Fakultät für Bildungswissenschaften

Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Helga Peskoller

Experiment: ein wissenschaftliches Film- und Vermittlungsprojekt

(Beginn 1.2.2009 Projektende 30.9.2009)


Abschlussbericht

 

Projektziel

1)       Historische und anthropologische Grundlagen in Erziehung und Bildung

Bei dieser im SS 09 stattfindenden, 2-stündigen Vorlesung im BA (mit Doppelzuordnung im Diplomstudium), wo ca. 300 Teilnehmer erwartbar sind, handelt es sich um ein Modell für blended-learning mit dem Ziel einer ausgewogenen Kombination von Präsenz, Telekommunikation, Interaktion und sozialer Bezug. Eine der Voraussetzungen ist ein gutes didaktisches Konzept mit einem solide aufbereitetem Material. Dieses Material liegt weitgehend vor und ist vielfältig, es reicht von Texten, Statistiken und Overheadfolien über Dias und Fotos bis zu Videos (in unterschiedlichen Formaten: U-Matic, M2, VHS oder S-VHS), CDs und DVDs.

 

Der inhaltliche Kern der Einführung besteht in der Vermittlung eines Überblickswissens über die 5 Hauptströmungen der Historischen Anthropologie und einer Vertiefung dieses Wissens mithilfe einer anschaulichen, mediengestützen Darstellung durch ausgewählte Beispielen. Diese Beispiele sind im konkreten Fall in großer Zahl, allerdings in analoger Form vorhanden und müssten erst noch digitalisiert werden, was ihren Gebrauch in der Vorlesung wesentlich erleichtern würde, da man sich die Zusatzgeräte wie TV, Videorekorder, Overheadprojektor, Diamagazine erspart.

 

Ist dieser Schritt des Digitalisierens gemacht, kann ein zweiter, inhaltlicher folgen. Er besteht darin, eine Auswahl besonderer Ausschnitte, Details und Sequenzen vorzunehmen. So werden z.B. Videos in Einzelteile zerlegt, in SW umgewandelt und gegenüber der Filmechtzeit stark verlangsamt, damit sie über die, in den letzten 7 Jahren von mir entwickelten Methode der Nachschreibung auf eine andere Weise, d.h. präziser wahrgenommen, mehrfach gerahmt und neu zu „lesen“ sind. Die Methode der Nachschreibung verdankt sich selbst den Möglichkeiten der analogen und digitalen Medien und reflektiert diese mit, wodurch die Komplexität der Theoriebildung nicht reduziert, sondern gesteigert wird und mithin auch das kreative Potential der RezipientInnen.

 

2)       Orte ästhetischer Bildung: die Universität

Der 2-stündige Kurs/BA wird im WS 08/09 erstmals angeboten und versteht sich als Fortsetzung eines didaktischen Konzepts, welches zwei Ziele verfolgt: StudentInnen zu ProduzentInnen machen und am Format des „wissenschaftlichen Films“ weiter zu arbeiten.

In diesem speziellen Fall trifft das auf eine doppelte Weise zu: Das Ausgangsmaterial besteht nämlich aus zwei Videos (Mutterband: U-Matic), die 1990 bereits von StudentInnen im Videostudio der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck hergestellt wurden, die Titel lauten: „Nichts zu lachen“ und „unverdaulich – über die Lehre an der Uni“.

Das erste Video handelt vom Leben an der Uni und erzählt in sieben Fragmenten und anhand von Interviews (darunter befinden sich auch Gespräche mit inzwischen verstorbenen ProfessorInnen wie Josef Lackner/Architektur oder Herlinde Pisarek/Theologie) über die Bedingungen der Wissensproduktion, den Umgang mit Wissen oder den Zusammenhang von Raum, Körper und Denken. Der zweite Film hat experimentellen Charakter und fragt nach dem Zusammenhang von Lehren, Lernen und Verdauen.

Beide sind inzwischen historische Dokumente. Sie sollen durch Fragen, die z.B. auf Pierre Bourdieus Habituskonzept oder auf seine Überlegungen zur Verantwortung der Intellektuellen rekurrieren, „überarbeitet“, d.h. angeleitet reflektiert und mithilfe der Möglichkeiten, die neue Medien jetzt bieten, durch weitere Fragmente ergänzt werden. Um das bewerkstelligen zu können, muss das Ursprungsmaterial zuerst übertragen werden, erst dann wird eine weiterführende Be- bzw. Überarbeitung möglich. Diese hat eine technische Einschulung der StudentInnen (ca. 60) in die Geräte, einschl. Schnitt und Vertonung zur Voraussetzung und sollte die gesamte Produktion sollte bis zur Fertigstellung durch fachkundige TutorInnen begleitet werden.

Das Produkt selbst könnte dann Anlass zu einer öffentlichen Diskussion / Podiumsgespräch an der Universität geben. Darüber hinaus wäre ein Fragment als Dokumentation für ein Institut geplant, das 2009 fünfzig Jahre alt wird und mit der Fakultät für Bildungswissenschaften an einen neuen Ort mit einer anderen Geschichte zieht. 

 

 

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