Forschungszentrum Organisationsforschung (Organization Studies)

Leiter

Ao.Univ.-Prof. Mag. Mag. Dr. Leonhard Dobusch (Institut für Organisation und Lernen)

Stellvertretender Leiter

ao. Univ.-Prof. Richard Weiskopf (Institut für Organisation und Lernen)

Forschungsziele

In ihren vielfältigen Erscheinungsformen sind Organisationen konstitutiv für moderne Gesellschaften. In weiten Bereichen des sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Lebens bilden Organisationen Kristallisationspunkte der Entwicklungsdynamik. Sie stellen die Form dar, mit der Arbeitsbeziehungen gestaltet, Interessen verfolgt, Informationen ausgetauscht und soziale Strukturen gefasst werden. Organisationen greifen somit wesentlich in die lebensweltlichen Bezüge von Menschen ein und beeinflussen andererseits den gesellschaftlichen Fortschritt auf entscheidende Weise. Der Befund, dass heutige Gesellschaften „Organisationsgesellschaften“ (Perrow) sind, belegt die überragende Bedeutung von Organisationen für das Verstehen und Gestalten von sozialen Zusammenhängen.

Organisationen werden zunehmend mit der gesellschaftlichen Forderung nach Transparenz und Offenheit konfrontiert. ‚Transparenz‘ gilt als ‚key for good governance‘ (C. Hood). In diesem Teilbereich des Forschungszentrums gilt es, das Transparenz und Offenheit als Organisationsmaximen zu problematisieren, als historisches Konzept zu rekonstruieren und in seiner Bedeutung für Organisationen zu erforschen. Dieser Forschungsbereich zielt darauf ab, Transparenz und Offenheit in ihrer Mehrdeutigkeit zu erfassen. Zum einen werden Transparenz und Offenheit als governmentale Konzepte verstanden, in denen es darum geht, Prozesse, Abläufe, individuelle und soziale Potenziale und Kompetenzen sichtbar und damit gestaltbar und steuerbar zu machen. In diesem Sinne bezeichnen Transparenz und Offenheit spezifisch moderne Formen der Machtausübung in und durch Organisationen über das Felder der Sichtbarkeit und der Unsichtbarkeit hergestellt werden. Zum zweiten werden Transparenz und Offenheit als Konzepte mit emanzipatorischen Wurzeln verstanden. Sie können demnach dazu Räume für einen gesellschaftlich-kritischen Dialog über Macht- und Entscheidungsprozesse in Organisationen sowie über Strukturen, die bestimmte Felder der Sichtbarkeit und der Unsichtbarkeit generieren, herzustellen. Fragen rund um Transparenz und Offenheit stellen sich dabei sowohl im Innen- wie auch im Außenverhältnis:

Im Innenverhältnis steht etwa die aktuelle Thematik des ‚Whistleblowing‘ in diesem Zusammenhang. Es wird als eine moderne, organisationale Form der ‚parrhesia‘ (Wahrsprechen) verstanden, die die Reproduktion von organisationalen Praktiken bzw. von ‚business as usual‘ unterbricht und einen ethisch-politischen Raum für die Um- und Neugestaltung von Organisationen öffnet. Es sollen die Bedingungen, Möglichkeiten und Konsequenzen des ‚Wahrsprechens‘ in Organisationen erforscht werden insbesondere soll die Bedeutung der parrhesiastischen Modalität des Wahrsprechens im Ver-gleich zu anderen Modalitäten des Wahrsprechens – etwa der ökonomisch-technischen Modalität – erforscht werden.

Während das Beispiel des ‚Whistleblowing‘ die (potenzielle) Öffnung von etablierten organisationalen Praktiken ‘von innen heraus’ thematisiert, soll in der zukünftigen Entwicklung dieses Bereiches v.a. auch die Öffnung organisationaler Praktiken durch Impulse, Anfragen und Anforderungen ‚von außen‘ thematisiert werden. Insbesondere im Zusammenhang mit der Entwicklung neuer sozialer Medien und digitaler Möglichkeiten erweitert sich nicht nur die Offenheit für Verbreitung und Verarbeitung von Beiträgen interner wie externer Stakeholder, sondern erweitert auch die Möglichkeit von Organisationen ihr Umfeld und die verschiedensten Stakeholder sichtbar, steuer-bar, kontrollierbar und managebar zu machen.

In Bezug auf die verwendeten Methoden ist durch den Fokus auf die qualitative Sozialforschung eine große Kohärenz zu erkennen. In allen Arbeitsbereichen wird ein ähnliches Methodenrepertoire verwendet, woraus sich nachhaltige Synergie- und Lernpotenziale ergeben. Die beforschten Organisationen liegen sowohl im Profit- als auch im Non-Profit-Bereich (Schulen, Krankenhäuser, Museen und andere Kulturorganisationen sowie öffentliche Verwaltungen und digitale Gemeinschaften wie Wikipedia)

 Interview mit dem früheren Leiter Martin Piber (Video)

Beteiligte Organisationseinheiten

Homepage des Forschungszentrums

http://www.uibk.ac.at/organisationsforschung/