Einleitung

Aufbauend auf den durch den FWF von 1973-1984 finanzierten "Schwerpunkt Plasmaphysik" am Institut für Theoretische Physik wurde durch die Schaffung des Institutes für Ionenphysik im Jahre 1987 und durch nachfolgende Beschlüsse in der Fachgruppe Physik das Fachgebiet Ionenphysik/Plasmaphysik als ein zentrales Arbeitsgebiet der Innsbrucker Physik installiert, wobei die Teilgebiete Elementarprozesse in Plasmen, Theoretische und Experimentelle Plasmaphysik, Clusterphysik und Gasanalyseverfahren besonders erfolgreich erforscht werden.

Ziel des institutsübergreifenden Forschungsschwerpunktes sind experimentelle und theoretische Untersuchungen, die zum grundlegenden physikalischen Verständnis der Erzeugung und der Eigenschaften von einzelnen Ionen führen bis hin zur genauen Beschreibung des kollektiven Verhaltens von Ionen und Elektronen in verschiedenen elektrischen und magnetischen Feldkonfigurationen unter selbstkonsistenter Berücksichtigung aller wesentlichen Aspekte und Komponenten (wie materielle Begrenzungen, äußere Schaltkreise, Stromprofile, stoß- und fluktuationsbedingte Transportphänomene, Reaktionskinetik, Plasmaheizung, magnetohydrodynamische Aktivitäten). Dabei wird auf enge Zusammenarbeit zwischen Theorie, Experiment und Computersimulation Wert gelegt. Besonders intensiv sollen Forschungsthemen behandelt werden, die die Elektronenwechselwirkung (Attosekunden-Physik), die Massenspektrometrie, die Clusterphysik, die Fusionsphysik und technische Plasmaphysik betreffen. Andererseits reichen die Forschungsarbeiten auch in die anwendungsbezogenen Bereiche wie Energiephysik und Umweltforschung (Ozon, Treibhauseffekt), Oberflächentechnologie, Materialwissenschaft und Biomoleküle (diese Arbeitsgebiete sind Teilgebiete von drei Fakultätsschwerpunkten).

Die anwendungsorientierten Perspektiven der o.a. Teilgebiete, das aufgebaute Potential an wissenschaftlichem Personal und Apparaturen sowie die zunehmende Einwerbung von Drittmitteln legen eine Erweiterung der diesbezüglichen Forschungsprogramme nahe. Die laufenden betreffenden Forschungsarbeiten werden auf nationaler Ebene in zahlreichen FWF-, ÖAW-, ÖNB-Projekten etc. durchgeführt und gefördert, und sind international eingebunden in insgesamt 10 europäische Netzwerke sowie in die Assoziation Euratom/ÖAW des Europäischen Fusionsprogrammes (4 der 7 Physikprojekte dieser Assoziation werden in Innsbruck durchgeführt), was die enorme Bedeutung dieses Forschungsgebietes innerhalb der europäischen Forschungslandschaft aufzeigt. Außerhalb Europas dokumentiert sich die Anerkennung unserer Arbeiten durch die Kooperationen mit zahlreichen renommierten Forschungsinstitutionen (Purdue University, NOAA, NCAR, Princeton Plasma Physics Laboratory, Japan National Institute for Fusion Science, Kiev Institute for Nuclear Research, University of Illinois Fusion Studies Laboratory, University of California at Berkeley u. a .m.).

Die ständig steigende Anzahl von in- und ausländischen Dissertanten (momentan werden im gegenständlichen Forschungsbereich ca. 40 Diplomanden und Dissertanten betreut), wissenschaftlichen Besuchern und Gastprofessoren belegt die große Ausstrahlung der Innsbrucker Ionen- und Plasmaphysik. Aufgrund der zahlreichen Einladungen auf internationalen Tagungen (insgesamt 52 in den letzten drei Jahren) ist der Bereich Ionenphysik/Plasmaphysik im Fachbereich Physik als ein international sehr renommierter und sichtbarer Schwerpunkt einzustufen (siehe auch Editorentätigkeiten in Zeitschriften). Die hervorragende Forschungsleistung wird auch (neben der Verfassung eines modernen Lehrbuches) durch die große Zahl an qualitativ ausgezeichneten Publikation belegt (mit einem Impaktfaktor von 245 und 151 Zitationen in den letzten drei Jahren bei nur 8 involvierten Hochschullehrern an den beiden Instituten). Aufgrund der hohen Relevanz der Forschungen ist es zu zahlreichen Zeitungsartikeln und Interviews in Radio und TV gekommen. In den letzten Jahren erhielten zwei Mitglieder des Schwerpunktes den Erwin-Schrödinger-Preis der Akademie der Wissenschaften, zwei wurden zu Honorarprofessoren ernannt, und mehrere ehemalige Absolventen wurden auf Lehrstühle an Universitäten bzw. als CEO großer Unternehmungen im In- und Ausland berufen.

Als besonders wichtig im Rahmen von Spin-off-Effekten zu erwähnen ist die Gründung mehrerer erfolgreicher high-tech Unternehmungen im Raum Tirol durch (auch ehemalige) Mitglieder des Instituts für Ionenphysik, was nicht nur zur Erhöhung des BNP, sondern auch zur Schaffung von Arbeitsplätzen für Absolventen führt.

Univ.-Prof. Dr. T. Märk
Vorstand des Institut für Ionenphysik

A. Univ.-Prof. Dr. K. Schöpf
Leiter der AG Plasma- u. Energiephysik am
Institut für Theoretische Physik