Leitlinien zur Nachhaltigkeit

(Kirchliches Verordnungsblatt für die Diözese Graz-Seckau, 2017-II, 23. August 2017, 16., S. 16-18)

„Es gibt so vieles, was man tun kann.“
(Papst Franziskus, LS180)

Präambel

Als Katholische Kirche Steiermark bekennen wir uns zu unserer Verantwortung für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen. Wir erkennen die Erde als Lebenshaus für alle Geschöpfe an und tragen Verantwortung für die von Gott geschaffene und uns überlassene Welt, die wir nicht nur als Mittel zur Erreichung unserer Ziele behandeln. Deshalb leisten wir unseren Beitrag, um die natürlichen Lebensgrundlagen für alle zu erhalten und die Fülle der Schöpfung auch für kommende Generationen zu bewahren.

Als vorrangige Aufgaben sehen wir es daher an, die negativen Umweltauswirkungen unseres eigenen Handelns fortlaufend zu verringern und in der Gesellschaft zu einem stärkeren ökologischen Bewusstsein beizutragen. Dazu fördern wir das Wissen über ökologische, ökonomische und soziale Zusammenhänge. Mit unseren Pfarren und Einrichtungen leisten wir unseren Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung.

Insbesondere verpflichten wir uns zur Erfüllung der Vorgaben durch die Österreichische Bischofskonferenz zur Schonung von Mensch und Mitwelt durch:

Einsatz von erneuerbarer Energie

Sparsame und effiziente Energienutzung

Umstellung auf eine öko-faire Beschaffung

Folgende Prinzipien sind für uns handlungsleitend:

Gerechtigkeit gegenüber allen MitbewohnerInnen der Erde

Wir entscheiden und handeln in Solidarität mit den Menschen aller Regionen. Wir sorgen dafür, dass unser Lebensstil die globalen Lebensgrundlagen nicht gefährdet oder zerstört.

Gerechtigkeit gegenüber den uns folgenden Generationen

Wir richten unser Handeln auch an den Bedürfnissen und Rechten unserer Kinder und aller weiteren Generationen aus. Wir verringern deshalb den Verbrauch von natürlichen Ressourcen und die Belastung der globalen Ökosysteme durch Abfall und Emissionen.

Sichtbar werden in der Kirche und in die Gesellschaft hinein

Es ist uns wichtig, dass unser Handeln sowohl in die Kirche hineinwirkt als auch von der Gesellschaft wahrgenommen wird. Die eigene Praxis ist Teil unserer kirchlichen Verkündigung.

„Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind drei absolut miteinander verbundene Themen, die nicht getrennt behandelt werden können.“
(Papst Franziskus, LS 92)

Schwerpunkte nachhaltigen Handelns

Folgende Bereiche haben eine Schlüsselfunktion in der Wahrung der Schöpfungs-verantwortung und bilden daher den Schwerpunkt unseres nachhaltigen Handelns: Spiritualität und Lebensstil (I), Bildung (II), Beschaffung (III), Bau und Energie (IV), Mobilität (V) und Liegenschaften (VI).

I. Spiritualität und Lebensstil

Gelebte Nächstenliebe (Diakonie) ist einer der vier Grundvollzüge kirchlichen Lebens. Der Dienst an den Menschen ist vielfältig und weit mehr als Fürsorge. Dabei gilt die besondere Aufmerksamkeit den Armen. Wenn wir Nächstenliebe leben, lernen wir Gott tiefer erkennen und verstehen. Unserem Glauben an den Schöpfergott entsprechen wir in der dankbaren Übernahme von Verantwortung für das von Ihm geschaffene Leben.

Dazu benennen Pfarren Ansprechpersonen, die bei umweltrelevanten Entscheidungen zu Rate gezogen werden und den Alltag der Pfarre mitgestalten.

Pfarrgemeinden und kirchliche Organisationen werden vom Umweltreferat unterstützt, konkrete Maßnahmen in Richtung eines nachhaltigen Lebensstils zu entwickeln. Dabei kooperiert man mit bestehenden Initiativen vor Ort und sucht regionale Allianzen.

Feste, Feiern und Veranstaltungen werden schöpfungsfreundlich gestaltet („green events“). Pfarrfeste haben Vorbildwirkung, weshalb wir uns zur Verwendung von regionalen, saisonalen und biologischen Lebensmitteln und Getränken entschließen.

Der öko-fairen Beschaffung wird in den Pfarren und kirchlichen Einrichtungen Vorrang eingeräumt.

Die Liturgie bietet vielfältige Möglichkeiten, für die Schöpfung zu beten und an Schöpfungsverantwortung zu erinnern:

  • Weltgebetstag für die Schöpfung (1. September)
  • Schöpfungszeit (1. Sept. bis 4. Okt.) mit jährlichem Schwerpunktthema
  • Erntedankfest
  • Fronleichnam, Bitt-Tage, Maibeten, Prozessionen
  • Aufnahme Mariens in den Himmel (Kräutersegnungen)
  • Andachten, Kreuzwege …

II. Bildung

Nur wenn Menschen davon überzeugt sind, dass ihr Handeln für die Umwelt sinnvoll ist, werden sie sich für den Klimaschutz engagieren. Wenn sie erkennen, dass die Schöpfung ein kostbares Geschenk Gottes für sie ist, von dem ihre lebenswerte Zukunft abhängt, werden sie sich dafür einsetzen. Dazu bedarf es vieler Bildungsmaßnahmen:

In der Weiterbildung von Theologinnen und Theologen, Diakonen, kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird verstärkt auf die Vermittlung von Grundwissen und Schlüsselkompetenzen für eine nachhaltige Entwicklung geachtet. Dazu werden berufsbegleitende Fortbildungsangebote entwickelt.

In die Aus- und Fortbildung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird das Thema „Nachhaltigkeit“ in seiner ganzen Bandbreite integriert.

In den kirchlichen Kindergärten, Eltern-Kind-Gruppen und im Religionsunterricht fördern Erzieher/innen und Lehrkräfte die Kinder, die Schöpfung wahrzunehmen und mit ihr verantwortungsbewusst umzugehen.

Katholische Jungschar und Katholische Jugend integrieren Umweltbildung in ihre Angebote und entwickeln praktische Engagement-Möglichkeiten für ihre Zielgruppen.

Die kirchlichen Schulen und Bildungshäuser nehmen einen besonderen Auftrag wahr und motivieren in ihrer pädagogischen Arbeit und durch ihre eigene Praxis zum Klimaschutz. In der Erwachsenbildung ist die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen für praktischen Natur- und Umweltschutz im privaten, beruflichen und politischen Bereich gefragt.

Für Vorgesetzte und Mitarbeitern/innen in Küche und Hauswirtschaft, Reinigungskräfte, Hausmeister, Geschäftsführer  und Einkäufer werden Fortbildungen zu Möglichkeiten nachhaltigen Wirtschaftens angeboten.

III. Beschaffung

Mit ihren Geldanlagen und ihrem Konsum kann die Diözese mittelbar Einfluss auf den Klimawandel nehmen und zur Schonung von Mensch und Umwelt beitragen: Die Diözese verpflichtet sich zur Einhaltung von ökosozialen Standards in der Beschaffung. Dazu gehören möglichst regionaler Einkauf, faire Produktion und keine Kinderarbeit.

Der Verbrauch an Gütern (Konsum) in der Diözese wird an den Kriterien Nachhaltigkeit, ökologische Qualität und faire Herstellung ausgerichtet. Über den Einkauf wird auch das Müllaufkommen verringert. Dazu überprüfen die kirchlichen Einrichtungen ihr Müllaufkommen und treffen geeignete Maßnahmen, um es zu reduzieren bzw. eine optimale Entsorgung sicherzustellen.

In der kirchlichen Gemeinschaftsverpflegung (Kantinen, Kindergärten, Bildungshäuser, Internate …) werden der Anteil an biologischen Lebensmitteln auf mindestens 25 Prozent und der an vegetarischen Gerichten erhöht.

Die Diözese und die diözesanen Fonds überprüfen laufend ihre Anlagepolitik und vermeiden Investitionen, die dem Schutz der Schöpfung zuwiderlaufen.

IV. Bau und Energie

Ein verantwortungsvoller Einsatz von Energie und deren zukunftsfähige Erzeugung sind das Gebot der Stunde. Daher bemüht sich die Kirche, ihre eigene Energieversorgung vorbildhaft zu gestalten.

Für kirchliche Profangebäude (Pfarrhöfe, Kindergärten, Verwaltungsgebäude …) werden – wie von der Österreichischen Bischofskonferenz gefordert – Energiestandards entwickelt und Energiekennzahlen veröffentlicht.

Möglichst rasch sollen bei Raumheizungen fossile durch erneuerbare Energieträger – wo immer sich die Gelegenheit dazu ergibt (Neubau, Erneuerungsbedarf ...) ersetzt werden. Sonnenstrom auf kirchlichen Profangebäuden wird stark forciert. Die Diözese leistet ihren Beitrag in Form von PV-Anlagen, damit die installierte Gesamtleistung in Österreich bis zum Jahr 2020 10 Megawatt betragen wird. Zudem verpflichtet sich die Diözese zum Umstieg auf zertifizierten Öko-Strom.

Ziel ist es, dass sich zumindest 10 Prozent der Pfarren an der Energiewende beteiligen und ihren Energieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent reduzieren (Referenzwert: Durchschnitt 2010 bis 2015).

V. Mobilität

Mobilität ist für das kirchliche Leben unerlässlich. Die Verkehrsbewegungen sind aber auf das Notwendige zu beschränken, da mit ihnen Energieverbrauch und Umweltbelastungen verbunden sind.

Die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel hat Vorrang. Dazu sollen Anreizsysteme erarbeitet werden.

Um Fahrgemeinschaften oder Zuladungen bei Dienstreisen zu ermöglichen, werden Fahrziele der Dienstfahrzeuge intern bekannt gemacht. Bei Veranstaltungen werden Shuttle-Busse bzw. Mitfahrgelegenheiten angeboten.

Flugreisen erfolgen nur bei weiten Entfernungen oder in dringenden Fällen. Für unvermeidbare Flugreisen wird sinnvoller Weise eine CO2-Kompensation (Abschlagzahlung pro verursachtes kg CO2 z. B. für Aufforstungsprojekte) durchgeführt.[1]

Der Fuhrpark der Diözese wird nach Möglichkeit schrittweise auf verbrauchsarme (Gramm CO2) Autos umgestellt.

Der Einsatz von alternativen Antrieben wird erprobt und geprüft (z. B. Hybridantrieb, E-Mobilität).

Für MitarbeiterInnen, die mit dem Rad zur Arbeit kommen, werden nach Möglichkeit ausreichend Stellplätze für ihre Fahrräder bereitgestellt.

Kirchliche Initiativen wie Autofasten und der autofreie Sonntag werden unterstützt. Für Pfarrausflüge und Wallfahrten wird gemeinschaftliches Reisen (mit Bus etc.) bevorzugt.

VI. Liegenschaften

Diözese, Pfarren und kirchliche Stiftungen verfügen über unbebaute Grundstücke, land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen. Mit diesen fördern wir eine naturnahe Bewirtschaftung.

Wälder sind ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und sind daher in ihrem Bestand zu erhalten und nachhaltig zu bewirtschaften. Diese Bewirtschaftung wird dort, wo es wirtschaftlich vertretbar ist, durch eine anerkannte Zertifizierung (FSC, PEFC) gesichert.

Kircheneigene Flächen werden biologisch bewirtschaftet. In den Pachtverträgen für landwirtschaftlich genutzte Flächen wird eine umweltschonende Bewirtschaftung vereinbart bzw. werden Flächen vorzugsweise an Biobauern verpachtet.

Die kirchlichen Eigentümer treten dort, wo ihre Flächen zur Baureife gelangen, als Impulsgeber und Motor für umweltschonende Bebauungskonzepte auf und setzen sich für die Nutzung erneuerbarer Energien ein.

Vermeidung von Pestiziden und Herbiziden auf Friedhöfen und pfarrlichen Grünflächen.

Umsetzung und Überprüfung der Maßnahmen

Umweltschutz kostet auch Geld. Die Diözese verpflichtet sich, im Rahmen der budgetären Möglichkeiten die Umsetzung der Richtlinien durch zur Bereitstellung finanzieller Mittel zu unterstützen. Als Kirche verpflichten wir uns, die Umsetzung dieser Ziele laufend zu evaluieren.

Graz, am 1. März 2017

+ Wilhelm Krautwaschl
Diözesanbischof


[1] www.climateaustria.at.