Der Sinn des „Soaking“ (eintauchen, aufsaugen, mariniert werden) in Seiner Liebe (Carol Arnott)

Eines Abends, während der Segnungszeit war ich so müde, dass ich mich auf den Teppich legte und begann den Herrn anzubeten. Nach ungefähr 5 Minuten dachte ich: „Es sind immer noch so viele Leute da, welche auf Gebet warten. Ich sollte aufstehen und für sie beten.“, aber dieses Mal erinnerte ich mich daran, den Herrn zu fragen, ob ich wirklich aufstehen sollte. Ich spürte wie Er „Nein.“ sagte. Ein paar Minuten später fragte ich Ihn noch einmal und wieder spürte ich, dass die Antwort immer noch „Nein.“ war, auch wenn bis zu diesem Zeitpunkt nichts in mir zu passieren schien.

Dann fühlte ich ein Kribbeln an den Fingerspitzen meiner rechten Hand. „Gott, bist du das?“ fragte ich, „Wenn ja, würdest Du dann bitte Deine Gegenwart in mir zunehmen lassen?“ Die Empfindung fuhr fort bis in meine Fingerknöchel. „Oh Herr, Du bist es, bitte mach weiter.“ Während der nächsten 3 Stunden spürte ich zunehmend wie Gott mich stärkte, bis mein gesamter Körper unter der Kraft des Heiligen Geistes kribbelte. Ich fragte den Herrn, weshalb Er das so langsam über einen Zeitraum von 3 Stunden hatte geschehen lassen, wo ich doch wusste, Er hätte mich auch auf der Stelle stärken können. Er antworte: „Ja Carol, du hast Recht, ich hätte es sofort tun können, aber das war nicht meine Absicht. Ich tat es langsam, weil ich wollte, dass du auf dem Boden liegen bleibst. Ich wollte Zeit mit dir verbringen.“

Lernen, Zeit mit Jesus zu verbringen

Es muss Zeit für Ihn da sein, einfach um Ihn zu liebkosen und damit Er uns liebkost, ohne andere Pläne zur gleichen Zeit, ohne „Einkaufslisten“ voller Gebetsanliegen. Das mag später dran sein, aber wir müssen es an erste Stelle setzen, Ihn zu lieben. Denn nur, wenn wir mit Seiner Liebe angefüllt sind, haben wir Liebe, welche wir weitergeben können. So viele Christen können nicht in Seiner Gegenwart ruhen. Sie müssen beständig im „Bereitschaftsdienst“ sein, weil sie den Wert von „soaking“ noch nicht erkannt haben. Es hat mich in den letzten Jahren am meisten verärgert, wie manche Menschen reagieren, wenn Gottes Gegenwart gewaltig in einen Gottesdienst kommt. Es scheint so, als wären sie nicht in der Lage da zu bleiben und in dieser Gegenwart zu ruhen. Sie empfangen Gebet und nach ungefähr 5 bis 10 Minuten gehen sie wieder fort. Gott möchte soviel mehr, als eine „Fünf-Minuten-Affäre“. Wo liegt nun das Problem?

Von Kindesbeinen an wurden wir gelehrt, dass es darum geht, etwas zu erreichen, die Aufgabe zu erfüllen, etwas zu tun, tun, tun. Wir wurden gelehrt, dass nur unser Erfolg belohnt wird, und einige von uns, insbesondere Leiter, haben Schwierigkeiten mit Intimität (Vertrautheit, Anm. d. Übers.), weil wir versucht haben, dieses menschliche Denken auch auf unser geistliches Leben zu übertragen.

Wenn dir das passiert, wird das „Gute“ zum Feind des Besten in Deiner Beziehung zum Herrn. Jesus hat solche Leute deutlich zurechtgewiesen. Ein herausragendes Beispiel hierfür war Martha, die Schwester von Maria. Sie erwartete von Maria, dass sie ihr kochen helfe, anstatt zu Jesu Füßen zu sitzen. Jesus sagte, Maria habe den besseren Teil gewählt, dass diese Wahl ihr nicht weggenommen werde würde. Sie brachte Seiner Gegenwart Wertschätzung entgegen. Immer wenn Jesus anwesend war, war Maria bei ihm, brachte Ihm Liebe entgegen, ja sie war einfach bei Ihm. Maria setzte das größte Gebot „Liebe den Herrn von ganzem Herzen, ganzer Seele und all deinem Verstand,“ (Matth. 22,37) vor den Missionsbefehl.

Unsere höchste Berufung ist die Berufung zur Intimität mit dem lebendigen Gott. Ich möchte die Worte „geht weg von mir, ich habe euch nie gekannt (griech.: ginosko; Mt 7,23)“ nie hören. Ich will, dass diese Liebesbeziehung jetzt beginnt.

Die Bibel beginnt mit der Ehe zwischen Adam und Eva und endet mit einer Hochzeit im Buch Offenbarung, wo Jesus für Seine Braut zurückkehrt. Dazwischen liegt der Aufruf an die Braut, sich selbst bereit zu halten. Würdest du lieber jemanden heiraten, mit dem/der du eine intime/vertraute Beziehung hast oder jemanden, mit dem/der dich nur ein geschäftlicher Vertrag verbindet? Meine Wahl fiele auf leidenschaftliche Liebe, einander (er)kennen und eine Verbindung von Herz zu Herz mit dem Einen, mit dem ich die Ewigkeit verbringen werde.

Zuhause und in der Gemeinde „soaken“

Maria saß zu den Füßen Jesu, und sie hing an jedem Seiner Worte. Für sie war das einfacher, denn Seine körperliche Gegenwart war mit ihr im gleichen Zimmer. Wir hingegen kommen in Berührung mit Seiner geistlichen Gegenwart durch den Heiligen Geist. Das kann man daheim tun. Leg eine CD ein, mach es dir in einem Stuhl oder auf dem Fußboden gemütlich. Tritt in den Lobpreis ein, und dann „sei“ einfach mit Jesus zusammen.

Wir haben es dringend nötig, es uns zur Angewohnheit zu machen, auch in der Gemeinde wertvolle Zeit damit zu verbringen, Jesus zu lieben. Während der Segnungszeit empfange Gebet und plane ein, dass du dir danach Zeit nimmst, einfach in Seiner Gegenwart zu liegen und dich in Seiner Liebe zu sonnen. Fall nicht einfach unter der Kraft Gottes zu Boden und steh nach einer Minute wieder auf. Du verpasst die Hauptsache, nämlich Seine Liebe für dich zu erfahren.

Soaking unterscheidet sich weit von der Praxis, Dinge im Gebet von Gott zu erbitten. Es gibt Zeiten wo es dran ist, Gott deine Anliegen vorzutragen, aber das hier sollte an erster Stelle stehen.

Stell dir mal vor, John (Ehemann der Autorin, Anm. d. Übers.) käme heim und ich würde Zeit mit ihm verbringen wollen, ihn liebkosen, und er würde mich beiseite fegen, indem er fragt, wo denn sein Abendbrot sei. Das würde mich wirklich verletzen. Jesus, unserem Bräutigam, geht das so ähnlich. So wie in jeder Beziehung ist miteinander Zeit verbringen das Wertvollste, was du tun kannst.

Weshalb ist das so wichtig? In Seiner Gegenwart „soaken“ öffnet Herz und Seele der „göttlichen Romanze“ und Intimität. Es erlaubt dem Herrn, dich zu lieben und dir, Ihn zu lieben. Fast so wie ein Ehepaar herausfindet, dass sich ihre Liebe und Vertrautheit vertieft, weil sie mehr und mehr Zeit zusammen verbringen. Das ist ein fehlendes Teil in der christlichen Erfahrungswelt, welches Gott in dieser Bewegung des Heiligen Geistes wiederherstellt.

Manchmal wird Er dich mit Seiner Liebe füllen, und du wirst mit dem Herzen eines Liebhabers/einer Liebhaberin darauf reagieren. Zu anderen Zeiten kann es sein, dass Er tiefe Wunden in dir heilt oder dich für Seinen Dienst ausrüstet und stärkt. Dein ganzes Leben wird sich verändern, sobald dir klar wird, dass der Herr dich total liebt. Wenn du begreifst, wie sehr der Herr um dich wirbt, in dich verliebt ist und dich wirklich mag, dann wird das „Ihn lieben“ ganz natürlich fließen. Ist Er nicht wunderbar?

Hindernisse für Intimität/Vertrautheit

Es kann vorkommen, dass wir uns gegenüber der Vertrautheit mit Gott blockiert fühlen. Lass uns einige dieser Blockaden anschauen. Vielen Menschen und besonders Leitern fällt es schwer, einmal in ihren Gedanken still zu werden, sich auf Seine Liebe zu fokussieren und einfach mal mit Ihm zusammen zu „sein“, anstatt etwas für Ihn zu „tun“. Ihr Kopf ist so sehr daran gewöhnt, zu analysieren, anstatt Liebe zu empfangen und weiterzugeben. Wie wäre es denn, wenn eine Ehefrau ihren Mann an der Tür mit einem leidenschaftlichen Kuss begrüßt und ihr Mann würde daraufhin sagen: „Warum berührst du meinen Mund mit deinem Mund? Weißt du nicht, wieviel tausend Bakterien in deinem Mund herum schwirren?“ Eine Aussage wie diese würde sicherlich diesen angenehmen Moment „töten“. Ähnlich ist es mit dem Herrn. Er möchte uns näher kommen und uns in eine Liebesbeziehung hineinziehen. Analysieren können wir das später, aber lass uns erst mal den Kuss genießen.

Angst vor Intimität ist ein weiterer Stolperstein. Wenn du in deiner Kindheit oder deinem Leben als Erwachsener innerhalb von Beziehungen verletzt wurdest, dann hast du dir vielleicht innerlich geschworen, es nie wieder zuzulassen, dass dir jemand so nahe kommt und dich ähnlich verletzt. Wenn das so ist, dann hast du versehentlich die Tür zum Empfang von Liebe geschlossen; ja sogar Gottes Liebe dringt da nur schlecht durch.

Auch die Angst davor, die Kontrolle zu verlieren, behindert sehr. Einer von vier in unserem Land wurde bereits sexuell missbraucht und wegen diesem Missbrauch fällt es solchen Menschen sehr schwer, jemandem zu vertrauen und noch schwerer, so verletzbar auf dem Boden zu liegen. Ihre Wunden müssen geheilt und ihr Vertrauen wiederherstellt werden, damit sie frei Gottes Liebe empfangen können.

Stolz ist auch ein erhebliches Problem. Es gibt solche, die einfach die Kontrolle behalten müssen. Sie haben kein Vertrauen in die Art, wie jemand anderes einen Gottesdienst gestalten oder für jemanden beten würde. Ihr Verlangen danach, in Verantwortung zu stehen, wird es ihnen nicht erlauben, dass andere ihnen dienen dürfen, während sie einfach nur empfangen. Auf dem Boden liegen und zu „soaken“ sieht für sie ziemlich bescheuert aus und erscheint ihnen als eine Zeitverschwendung. Stolz kontrolliert ihr Verhalten und sie sollten darüber Buße tun und es zulassen, dass der Heilige Geist sie reinigt. Es ist nötig, dass wir Gott erlauben, zu uns zu kommen in der Art und Weise, die Er wählt. Wir sollten Ihm erlauben, so zu handeln, wie Er will.

Geh doch jetzt vor den Herrn, auch wenn du allein daheim bist. Wende Ihm dein Herz zu und verbringe Zeit in Seiner Gegenwart. Such dir auch eine Gemeinde, die nicht ständig in Eile ist, sondern Zeiten in ihren Treffen beiseite stellt, in denen man Gottes Gegenwart aufsaugen darf wie ein Schwamm. Verbringe soviel Zeit, wie du kannst damit, Ihn zu lieben und anzubeten. Lass dich von Ihm füllen mit seiner Liebe, Freude und Seinem Frieden. Er hält Ausschau nach deiner Liebe, weil Er eine Braut möchte, die Ihn liebt.

Er hat viele Diener, aber nur wenige Liebhaber. Was von beidem wirst du sein?

Carol Arnott und ihr Mann John sind die Gründungspastoren der TACF. Sie werden von Gott gebraucht, Ermutigung zur Erneuerung der ganzen Welt zu bringen durch ihren Dienst und indem sie Erneuerungstreffen in der Toronto Airport Christian Fellowship (Christliche Gemeinschaft am Flughafen Toronto, Anm. des Übersetzers) anbieten.

Quelle: http://riverofgod.de/soaking-info/carol-arnott-uber-soaking/

(c) 2007 der Übersetzung liegt bei Thomas Götze, der englische Originalartikel stammt aus der Ausgabe 3/2001 des Magazins “Spread The Fire”. Dieser Artikel darf frei verwendendet werden. Allerdings unter folgenden Bedingungen:
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