Neues Biodi­ver­si­täts­fonds-Pro­jekt

Genetisches Monitoring von Nordostalpen-Endemiten

Ein neu bewilligtes, vom Österreichischen Biodiversitätsfonds finanziertes Projekt schafft die Grundlage für ein genetisches Monitoring von acht endemischen Pflanzenarten der nordöstlichen Kalkalpen.

 

Charlotte Permann beim Grasenick-Vortrag

Hochschwab-Steinkraut (Alyssum neglectum). Diese erst 2014 unter Federführung von P. Schönswetter neu beschriebene Art kommt weltweit nur am östlichen Hochschwab (Steiermark) vor. Die Art ist sehr selten und die kleinen Populationen sind von den Folgen der Klimaerwärmung (zunehmende Vegetationsdeckung) stark bedroht. Ein genetisches Monitoring würde eine entscheidende Grundlage für ein zukünftiges Management dieser Art liefern und ihren langfristigen Fortbestand sichern.

Österreich beherbergt etwa 50 endemische, nicht-apomiktische Blütenpflanzen. Die meisten davon kommen in den Alpen vor, gehäuft in der Nähe bekannter Eiszeitrefugien am Alpensüd- und Alpenostrand. Die Region, die die meisten, ausschließlich auf Österreich beschränkten, Endemiten beherbergt, sind die nördlichen Kalkalpen (NKA). Grund dafür ist die fehlende oder geringe eiszeitliche Vergletscherung dieser Region, besonders östlich der Enns.

In Anbetracht der rein österreichischen Verbreitung der Endemiten der NKA trägt Österreich eine überaus große Verantwortung für Erhalt und Schutz dieser “botanischen Kronjuwelen” und ihrer genetischen Vielfalt. Die Endemiten der NKA sind zudem Zeugen einer bewegten evolutionären Vergangenheit, und ihr genetisches Erbe ermöglicht Rückschlüsse auf die Vegetations- und Klimageschichte der NKA und Österreichs allgemein. Trotz dieser großen Verantwortung gibt es bisher keine systematischen genetischen Untersuchungen oder gar ein genetisches Monitoring.

Dieses Projekt zielt darauf ab, die Grundlage für ein genetisches Monitoring von acht ausgewählten endemischen Pflanzenarten der nordöstlichen Kalkalpen (Achillea clusiana, Alyssum neglectum, Callianthemum anemonoides, Campanula pulla, Draba stellata, Euphorbia saxatilis, Noccaea crantzii, Pulmonaria kerneri) zu schaffen. Die genomische DNA von jeweils 10 Individuen von insgesamt 150 untersuchten Populationen wird mittels Restriction-site Associated DNA Sequencing (RADseq) sequenziert, um Parameter zu erheben, die die genetische Diversität und die genetische Differenzierung der Populationen widerspiegeln. Es soll erstmals eine systematische und generell anwendbare Methode für ein genetisches Monitoring von Wildpflanzen in Österreich etabliert werden.

Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse lassen sich konkrete naturschutzfachliche Empfehlungen ableiten. Die erhobenen Indizes erlauben nicht nur eine Charakterisierung des Ist-Zustandes, zum Beispiel die Identifikation besonders schützenswerter, diverser Populationen, oder besonders bedrohter, genetisch verarmter Population, sondern erlauben es auch, differenziert und rechtzeitig Managementmaßnahmen für die Zukunft zu erarbeiten.

Das Projekt wird von Prof. P. Schönswetter geleitet und in Zusammenarbeit mit Dr. Karin Tremetsberger, Dr. Manuela Winkler und Dr. Matthias Kropf von der Universität für Bodenkultur Wien durchgeführt.

Nach oben scrollen