Matriarchatsthese und Patriarchatskritik

Ein WRG-Cluster zu Grundzügen einer 'Zivilisationspolitit'

Leitung: o. Univ.-Prof. Dr. Claudia VON WERLHOF, Institut für Politikwissenschaft, Fakultät für Politikwissenschaft und Soziologie, LFU Innsbruck

 

>> Neuerscheinung <<
Projektgruppe Zivilisationspolitik: Aufbruch aus dem Patriarchat - Wege in eine neue Zivilisation?
Frankfurt am Main 2009, Peter Lang Verlag.

Wir gehen davon aus, dass historisch zwei grundlegend verschiedene Gesellschaftsordnungen voneinander zu unterscheiden sind, eine matriarchale und eine patriarchale. Die ältere ist die matriarchale. Sie ist geprägt vom Mutter-Kind-Zusammenhang und somit eine mütterliche Ordnung (mater arché = am Anfang die Mutter), am Leben orientiert, egalitär, friedlich, kooperativ mit umgebender Natur, spirituell mit allem Sein in Himmel und Erde verbunden und um Ausgleich von Konflikten bemüht.
Der patriarchalen Ordnung geht eine Verwahrlosung der matriarchalen voraus, die u.a. durch Klimaveränderungen und dadurch ausgelöste „katastrophische Wanderungen“ in Gang kommt. Es bilden sich Kriegerhorden, die matriarchale Gemeinschaften und schließlich Hochkulturen überfallen und erobern. Erst auf dieser Grundlage entsteht die patriarchale Ordnung (pater arché = am Anfang der Vater/Herrscher/Gott). Sie ist durch Krieg, Staatsbildung und Herrschaft als System, Religion (insbes. Monotheismus), die Unterwerfung der Frauen und ihrer Kultur, hierarchisch angeordnete soziale Klassen, Ausbeutung, Generationenkonflikte und ökologische Probleme gekennzeichnet.
Innerhalb von Patriarchaten leben Reste der matriarchalen Ordnung bis heute als „2. Kultur“ weiter. Zurzeit existieren weltweit auch immer noch „lebende Matriarchate“. Die meisten sind erst durch Kolonisierung und Modernisierung zerstört worden.
Eine Periodisierung patriarchaler Entwicklung lässt erkennen, dass in der Neuzeit versucht wird, durch den „Fortschritt“ in Naturwissenschaft, Technik und Ökonomie mit den Resten matriarchaler Ordnungen die im Patriarchat als störend empfundene Abhängigkeit von der Natur und den Frauen als Leben Schenkenden für immer zu überwinden. Utopisches Ziel ist das „reine“ Patriarchat ohne matriarchale Restbezüge.

Projekt "Zivilisationspolitik - Auf dem Weg in eine neue Zivilisation?"

I. Zivilisationspolitik (Theorieteil)

Es sollen Kriterien für eine politische Zivilisationstheorie entwickelt werden, denn eine weltweit umfassende Politik verändert heute alle Zivilisationen grundlegend. Es braucht daher Maßstäbe, um eine „Zivilisationspolitik“ formulieren zu können, die darauf reagieren kann.

MitarbeiterInnen und Themen:

  • PD Dr. Renate GENTH: "Zivilisation, Krise und Zivilisationspolitik"
  • Prof. Dr. Claudia VON WERLHOF: "Die Zivilisation der Alchemisten. Aufstieg und Niedergang des Patriarchats als Weltsystem der 'Schöpfung aus Zerstörung'" (Forschungsjahr)
  • Dr. Franco RUAULT: "De-Maskierung im Patriarchat. Julius Streicher und die 'Judenfrage'"
  • MMag. Mathias BEHMANN: "DE MYSTICO MUNDO MATRIS. Über das Geheimnis des Daseins und die Geschichte seiner Leugnung in der Philosophie des Abendlandes." (Doktoratsstipendium der Universität Innsbruck)

 

2. Auf dem Weg in eine neue Zivilisation? Beispiele aus … (Empirie-Teil)

Wir beobachten, dass die herrschende Zivilisation, insbesondere die westlich - patriarchale, nicht nur immer noch in Ausbreitung begriffen („Globalisierung“, Neue Weltordnung, neue Kriege), sondern darüber hinaus auch in eine tiefe Krise geraten ist. Demnach ist mit der Entstehung einer ganz neuartigen, „post -patriarchalen“ und eventuell „neo- matriarchalen“ Zivilisation zu rechnen, deren Keime schon vorhanden sein müssen.

Unserem Ansatz nach sind diese Keime am Wandel der 5 grundlegenden zivilisatorischen Verhältnisse erkennbar: 1. dem Naturverhältnis (Technik und Ökonomie), 2. dem politischen Verhältnis (soziale Ordnung), 3. dem Geschlechterverhältnis, 4. dem Generationenverhältnis und 5. dem Transzendenzverhältnis (Spiritualität, Religion).

Wir wollen in verschiedenen Teilen der Welt bei Gruppen und Gemeinschaften forschen, die sich im Aufbruch zu einer neuen Zivilisation befinden.


MitarbeiterInnen und Themen:


Europa:

  • Dr.in Sibylle AUER: "'Heiliges Land Tirol'? Enteignung, Zerstörung und Transformation von alten Baum-, Stein- und Quellkulten" (Dissertation) Wird in der Reihe "Beiträge zur Dissidenz" bei Peter Lang 2009 erscheinen.
  • DI. Simone KÖNIG: "Die Kuh ist ein Geschöpf der Fülle. Auf dem Weg zu einer neuen Mensch-Tier Beziehung"
  • MMag. Martin HASELWANTER: "Soziale Bewegungen zwischen kapitalistischem Patriarchat und Alternativen" (Doktoratsstipendium der Universität Innsbruck)
  • Mag. Ursula SCHEIBER: "BergLeben im Alpenraum. Subsistenz-Kultur-Wissen als Grundlage für neue Zivilisationen in den Bergregionen. Alternativen zum natur- und lebensfeindlichen Transformationssystem des Patriarchats" (Doktoratsstipendium der Universität Innsbruck)

Weitere Mitarbeiter/innen:

  • Mag. Theresa FRICK: "Zivilisation der Entfremdung. Untersuchung eines Kernbegriffs der politischen Wissenschaft und Überprüfung seiner Anwendbarkeit auf die aktuelle Systemkrise"
  • Mag. Sebastian SOJER: "Berufsschulen als Werkzeug wirtschaftlicher Interessen? Alternativen zur aktuellen (Berufs)schulpädagogik" (Arbeitstitel)
  • Mag. Matthias WALCH: "Ein anderes Geld für eine andere Wirtschaft - Von der Warenwirtschaft zur Ökonomie als gutes Haushalten"
  • Mag. Simone WÖRER: "Die Krise der Gabe. Vom Vergessen und Wiederfinden des Schenkens im Spannungsfeld ökonomischer Dekadenz, politischer Ohnmacht und sozialer Erosion"
  • Mag. Birgit SCHERER: "Über die tatsächlichen Ursachen der Finanzmarktkrise und die Suche nach neuen Geldsystemen / Formen der Kreativität unterstützen und dem Gemeinwohl dienen. Die 'Bank' danach - Alternativen zum modernen Geld (Arbeitstitel)"

Publikation in Planung:

Claudia v. Werlhof/Mathias Behmann: "Teoría Crítica del Patriarcado- Hacia una Ciencia y un Mundo ya no Capitalistas ni Patriarcales", Beiträge zur Dissidenz Nr. 24. Frankurt a. M.: Peter Lang Verlag, voraussichtlich 2009.