Strukturelle Pandemie

Strukturelle Pandemie-Anfälligkeit in Europa

Am 13. Oktober stellte Herr Dr. Benjamin Mohr, Chefvolkswirt der Creditreform Rating AG, eine Studie zur strukturellen Pandemie-Anfälligkeit in Europa im Rahmen eines Onlinevortrages des BAFIT-Netzwerks vor. Der Fokus des Vortrags lag auf dem von der Creditreform entwickelten Pandemic Vulnerability Index (PVI)...

Am 13. Oktober stellte Herr Dr. Benjamin Mohr, Chefvolkswirt der Creditreform Rating AG, eine Studie zur strukturellen Pandemie-Anfälligkeit in Europa im Rahmen eines Onlinevortrages des BAFIT-Netzwerks vor. Der Fokus des Vortrags lag auf dem von der Creditreform entwickelten Pandemic Vulnerability Index (PVI), der darstellt, welche Volkswirtschaften im europäischen Vergleich strukturell anfälliger gegenüber Pandemien sind.

Die Covid-19 Pandemie hat weltweit die Wirtschaft, das Gesundheitssystem sowie die gesamte Gesellschaft stark beeinflusst. Durch die Eindämmungsmaßnahmen, welche für die Verlangsamung der Ausbreitung von Covid-19 notwendig waren, haben die Staaten eine negative wirtschaftliche Entwicklung hervorgerufen. Sowohl die ausländische als auch die inländische Nachfrage sind gesunken und die Produktion wurden durch Probleme in internationalen Lieferketten beeinträchtigt. Obwohl der Lockdown in den meisten Mitgliedsstaaten der EU erst im März 2020 realisiert wurde, zeigte sich bereits im ersten Quartal 2020 eine negative wirtschaftliche Entwicklung, welche im zweiten Quartal noch deutlicher wurde. Das reale BIP ist im zweiten Quartal 2020 gegenüber dem letzten Quartal des Vorjahres zwischen 5,7 % in Finnland und 22,1 % in Spanien gesunken. Die Anzahl der in der Haupttätigkeit geleisteten Arbeitsstunden sank im gleichen Beobachtungszeitraum im EU-Durchschnitt um 15,5 %. Dieser Indikator kann auf Grund der Kurzarbeit derzeit einen realistischeren Indikator über den Arbeitsmarkt bilden als die auf EU-Ebene nur wenig erhöhte Arbeitslosenquote.

Nach wie vor ist die Unsicherheit über künftige Entwicklungen groß und wird insbesondere davon abhängen, wie zeitnah Medikamente bzw. Impfstoffe vorhanden sind. Um einen Anhaltspunkt zu haben, wie gravierend die Auswirkungen von Pandemien auf die Mitgliedsstaaten der EU und Großbritannien sein können, hat die Creditreform Rating AG den Pandemic Vulnerability Index (PVI) entwickelt. Dabei werden die möglichen Folgen eines Pandemieausbruchs mittels fünf verschiedener Risikofaktoren eingeschätzt, die sich jeweils aus mehreren Subfaktoren zusammensetzen: Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt, Gesundheitssystem, Bevölkerung, Kapazität für das mobile Arbeiten. Eine negative Korrelation des PVI mit den Wachstumsergebnissen der berücksichtigten Länder für das erste Halbjahr zeigt, dass der PVI dafür geeignet ist, die Folgen der Covid-19-Pandemie zufriedenstellend zu messen. Daher hat der PVI auch Interesse beim Future Operations Clearing Board im Bundeskanzleramt gefunden.

Herr Dr. Mohr brachte in der Diskussion zum Ausdruck, dass der Index nicht direkt für die Beurteilung des Sovereign Risk genutzt werden sollte, sondern lediglich einen Anhaltspunkt für die Abschätzung der strukturellen Anfälligkeit der Länder für Pandemien darstellt. Bei der Auswahl der fünf Risikofaktoren für die Berechnung des PVI wurde insbesondere darauf geachtet, strukturelle Merkmale abzubilden. Falls Variablen gefunden werden, welche die Pandemiesituation besser abbilden können, wird die Kennzahl weiterentwickelt und angepasst. Die Datenverfügbarkeit, und dabei insbesondere die Verfügbarkeit in allen EU-Mitgliedsstaaten und dem Vereinigten Königreich, war für die Auswahl der Variablen ein wesentlicher Faktor.


 

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