Das Ehrenmal der Universität Innsbruck

Kaum ein Denkmal an der Universität hat für so häufige Proteste gesorgt wie der Adler vor dem Hauptgebäude. Er erinnert an die gefallenen Universitätsangehörigen im ersten und zweiten Weltkrieg, in nachträglich hinzugefügten Gedenktafeln aber auch an die Opfer von Nationalsozialismus und Faschismus.
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Bild: Der Adler vor dem Hauptgebäude.

Am 3. Juli 1926 wurde vor dem im Herbst 1923 bezogenen neuen Hauptgebäude der Universität Innsbruck am Innrain das von vier Linden begrenzte und vom Tiroler Architekten Alois Welzenbacher gestaltete Denkmal zur dauernden Erinnerung an die im ersten Weltkrieg (1914-1918) gefallenen Söhne der Alma mater von Rektor Univ.-Prof. Dr. Egon Schweidler enthüllt. Der Stein, über den ein aus Kupfer getriebener Adler seine Schwingen breitet, trägt die Inschrift: „Ehre – Freiheit – Vaterland“. Dieses Ehrenmal gilt seither als ein Monument für die Einheit des Landes Tirol und seit 1945 für die im zweiten Weltkrieg (1939-1945) Gefallenen der Universität Innsbruck.

Der rosa eingefärbte Adler im Oktober 2010.

Der rosa eingefärbte Adler im Oktober 2010.

Befremdlich wirkt heute die deutschnational-verklärende Begründung der damaligen Festredner für die Errichtung des Denkmals. Prorektor Univ.-Prof. Theodor Rittler beendete seine Ansprache am 3. Juli 1926 wie folgt: „Es zeigt uns den Adler, der die Wappen Deutschlands, Österreichs und Tirols schmückt. Wir wussten kein besseres Zeichen unseren Toten aufzuerrichten. Denn für Deutschlands Größe, Österreichs Ehre und die Einheit Tirols sind sie in den Kampf gezogen. Im Anblick des Adlers wollen wir uns der Kraft und Stärke unseres Volkstums getrösten und gläubig sprechen: Deutschland, Dein Reich komme!“ Diese ursprünglich klar deutschnationale Ausrichtung führte nach dem zweiten Weltkrieg zu relativ häufigen Protestaktionen gegen das Denkmal – zuletzt wurde das Denkmal im Oktober 2010 von Unbekannten rosa eingefärbt.

Am 17. Mai 1984 fasste der Akademische Senat den Beschluss, eine Gedenktafel für den als Widerstandskämpfer von den Nationalsozialisten am 22. Februar 1943 in München geköpften Christoph Probst, Student der Medizin an der Universität Innsbruck, die damals „Deutsche Alpenuniversität“ genannt wurde, am Ehrenmal anzubringen. Humanität – Freiheit – Demokratie waren die auch für die Gegenwart allgemein gültigen Ideale des Studenten Christoph Probst, deshalb hat der Akademische Senat diese Worte an die Spitze der Gedenktafel gesetzt. Die Festrede bei der Enthüllung dieser Tafel am 6. November 1984 hielt der damalige Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Univ.-Prof. Franz Horak.

„Ich wüßte keinen Ort, an dem die Tafel sinnvoller angebracht werden könnte – wenn man nicht in diesem Denkmal, verfangen in gedankenloser Konvention, die Glorifizierung eines Wahnes sehen will, der sich das Grauen dieser beiden Kriege erträglich macht, indem er die menschenverachtende Hinopferung von Millionen als Heldentod verklärt. Wer dagegen in diesem Stein ein Mahnmal sieht, das daran erinnern soll, welchen entsetzlichen Preis der verblendete Machtwahn bedenkenloser Politiker gefordert hat, der wird die kleine Tafel hier, provozierend scharf eingeschnitten in die Kante, als genau das empfinden, was sie sein soll: als eine schmerzende Aufforderung zum Nachdenken, nicht bloß zu einem unverbindlichen Gedenken, wie man es nennen mag, wenn man unbequemen Gedanken aus dem Wege gehen will.“ (Auszug aus der Rede von Franz Horak, die gesamte Rede finden Sie unten als Download verlinkt.)

In seiner Sitzung am 11. Januar 1990 hat der Akademische Senat auf Antrag des damaligen Leiters des Universitätsarchivs, Univ.-Prof. Gerhard Oberkofler, beschlossen, eine zweite Gedenktafel am Ehrenmal anzubringen. Diese dient der solidarischen Erinnerung an Univ.-Prof. Ignacio Ellacuría SJ und Univ.-Prof. Dr. Segundo Montes SJ, Absolventen der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck. Beide sind am 16. November 1989 wegen ihres Einsatzes für Frieden und Gerechtigkeit in San Salvador gemeinsam mit sechs anderen Menschen ermordet worden.