschiedliche Zoomstufen erlauben dabei ein immer tieferes Vordringen in die Mechanismen und Logiken des Einheimisch-Werdens. Die erste Zoomstufe gibt das Einheimisch-Werden als ein Zeit und Kontext bezogenes Phänomen auf dem archaischen Monte Iato zu erkennen. Die zweite und dritte Zoomstufe lassen den user unter die soziokulturelle Oberfläche des Einheimisch-Werdens vorstoßen und dieses Werden als einen Prozess verstehen, mit dem Alteingesessene auf die von ihnen empfundene Bedrohung durch Modernisierung und Zuwanderung reagier(t)en.

Nach einer ersten Test- und Verbesserungsphase mit Virtual Reality Brille im Visual Laboratory an der Universität Innsbruck, zu der zum einen Lehrer/innen und Schüler/innen, zum anderen Journalist/innen und Politiker/innen eingeladen werden, soll die interaktive 3D Ausstellung am Forschungsschwerpunkt „Kulturelle Begegnungen – kulturelle Konflikte“ der Universität Innsbruck eine dauerhafte virtuelle Plattform erhalten. Dazu wird auf der Homepage des Forschungsschwerpunktes unter der Rubrik „Dialog“ ein neues Format namens „Interaktive Begegnung mit …“ eingerichtet. Mit diesem soll die virtuelle Auseinandersetzung mit Themen und Forschungen des Forschungsschwerpunktes auch bei außeruniversitären Zielgruppen nachhaltig gefördert werden. Den Auftakt dazu bildet die interaktive Begegnung mit dem archaischen Monte Iato.

  

Principal Investigator:

Prof. Erich Kistler and Dr. Birgit Öhlinger

Address:

ATRIUM - Zentrum für Alte Kulturen - Langer Weg 11

University/Research Institution:

Institut für Archäologien
Fachbereich Klassische und Provinzialrömische Archäologie
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Project collaborations:

Dr. Gerhard Hiebel (DISC - Digital Science Center - Innsbruck)

Brigitte Danthine MA BA

 

 

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