Forschung von Johannes Hoff


 

Hoffs ältere Forschungsarbeiten fokussierten auf die post-phänomenologische Diskussion des 20. Jahrhunderts und den spätmittelalterlichen Mystiker, Philosophen, Kardinal und Bischof von Brixen Niklaus von Kues (1401-1464). Diese Arbeiten zielten darauf ab, die Bedeutung spiritueller und performativer Praktiken für unser modernes Verständnis von Kunst, Wissenschaft, Philosophie und Theologie zu erschließen. Zahlreiche seiner diesbezüglichen Publikationen entsprangen der Zusammenarbeit mit führenden Vertretern zeitgenössischer Kunst, wie dem 2011 verstorbenen Performance-Künstler Christoph Schlingensief.

Im angloamerikanischen Sprachraum wurde Hoff einer breiteren, interdisziplinären Leserschaft bekannt durch seine Monographie „The Analogical Turn. Rethinking Modernity with Nicholas of Cusa”, die 2013 erschienen ist. In dieser Monographie entwickelt er eine medientheoretisch fundierte Alternative zu modernen Säkularisierungsnarrativ, indem er Nikolaus von Kues‘ alternative Vision von Fortschritt und Innovation rekonstruiert. Letztere, so die These des Buches, erlaube uns, eine neue Perspektive auf die Herausforderungen der Gegenwart zu formulieren.

Hoffs jüngste Forschungsarbeiten bauen auf diesen Forschungsarbeiten zur analogischen Rationalität der Vormoderne auf und fokussieren auf die anthropologische Herausforderung der Digitalen Revolution. Eine wichtige Rolle spielt dabei die posthumanistische Diskussion um 'Selbsttechnologien', in denen Hoff den Schlüssel zu einer kritischen Revision unseres modern-humanistischen Menschenbildes entdeckt. Dabei knüpft Hoff zugleich an zeitgenössische, neurowissenschaftliche, post-analytische und post-phänomenologische Denker wie Thomas Fuchs, Charles Taylor, Hilary Putnam, Bernard Stiegler, Hartmut Rosa und Bruno Latour an, und an vormoderne Theologen und Philosophen wie Platon und Aristoteles, Augustinus, Dionysius-Areopagita, Thomas von Aquin, Meister Eckhart und Nicholas von Kues. Die theologische Zielsetzung dieses Forschungsprogramms liegt darin, das holistische Denken des östlichen und westlichen Christentums des ersten Jahrtausends von seinen modernen Übermalungen zu befreien und in spirituellen 'Selbsttechnologien' den Lebensnerv christlicher Theologie zu entdecken. Auf diesem Weg soll das theologische Transformationsprogram französisch- und englischsprachiger Ressourcement-Theologinnen und Theologen wie Henri de Lubac, Andrew Louth, John Milbank, Catherine Pickstock, Sarah Coakley und Rowan Williams mit der auf Max Scheler zurückgehenden anthropologischen Diskussion der deutschen Zwischenkriegszeit und des beginnenden 21. Jahrhunderts vermittelt werden.

In seiner Monographie Verteidigung des Heiligen. Anthropologie der digitalen Transformation von 2021 hat Hoff eine erste Synthese dieses Forschungsprojekts vorgelegt. Nach Hoff stellt die digitale Transformation den größten Zivilisationsbruch seit der Achsenzeit der Weltgeschichte dar, in der die uns bekannten religiösen und philosophischen Traditionen entstanden sind (um 500 v. Chr.): „Jeder weiß heute, worin die größte Bedrohung der Menschheit liegt: in der ökonomisch verursachten und technisch beschleunigten Verwüstung der Artenvielfalt und dem damit einhergehenden ökologischen Klimawandel. Die parallele digitale Transformation provoziert eine analoge Bedrohung: die ökonomisch verursachte und technisch beschleunigte Verwüstung geistiger Vielfalt und den damit einhergehenden spirituellen Klimawandel.“ Diese Herausforderung erzwingt, nach Hoff, eine kompromisslose Revision der theologischen Hintergrundannahmen, die unser modernes Menschenbild im Gefolge der Druckrevolution und den medientechnischen Innovationen der Renaissance als plausibel erscheinen ließen. Die für die einstmals dominierende vormoderne Tradition philosophischen und theologischen Denkens grundlegenden spirituellen Praktiken erlauben dabei, nach Hoff, bei der Kultivierung wissenschaftlicher und vorwissenschaftlicher Intelligenz auf diejenigen Potentiale zu fokussieren, die Menschen von Rechenmaschinen unterscheiden und zu Intellekt begabten, personalen Wesen werden lassen. Hoffs Monographie kulminiert in einer anthropologisch fundierten Reformulierung der theologischen Grammatik, die sich herauskristallisiert, wenn man diese Selbsttechnologien auf philosophisch disziplinierte Weise gebraucht: Das Glaubensbekenntnis der sieben ökumenischen Konzilien des ersten Jahrtausends.

In den Kontext dieses Forschungsprogramms gehört auch Hoffs Forschungskooperation mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik & Gesellschaft an der WU Wien und seine Mitarbeit bei der Forschungsgruppe ''Ethics in Action for Sustainable Development''', die von Prof. Jeffrey Sachs (Columbia University) im Auftrag des UN Sustainable Development Solutions Network und der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften einberufen wurde.

Hoffs erste Publikationen widmeten sich bioethischen Fragen und entsprangen der Kooperation mit Jürgen in der Schmitten, der heute als Professor für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen lehrt. Aus dieser Forschungskooperation entsprang das Buch Wann ist der Mensch tot? Organverpflanzung und ‘Hirntod’- Kriterium, das 1994 als Wissenschaftsbuch des Jahres ausgezeichnet wurde.

Nach oben scrollen