#032: Der Bezugsvorschuss
Andrea Rumpold: Hallo und herzlich willkommen bei einer neuen Folge des Betriebsrat-Podcasts. Ganz ein salopper Einstieg, alles wird teurer, wir merken es täglich, auch beim alltäglichen Einkauf und dann gibt es da aber die erwarteten oder unerwarteten Ausgaben und da merkt man manchmal erst richtig, was teuer bedeutet. Und darum geht es heute um eine ganz, ganz tolle Zusatzleistung der Universität Innsbruck, nämlich den Bezugsvorschuss und ich begrüße dazu Herrn Prof. Markus Ganzera, seines Zeichens assoziierter Professor für Pharmakognosie und gleichzeitig, und das ist heute für uns sehr wichtig, Mitglied des Komitees für Bezugsvorschüsse. Herr Ganzera, herzlich willkommen im Studio.
Markus Ganzera: Danke für die Einladung.
Andrea Rumpold: Dann fangen wir gleich an. Bezugsvorschuss, man liest es auf der Website, man liest aber darüber, weil man denkt, brauche ich eh nicht und so weiter oder da beschäftige mich jetzt nicht damit. Was bedeutet Bezugsvorschuss?
Markus Ganzera: Das ist eine freiwillige Sozialleistung der Universität, das heißt, es besteht kein Rechtsanspruch darauf, aber es ist die Möglichkeit, bis zu 7300 Euro eines sozusagen zinsenlosen Darlehens aufzunehmen, in besonderen Fällen.
Andrea Rumpold: Besondere Fälle, das heißt, da muss schon einen guten Zweck geben und das kann man ja auch sehr gut nachlesen, entweder auf unserer Website oder eben sogar in einem Rundschreiben des Bundesministeriums, das auch zu finden ist und es gibt also Gründe und da steht einmal Notlage und unverschuldet. Klingt jetzt sehr drastisch, aber wie ist denn das gemeint?
Markus Ganzera: Das ist eigentlich so gemeint, dass natürlich das kein geschenktes Geld ist, das heißt, es müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Manche dieser Voraussetzungen sind ja genau definiert, sprich eben klassische Gründe wären Zahnsanierungen, Sanierung eines Hauses, Kauf eines Hauses, Kauf einer Wohnung. Bei anderen Dingen ist es vielleicht ein bisschen schwammiger, so nach dem Motto, okay, es muss eine soziale Notlage vorliegen, also es muss unverschuldet sein, also wenn man beispielsweise natürlich Mietrückstände hat, dann würde in dem Fall der Bezugsvorschuss nicht greifen, weil das ja selbst verschuldet ist. Aber im Prinzip, es gibt einige Dinge, die ganz klar sind, wobei ich vorausschicken möchte, dass wir nur eine Empfehlung abgeben, die endgültige Entscheidung trifft dann das Rektorat.
Andrea Rumpold: Ich gehe jetzt noch einmal zurück, ein guter Grund war Zahnsanierung, da schüttelt es mich schon, wenn ich es höre, Zahnsanierung nur, wenn ich es als Mitarbeiter:in der Uni Innsbruck brauche oder gilt das auch für meine Angehörigen?
Markus Ganzera: Das gilt auch für die Angehörigen, für die Angehörigen des ersten Grades, also für die näheren Angehörigen kann man das auch in Anspruch nehmen und was auch geht, man kann zwei Bezugsvorschüsse gleichzeitig beanspruchen, allerdings nur mit der Einschränkung, dass die Maximalsumme von 7300 Euro nicht überschritten sein darf.
Andrea Rumpold: Gut, da wird sich dann die Zahnsanierung für mich und für eine Zahnspange für mein Kind zusammen wahrscheinlich nicht ausgehen. Aber trotzdem, es ist eine sehr gute Sache. Meine nächste Frage ist, wer kann denn beantragen? Jeder? Jede?
Markus Ganzera: Da gibt es auch einige Einschränkungen, und zwar muss die Person mindestens ein Jahr Vollzeit angestellt sein an der Universität, sie muss unbefristet angestellt sein und das sind eigentlich die Einschränkungen, die es gibt.
Andrea Rumpold: Da kommen wir ja gleich zur Rückzahlung, die Rückzahlung ist ja gekoppelt mit meinem Gehalt. Wie funktioniert denn da eine Rückzahlung?
Markus Ganzera: Die Rückzahlung wird eigentlich in Absprache mit der Personalabteilung vereinbart, wobei es auch hier in diesen gesetzlichen Grundlagen schon Regeln gibt und die besagen mindestens 50 Euro pro Monat, maximal auf 10 Jahre gestreckt, wobei man, wenn man eine Sonderregelung haben möchte, die in Absprache mit der Personalabteilung vereinbaren kann.
Andrea Rumpold: Ich kann also 50 Euro pro Monat beantragen und wenn ich einmal mehr auf der Seite habe, sage ich, ich zahle jetzt einen Teil zurück. Das ist sehr gut. Generell, jetzt sind wir bei der Personalabteilung, also ich kann beantragen, es gibt einen Antrag auf Gewährung eines Bezugsvorschusses, auch bei uns übers Intranet abzurufen, ich fülle das aus, ich schicke das weg, das kommt dann in die Personalabteilung. Wie geht es denn dann weiter?
Markus Ganzera: Der weitere Lauf ist der, dass wir dann eine Information bekommen über den Antrag. Ich prüfe den mal auf formale Dinge, also wie gesagt, mit dieser Anstellung von mindestens einem Jahr und so weiter. Wenn es Rückfragen gibt, dann melde ich mich bei der Person, und was auch ganz wichtig ist, die beantragte Summe muss auch belegt werden durch Kostenvoranschläge. Was wir vielleicht noch vergessen haben, ausgenommen sind luxuriöse Anschaffungen. Das ist natürlich auch ein bisschen schwammig, was ist eine luxuriöse Anschaffung? Also wir handhaben das...
Andrea Rumpold: Die Zahnspange meiner Kinder ist auch Luxus.
Markus Ganzera: Aber sicher nicht! Aber was natürlich so unter diese Kategorie fällt ist zum Beispiel der Kauf eines Autos. Wo man einfach unterscheidet, möchte sich die Person jetzt einfach ein neues Auto kaufen, dann wäre das ein Luxus. Begründet es die Person damit, dass sie sagt, okay sie hat eine schwerkranke Mutter im hintersten Tal irgendwo zu versorgen, dann ist das ein anderer Grund. So wird das geprüft und wenn das dann passt, dann setzen wir uns zusammen. Wir, das ist ein Kollegium aus sechs Personen, drei vom Betriebsrat 1, drei vom Betriebsrat 2, besprechen den Fall und geben eine Empfehlung ab. Diese Empfehlung leite ich dann weiter ans Rektorat. Da kommt dann die fixe Entscheidung, ja oder nein, und dann geht es wieder zurück an die Personalabteilung, die dann mit der Person eben vereinbart, wie die Rückzahlungen sind und wie die Modalitäten sind.
Andrea Rumpold: Sehr gut, und wie oft trifft sich jetzt diese Kommission? Also gibt es da bestimmte Tage, wo ich das einreichen muss oder bestimmte Fristen, bis wann ich das einreichen kann?
Markus Ganzera: Nein, einreichen können Sie immer. Im Endeffekt ist es so, bei sehr dringenden Fällen, da werden wir uns schneller zusammensetzen. Ansonsten ist es so, dass wir uns routinemäßig vielleicht drei- bis viermal im Jahr treffen, meistens online, um diese Dinge zu besprechen. Also, es kann unter Umständen auch ein bisschen dauern, aber bei dringenden Fällen geht es sehr rasch.
Andrea Rumpold: Das klingt sehr gut und da sieht man, dass das Ganze auch individuell gehandhabt wird, wie Sie sagen, eben auch den Zweck und dann auch wie schnell es gehen muss und dann.
Markus Ganzera: Genau, also da sind wir flexibel.
Andrea Rumpold: Ja, sehr gut. Wir haben gesagt, ich muss also einen Kostenveranschlag abgeben. Wichtig ist sicher auch, dass ich alle Rechnungen aufbehalte und dann irgendwann einmal auch einreiche, oder?
Markus Ganzera: Auf jeden Fall, denn das wird dann von der Personalabteilung geprüft, dass auch die beantragten Mittel entsprechend verwendet wurden. Das heißt, wir prüfen mal, okay, ist der Antragsgrund, fällt der unter die Richtlinien, ist es belegt mit Kostenvoranschlägen, mit Rechnungen. Bei Kostenvoranschlägen wird dann aber im Nachhinein auch geprüft, hat die Person das dann auch für diesen Zweck verwendet.
Andrea Rumpold: Jetzt muss ich noch einmal was fragen und zwar Bezugsvorschuss, das heißt ja immer, dass ich eine gewisse Summe, die ich ausgeben muss für irgendwas, wir haben gerade gesagt, Notlage und unverschuldet und so weiter. Kann ich davon ausgehen, dass das Ganze anonym ist?
Markus Ganzera: Ja, das ist anonym. Das ist wichtig. Ich meine, die betroffenen Personen in den Abläufen, natürlich kennen die Namen, aber ansonsten geht das nicht nach außen und bleibt das in dieser kleinen Gruppe.
Andrea Rumpold: Ja, sehr gut. Und Sie haben gesagt, maximal 7300, das sagen wir jetzt noch einmal, ist es immer 7300, also das ist die höchste Grenze?
Markus Ganzera: Genau, das ist die Höchstgrenze. Das heißt, wenn Sie einen kleineren Betrag haben, überhaupt kein Problem. Wenn Sie 2000 Euro benötigen, geht genauso. Wobei ich vielleicht vorausschicken möchte, wir schauen schon, dass das auch machbar ist für die Personen. Und unsere, sozusagen interne – das steht nicht in den Richtlinien drinnen –, aber unsere interne Regelung ist, zu sagen, wir vergeben maximal das Dreifache des Bruttogehalts der Person. Einfach, um die Belastung überschaubar zu halten.
Andrea Rumpold: Ja, weil sonst reiße ich mir ja wieder ein neues Loch auf. Das klingt alles sehr gut. Ich finde, wir haben im Großen und Ganzen alles sehr gut jetzt angerissen. Sie haben das sehr gut beantwortet. Das ist einmal eine erste Idee und ich finde, das ist sehr wichtig, weil wie gesagt, wie wir am Anfang gesagt haben, man weiß, es steht auf der Website, man liest nicht rein, alle unsere Kinder brauchen irgendwann einmal eine Zahnspange, hat man das Gefühl und so weiter. Und es ist wirklich gut zu wissen, ich könnte, wenn eine größere Ausgabe, finanzielle Ausgabe jetzt ansteht, ich könnte mich an das Komitee für Bezugsvorschuss wenden und könnte einen Antrag stellen. Und dann habe ich wirklich, wie Sie gesagt haben, einen zinsenlosen Kredit. Das klingt sehr gut. Und vielleicht zum Schluss, wenn man vorher ausscheidet von der Universität, ist das Geld natürlich trotzdem zurückzuzahlen.
Markus Ganzera: Das heißt, was wird da in Anspruch genommen, also beispielsweise Abfertigungen oder solche Dinge. Also das heißt, das Geld wird schon wieder eingefordert, auch wenn man vor dem regulären Ablauf des Bezugsverschusses zum Beispiel die Universität verlässt. Also geschenkt ist es nicht.
Andrea Rumpold: Ja eben, wie Sie gesagt haben, kein Geschenk, aber auf der anderen Seite, es ist eine sehr großartige Leistung.
Markus Ganzera: Ja, auf jeden Fall.
Andrea Rumpold: Ich sage vielen Dank. Nachzulesen ist das Ganze natürlich wieder mal auf unserer Website oder eben im Intranet unter Bezugsvorschuss. Sehr toll, das hat mich sehr gefreut, es war sehr informativ. Ich sage vielen Dank und alles Gute! Auf Wiedersehen!
(Dieses Transkript wurde unter Zuhilfenahme von Whisper erstellt.)