Universität Innsbruck

Neophyten - Tirol

Gebietsfremde Pflanzenarten und ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt
Eine Initiative des Institutes für Botanik und der Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol

Das Kompetenzzentrum Neophyten Tirol ist die Drehscheibe, an der sowohl Informationen zusammenlaufen, als auch der Umgang mit Neophyten in Tirol koordiniert wird.

Zu den Aufgaben zählen Grundlagenerhebungen (Floristik, Verbreitung, Einfluss auf Natur, Umwelt und Mensch von gebietsfremden Pflanzen), sowie Fort- und Ausbildungen. Die daraus gewonnenen Informationen und Erkenntnisse bilden eine wichtige Basis für den Umgang mit Neophyten in Tirol.

Neophyten („Neu-Pflanzen“) sind Pflanzen, die in einem bestimmten Gebiet nicht ursprünglich sind, sondern durch die Einwirkung des Menschen nach der Entdeckung Amerikas (1492) und einer damit einhergehenden Verstärkung des Welthandels eingewandert sind. Bereits in der Jungsteinzeit und durch den Handel der Römer sind Pflanzen zu uns gekommen, diese werden als Archäophyten („Alt-Pflanzen“) bezeichnet. Von diesen beiden Gruppen abzugrenzen sind die einheimischen Arten, sie haben das Land nach der letzten Eiszeit aus eigener Kraft besiedelt.

Die Verbreitungsgebiete von Arten sind natürlichen Veränderungen unterworfen, die Arealgrenzen verschieben sich oftmals langsam nach außen. Durch den weltweiten Warenaustausch erreichen Arten Gebiete, die sie auf natürlichem Weg nie erreicht hätten. Viele davon wurden absichtlich eingeführt, als Zierpflanzen, Begrünungen oder landwirtschaftliche Nutzpflanzen, der andere Teil unbeabsichtigt über Warenaustausch und Verkehr.

Neophyten sind weltweit ein wesentlicher Gefährdungsfaktor für die biologische Vielfalt. Treten nichteinheimische Pflanzen in großer Zahl auf, sind sie in der Lage, einheimische Pflanzen zu verdrängen. Dieser Effekt ist umso stärker, je intensiver der menschliche Einfluss (Störung des Lebensraumes) ist.

Nur eine geringe Zahl von Neophyten besitzt das Potenzial, in natürliche oder naturnahe Ökosysteme einzudringen. Dabei spielen die arteigenen Eigenschaften, wie hohe Samenproduktion, effektive vegetative Vermehrung oder schnelle Anpassungsmöglichkeit an neue Umweltbedingungen eine große Rolle. Die Summe aller Faktoren bedingt, dass in Siedlungsnähe und entlang des Verkehrsnetzes, sowie auf landwirtschaftlichen Flächen häufiger Neophyten anzutreffen sind, wie in siedlungsferneren Bereichen.

Ein sehr hoher Anteil der Arten ist allerdings nicht so erfolgreich und bleibt auf ein kleines Areal beschränkt, oder verschwindet nach einiger Zeit wieder. Eine Änderung des Klimas beispielsweise könnte jedoch bewirken, dass Arten, deren Vermehrung bislang durch tiefe Temperaturen verhindert wurde, gefördert werden.
Aufgrund des unterschiedlichen Verhaltens der einzelnen Pflanzen können keine pauschalierten Aussagen getroffen werden: Chancen und Risiken müssen für jede Art einzeln bewertet werden.

Invasive Neobiota (Tiere, Pflanzen, Bakterien) können folgende Probleme verursachen:

  • Verlust der standorttypischen Tier- und Pflanzenwelt durch Vereinheitlichung der Fauna und Flora
  • Verdrängung heimischer Arten durch Konkurrenz um Ressourcen
  • Veränderung der Lebensräume (Nährstoffkreisläufe, Standortbedingungen..)
  • Einkreuzungen mit heimischen Arten und damit Veränderung  des Genpools
  • Negative Auswirkungen auf Wohlbefinden und Gesundheit (Allergien, Krankheiten)
  • Ökonomische Schäden (Gesundheitswesen, Infrastruktur, Land- und Forstwirtschaft)

In Österreich sind die Bestimmungen der neuen EU-Verordnung 1143/2014, die seit 1. Jänner 2015 in Kraft sind, direkt anzuwenden.

  • EU-Verordnung

  • EU_Liste gebietfremder invasiver Tier- und Pflanzenarten

Links

  • CBD Invasive Alien Species
  • Gesetze, EU-Richtlinien und Konventionen
  • Invasive Alien Species
  • Neobiota in Österreich

Gebietsfremde Arten wandern in unsere Umwelt meist durch Unachtsamkeit ein. Wichtig ist vor allem die Bewusstseinsbildung  zur Vermeidung der weiteren Ausbreitung problematischer Arten. 

Sehr häufig nimmt die Ausbreitung von Neophyten ihren Anfang in Gärten. Durch eine bewussten Umgang mit Gartenabfällen und Achtsamkeit bei den Pflanzungen kann ein sehr wichtiger Beitrag zur Vermeidung von Neuansiedlungen und  weiteren Verbreitung fremdländischer Pflanzen geleistet werden.

Maßnahmen gegen die unterschiedlichen Arten sind bei den jeweiligen Steckbriefen aufgeführt.

Links

Titelblatt des Handbuches zur Strategie von Tirol im Umgang mit Neophyten

Stra­te­gie für Tirol im Umgang mit gebiets­frem­den Pflan­zen­ar­ten

Symbol Marker auf Landkarte

Fund­mel­dun­gen

Blüten von Asclepias syriaca

Arten­steck­briefe der Pro­ble­mar­ten für Tirol

Podcast: „Zeit für Wissenschaft“ über Neophyten

Gekommen, um zu bleiben? Ob Ragweed, Drüsiges Springkraut, Sommerflieder oder die Kanadische Goldrute – einige dieser Pflanzen scheinen fast schon zur Selbstverständlichkeit geworden zu sein. Sie sind so genannte Neophyten, in unseren Breiten nicht ursprünglich und durch menschliche Einwirkung verbreitet worden. Konrad Pagitz ist Experte für diese „Neu-Pflanzen“.

In dem Gespräch mit Konrad Pagitz, dem Leiter des Kompetenzzentrums Neophyten in Tirol in Kooperation mit der Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol, geht es um Erfolgsrezepte der Neophyten, die Probleme, die sie verursachen und um Strategien, wie man mit ihnen umgehen kann.

Diesen Podcast zitieren:
Pagitz, Konrad: "Neophyten". Gespräch mit Melanie Bartos im Podcast "Zeit für Wissenschaft", Universität Innsbruck, 2021.

Podcast: „Zeit für Wissenschaft“ über Neophyten