KOPF EINES KNABEN

Inv.Nr. II/27 (Original); I/644 (Gipsabguß)

Innsbruck, Institut für Klassische und 
Provinzialrömische Archäologie

FO: unbekannt, vielleicht Rom

Höhe: 23 cm, ergänzte Büste: 36 cm

Marmor

Mitte 3. Jh. n. Chr.

Der originale Marmorkopf wurde 1980 von seinen zahlreichen Ergänzungen befreit und erscheint seither in seiner ganzen künstlerischen Qualität. Um aber das ursprüngliche Bild dieser Antike, wie sie in die Sammlung gelangte, festzuhalten, wurde vor diesem restauratorischen Eingriff ein Abguß hergestellt.

In der Schausammlung steht nun dieser Abguß neben dem restaurierten Original. Es ist interessant zu sehen, wie sehr Ergänzungen die Arbeit beeinträchtigt und verändert hatten. Nach der "Entrestaurierung" wurde auch die Diskussion über die Identität dieses Kopfes neu belebt und bis heute nicht abgeschlossen.

Der spätantike Kopf wurde schon mit folgenden Namen belegt: Saloninus (jüngerer Sohn des Kaisers Gallienus), Gordian III. (238-244 n. Chr.), Diadumenianus (Sohn des Kaisers Macrinus), Caracalla, Geta, Alexander Severus und Philippus Minor. Jedenfalls bewegt sich die zeitliche Einordnung in der ersten Hälfte bis Mitte des 3. Jh. n. Chr.

Die eindeutige Entwicklung des Porträts im 3. Jh. n. Chr. ist bis heute eines der am schwierigsten zu erforschenden Kapitel antiker Bildhauerkunst. Die Restauratorin des Kopfes, M. Dawid, schlägt vor, sich wieder einer Identifizierung mit Saloninus anzunähern, meint aber, bevor nicht alle vergleichbaren Köpfe in Kopenhagen, im Vatikan und in den Uffizien von den ihnen ebenfalls verpaßten Ergänzungen befreit seien, könne das Problem nicht ernsthaft angegangen werden.

Literaturhinweise:

M. Dawid, Bemerkungen zur "Entrestaurierung" eines Knabenkopfes in Innsbruck, FS K. Kromer, Mitt. d. Anthropol. Gesellschaft in Wien 123/24 (1993/94) 325ff.

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Texte: Elisabeth Walde, Dietrich Feil; Photos: Jörg Moser; Gestaltung: Dietrich Feil;
© Institut für Archäologien / Klassische und Provinzialrömische Archäologie, Universität Innsbruck, 2003
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