Tagung Diagnostik & Lehrer*innenbildung

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Perspektiven zur Pädagogischen Diagnostik im Kontinuum der Lehrer*innenbildung

Seit der mit den großen Schulleistungsvergleichsstudien einhergehenden zweiten empirischen Wende gewinnt die Pädagogische Diagnostik an Aufmerksamkeit. Im Jahr 2015 etwa konstatierte das damals für Schulen zuständige österreichische Bundesministerium für Bildung und Frauen in einer pädagogischen Handreichung, Pädagogische Diagnostik gehöre zu den Kernaufgaben der professionellen Arbeit von Lehrpersonen (SQA-Beiheft Pädagogische Diagnostik). Sie zählt heute zu den Kernkompetenzen von Lehrer*innen.

Eingeführt wurde der Terminus von Ingenkamp 1968 in Anlehnung an die psychologische Diagnostik als Sammelbegriff für „Beurteilungslehre“ bzw. „Leistungsmessung“. Insbesondere seit den 1980er Jahren differenzierte sich das Verständnis des Begriffs aus. Im Kern all dieser Definitionen stand das Individuum und die Frage, wie und mit welcher Methode die Lehrkraft den Lernenden erfolgreich Wissen vermitteln, das Ergebnis messen und den Lehr-Lern-Prozess individuell steuern kann. Gegenwärtig entwickelt sich Pädagogische Diagnostik zu einem zentralen Element in Konzepten der Lernbegleitung wie in Modellen der evidenzorientierten Schul- und Unterrichtsentwicklung. Damit verbunden ist ein Wandel im Verständnis der Pädagogischen Diagnostik über die traditionelle Individuumszentrierung hinaus. Unter dem Begriff der diagnostischen Expertise werden zunehmend auch Fähigkeiten im Umgang mit und der Nutzung von Ergebnissen aus stärker standardisiert erhobenen Daten auf Klassen- und Schulebene im Rahmen von evidenzorientierter Qualitätsentwicklung verstanden. Nicht zuletzt ist die Verortung im Mehrebenensystem Schule – im Kontext regionaler Qualitätsentwicklungsbestrebungen und landes- und bundesweiter Maßnahmen des Bildungsmonitorings – ein wichtiger Aspekt.

Diese Anforderungen und Entwicklungen reflektieren auch auf die Lehrer*innenbildung, von der Ausbildung über den (begleiteten) Berufseinstieg hinein in eine kontinuierliche berufslebenslange Professionalisierung einzelner Lehrpersonen wie auch von kollegialen Lerngemeinschaften und Schulen als lernende Organisationen. Bezogen auf die Lehrer*innenbildung kann nahezu jede Fragestellung zur Pädagogischen Diagnostik aus der Perspektive der Lehrpersonen und deren Professionalisierung behandelt werden.

Mit der Tagung sollen daher Diskurse zur Pädagogischen Diagnostik im gesamten Kontinuum der Lehrer*innenbildung angeregt und weiterentwickelt werden:

  • Welche Zugänge, Konzepte, Modelle und Methoden tragen gegenwärtig zur Weiterentwicklung der Pädagogischen Diagnostik als eigenständigem Bereich bei?
  • Welche Modelle bzw. Konzepte einer eigenständigen Pädagogischen Diagnostik erweisen sich insbesondere im Kontext der Kompetenzorientierung als lern- bzw. entwicklungsfördernd?
  • Wie kann das Kontinuum von der Individual-, über die Gruppen- hin zur Systemdiagnose in einer zeitgemäßen Pädagogischen Diagnostik konzeptualisiert werden?
  • Welche Anforderungen stellen sich im Bereich der Pädagogischen Diagnostik an Lehrpersonen und was bedeutet das für die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrer*innen?
  • Wie wechselwirken die jüngsten Entwicklungen in der Pädagogischen Diagnostik und der Lehrer*innenbildung?

Als Keynote-Speaker konnten wir Univ.-Prof.in Dr.in Silvia-Iris Beutel vom Institut für Allgemeine Didaktik und Schulpädagogik der TU Dortmund sowie Prof. Dr. Alois Buholzer vom Institut für Schule und Heterogenität der Pädagogischen Hochschule Luzern gewinnen.

Für das Parallelprogramm sind vorrangig Beiträge zu Problembereichen und konkreten Herausforderungen bzw. Anforderungen der Pädagogischen Diagnostik in der Lehrer*innenbildung sowie solche zu Modellen und Konzepten derselben, die auf aktuelle Entwicklungen Bezug nehmen, erwünscht.

Ziel der Tagung ist damit insbesondere einen Beitrag zur näheren Spezifikation zentraler Themenbereiche zu leisten, die gegenwärtig im Kontext der österreichischen Bildungsdiskussion unter Pädagogischer Diagnostik subsumiert werden.

 

Zur Bearbeitung tagungsrelevanter Fragestellungen können für das Parallelprogramm Einzelbeiträge eingereicht werden. Sie bestehen aus 20 Minuten Vortrag und 10 Minuten Diskussion und können theoretische Aufrisse oder empirische Forschungsbefunde zum Inhalt haben. Mit dem vorliegenden Call for Papers laden wir herzlich zur Einreichung von Beiträgen ein.

Diagnostik 2022 - Timeline

Bitte verwenden Sie zur Beitragseinreichung die unter https://umfrage.uibk.ac.at/limesurvey/allgemein/index.php/154534?lang=de eingerichtete Umfrage. Einreichfrist ist der 6. Juni 2022. Die Einreichungen werden einem Review-Verfahren unterzogen. Eine Information hinsichtlich Annahme/Ablehnung erhalten Sie Ende Juli 2022.

Bei offenen Fragen kontaktieren Sie uns bitte unter diagnostik22-ILS@uibk.ac.at. Wir freuen uns über zahlreiche Einreichungen!

 

Das Tagungsteam

Claudia Schreiner, Christian Kraler
Institut für LehrerInnenbildung & Schulforschung (Universität Innsbruck)

Gabriele Schauer (Universität Innsbruck), Johannes Reitinger (Universität Wien),
Sektion für LehrerInnenbildung und -bildungsforschung


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