Projekte

Laufzeit:
01.10.2017 - 30.09.2021
 

FWFFinanzierung:
FWF – Der Wissenschaftsfonds (P30289-G25)

Projektleiter: Univ.-Prof. Mag. Dr. Peter Trebsche

ProjektmitarbeiterInnen: 
 Mag. Daniela Fehlmann, Michael Konrad BA (Donau-Universität Krems, Zentrum für Museale Sammlungswissenschaften)
Dr. Andreas G. Heiss, DI Silvia Wiesinger, DI Thorsten Jakobitsch (Österreichisches Archäologisches Institut)
Dr. Marianne Mödlinger (Institut de Recherche sur les Archéomatériaux, UMR 5060, Université Bordeaux, Frankreich)
Dr. Roderick Salisbury, Julia Längauer MA (VIAS, Universität Wien)

Leben und Arbeit im bronzezeitlichen Bergbau von Prigglitz (Life and Work at the Bronze Age Mine of Prigglitz)

Das interdisziplinäre Auswertungsprojekt erforscht die Organisationsstruktur einer Bergbausiedlung. Ein Bündel erprobter und innovativer Methoden (Archäobotanik, Archäometallurgie, Geochemie, Mikroabfälle, Gebrauchsspurenanalyse) wird angewandt, um die „Chaîne opératoire“ der Kupfergewinnung und die Versorgung der Bergleute mit Nahrungsmitteln und Energie zu untersuchen. 

Ausgrabungen Prigglitz
Ausgrabungen in der spätbronzezeitlichen Bergbausiedlung von Prigglitz (Foto: P. Trebsche).

 

 Forschungsziele

Was erhielten die bronzezeitlichen Bergleute im Gegenzug für ihre mühsame Arbeit unter Tage? War Kupferbergbau eine Nebenbeschäftigung von Bauern, ein Vollzeitjob von professionellen Bergleuten oder Sklavenarbeit unter der Kontrolle einer Elite? Obwohl Metallerzeugung und -handel als treibende Kraft der gesellschaftlichen Entwicklung in der europäischen Bronzezeit betrachtet werden, sind die zugrundliegenden Prinzipien der Arbeitsorganisation und Spezialisierung noch immer ungenügend erforscht. Dies ist zum Teil auf das Fehlen von detaillierten Studien zu den Bergbausiedlungen zurückzuführen, weil sich Archäologen üblicherweise nur auf die technischen Einrichtungen (z.B. Schmelzöfen) konzentrierten und die Überreste des Alltagslebens und anderer Handwerkstätigkeiten außer Acht ließen.

Die Zielsetzung ist es, die soziale Organisationsform und die Betriebsweise eines Kupferbergwerks in den Alpen im Zusammenhang mit seinen Kommunikations- und Austauschnetzwerken zu untersuchen. Wir schlagen eine mikroregionale Fallstudie der erst kürzlich ausgegrabenen spätbronzezeitlichen Bergbausiedlung von Prigglitz-Gasteil (ca. 1050 bis 900 v. Chr.) in Niederösterreich vor, die ausgezeichnete Voraussetzungen für eine Untersuchung des Aufstiegs und Falls der Bergbausiedlung bietet. Dank des herausragenden Erhaltungszustandes ermöglicht die Fundstelle einen facettenreichen Ansatz zur Erforschung des Kupferbergbaus, der Bronzeverarbeitung und deren sozialen Aspekte.

Die einzelnen Ziele sind: 1) die Organisationsmodelle bronzezeitlicher Kupferbergbaue in den Ostalpen zu vergleichen, auch in Hinblick auf Querverbindungen zum gleichzeitigen Salzbergbau in Hallstatt; 2) Aktivititätsmuster innerhalb der Fundstelle zu untersuchen; 3) die chaîne opératoire zu analysieren – vom Kupferabbau zur Produktion von Bronzegegenständen; 4) die Nahrungs- und Energieversorgung der Bergbausiedlung von Prigglitz-Gasteil zu rekonstruieren. Als theoretische Grundlage wird das Konzept der chaîne opératoire eingeführt, um die Verbindungen zwischen Technologie und Gesellschaft sowie Wissen und Tradition zu erforschen. Ein Bündel innovativer Methoden (Geochemie, Mikroabfälle, Gebrauchsspurenanalyse) wird das erste Mal im Kontext eines mitteleuropäischen Bergbaus angewandt. Zusätzlich wird ein breites Spektrum an Methoden aus Archäologie, Archäometallurgie, Archäobotanik, Archäozoologie und Geophysikalischer Prospektion kombiniert, um die Rolle kleinmaßstäbiger Kupferproduzenten hervorzuheben. Zum ersten Mal wird auch der Prozess des Recycling im Mittelpunkt archäometallurgischer Analysen in Mitteleuropa stehen. Die Projektergebnisse werden daher auch wesentlich die Methodik der Siedlungsarchäologie voranbringen und künftige Ausgrabungsstrategien verbessern.


KooperationspartnerInnen

Prof. Dr. Remy Chapoulie (Institut de Recherche sur les Archéomatériaux, UMR 5060, Université Bordeaux, Pessac, Frankreich) – metallographische Analysen

Ass. Prof. Dr. Adrian Flores-Orozco (TU Wien, Department of Geodesy and Geoinformation, Geophysics Research Division) – geophysikalische Prospektion

Univ.-Prof. Dr. Michael Götzinger (Institut für Mineralogie, Universität Wien) – Prospektion von Kupfererzen, mineralogische Analysen

Prof. Tomasz Goslar (Poznan Radiocarbon Laboratory, Adam Mickiewicz University, Poznan, Polen) –Radiokarbondatierungen

Univ.-Prof. Dr. Roland Haubner, Dr. Susanne Strobl (Technische Universität Wien, Institut für Chemie) – metallurgische Schlackenanalysen

Priv.-Doz. Dr. Uwe Kolitsch (Naturhistorisches Museum Wien, Mineralogische Abteilung) – Prospektion von Kupfererzen, mineralogische Analysen

Univ.-Prof. Dr. Klaus Oeggl (Universität Innsbruck, Institut für Botanik) – Prospektion von Pollen- und Sedimentarchiven

Mag. Dr. Erich Pucher (Naturhistorisches Museum Wien, Archäozoologische Sammlung) – archäozoologische Analysen

Dr. Ingrid Schlögel (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, Division Geophysics, Wien, Österreich) – geoelektrische und seismische Prospektionen

PD Dr. Roland Schwab (Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie gGmbH, Mannheim, Deutschland) – archäometallurgische Analysen

Doc. RNDr. Ladislav Strnad Ph.D. (Univerzita Karlova, Laboratories oft he Geological Institute, Praha, Tschechische Republik) – geochemische Analysen

Mag. Günther Weixelberger (Ingenieurbüro für Geologie Weixelberger GmbH, Pitten, Österreich) – Kernbohrungen und geologische Analysen


Publikationen (Auswahl)

 

Andreas G. Heiss/Thorsten Jakobitsch/Silvia Wiesinger/Peter Trebsche, Dig Out, Dig In! Plant-based diet at the Late Bronze Age copper production site of Prigglitz-Gasteil (Lower Austria) and the relevance of processed foodstuffs for the supply of Alpine Bronze Age miners. PLoS ONE 16, 3, 2021, e0248287. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0248287

"Essenslieferdienste gab es bereits im bronzezeitlichen Bergbau", Archäologieblog, der Standard, 24.03.2021

https://www.derstandard.at/story/2000124621591/essenslieferdienste-im-bronzezeitlichen-bergbau

"Speisereste: Lieferservice schon in der Bronzezeit", science ORF.at, 24.03.2021

Marianne Mödlinger/Peter Trebsche, Archaeometallurgical investigation of a Late Bronze Age hoard from Mahrersdorf in Lower Austria. Journal of Archaeological Science: Reports 33, 2020, 102476. https://doi.org/10.1016/j.jasrep.2020.102476

Roland Haubner/Susanne Strobl/Peter Trebsche, Metallographic analyses from the late Urnfield period copper mining settlement at Prigglitz-Gasteil in Lower Austria. In: R. Turck/T. Stöllner/G. Goldenberg (Hrsg.), Alpine Copper II - Alpenkupfer II - Rame delle Alpi II - Cuivre des Alpes II. New Results and Perspectives on Prehistoric Copper Production. Der Anschnitt Beiheft 42 (Bochum 2019) 323–332.

P. Trebsche/E. Pucher, Urnenfelderzeitliche Kupfergewinnung am Rande der Ostalpen. Erste Ergebnisse zu Ernährung und Wirtschaftsweise in der Bergbausiedlung von Prigglitz-Gasteil (Niederösterreich). Prähist. Zeitschr. 88, 1–2, 2013, 114–151. Publikation als PDF

Trebsche, Resources and nutrition in the Urnfield period mining site of Prigglitz-Gasteil in Lower Austria – Preliminary report on the excavations from 2010 to 2012. In: P. Anreiter u. a. (Hrsg.), Mining in European History and its Impact on Environment and Human Societies – Proceedings for the 2nd Mining in European History Conference of the FZ HiMAT, 7.-10. November 2012 (Innsbruck 2013) 33–37. Publikation als PDF

P. Trebsche, Urnenfelderzeitlicher Kupferbergbau in Niederösterreich. In: T. Stöllner/K. Oeggl (Hrsg.), Bergauf Bergab. 10.000 Jahre Bergbau in den Ostalpen. Wissenschaftlicher Beiband zur Ausstellung im Deutschen Bergbau-Museum Bochum vom 31.10.2015–24.04.2016. Im vorarlberg museum Bregenz vom 11.06.2016–26.10.2016 (Bochum 2015) 209–214. Publikation als PDF

weitere Publikationen siehe Literaturliste

 


Nach oben scrollen