Gruppenfoto_Innovation Lab for Sustainability

Antrittsvorlesungen im Rahmen der Eröffnung des "Innovation Lab for Sustainability"

Am 7. Juni fanden im Rahmen der Eröffnung des "Innovation Lab for Sustainability" gleich drei Antrittsvorlesungen statt. Kerstin Neumann von der Fakultät für Betriebswirtschaft sowie Gabriele Chiogna und Martin Stuchtey von der Fakultät für Geo- und Atmosphärenwissenschaften präsentierten dabei einen interdisziplinären Blickwinkel auf nachhaltiges Ressourcenmanagement.

Mehrere hochrangige Gäste waren zu den Antrittsvorlesungen der neu berufenen Professuren Nachhaltiges Ressourcenmanagement und zur gleichzeitigen Eröffnung des "Innovation Lab for Sustainabilty" anwesend. Universitätsdirektor Tilmann Märk betonte in seiner Begrüßung die hohe Relevanz des Themas Nachhaltigkeit vor dem Hintergrund immer knapper werdender Ressourcen. Er dankte dem anwesenden Präsidenten der Deutsche Post-Stiftung und gleichzeitig Präsidenten des SUN - Stiftungsfonds für Umweltökonomie und Nachhaltigkeit Klaus Zumwinkel für die Ermöglichung der interdisziplinären Forschungs- und Lehrplattform. In seiner Begrüßung nahm Klaus Zumwinkel Bezug auf Donald Trump und das Ausscheiden Amerikas aus dem Pariser Klimaabkommen. Das Ziel seiner Stiftungen sei es, dieser Ignoranz entgegen zu wirken. In ihrer Position als Landeshauptmann-Stellvertreterin und Landesrätin betonte Ingrid Felipe die Wichtigkeit von Zusammenarbeit auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Lebensmodell. Ein entscheidender Schritt dazu sei beispielsweise das transdisziplinäre "Innovation Lab for Sustainability", in dem die drei neu berufenen ProfessorInnen künftig zusammenarbeiten.

In einer kurzen Laudatio begrüßte Georg Kaser, Dekan der Fakultät für Geo- und Atmosphärenwissenschaften, die beiden neuberufenen Professoren seiner Fakultät, Gabriele Chiogna und Martin Stuchtey. Matthias Bank, Dekan der Fakultät für Betriebswirtschaft, begrüßte Kerstin Neumann, die neuberufene Professorin an seiner Fakultät.

"Water resources connect everything and are connected to everything"

Gabriele Chiogna gab in seiner Antrittsvorlesung einen Einblick in seine Forschung im Bereich der nachhaltigen Wasserwirtschaft. Ihn beschäftigen insbesondere zwei Fragen: Wie viel Wasser steht zur Verfügung? Und welche Qualität hat das Wasser? Um mit seiner Forschung Antworten auf diese Fragen zu erhalten, untersucht Gabriele Chiogna vor allem drei Faktoren: Die Qualität von Grundwasser, alpine Gewässer, sowie den Einflussfaktor Mensch. Dabei verweist Gabriele Chiogna auf die hochkomplexen Verfahren und Messtechniken, die ihm diese Forschung ermöglichen, ihn zugleich aber immer wieder vor Herausforderungen stellen. Durch die fachübergreifende Forschung im "Innovation Lab for Sustainability" erhofft sich Gabriele Chiogna vor allem Erkenntnisse in Bezug auf vom Menschen gemachte Einflüsse auf nachhaltige Wasserwirtschaft. 

Nachhaltigkeit als Leitthema des 21. Jahrhunderts

Martin Stuchtey, der sowohl Geologie als auch Betriebswirtschaft studierte, steht als Person bereits für ein Paradebeispiel an Interdisziplinarität. Zu Beginn seiner Antrittsvorlesung bezieht auch er sich auf Donald Trumps Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen und sieht in der universalen weltweiten Reaktion ein Anzeichen dafür, dass ein Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit in der breiten Bevölkerung angekommen ist. Martin Stuchtey sucht in seiner Forschung nach einer Alternative zum bisherigen sehr ressourcenintensiven Wachstumsmodell. Eine Lösung für sogenanntes "grünes", nachhaltiges Wachstum sieht er in der Circular Economy. In diesem Wirtschaftsmodell werden Ressourcen nicht verbraucht, sondern immer wieder dem Produktionszyklus zugeführt. Vom "Innovation Lab for Sustainability" erhofft Martin Stuchtey sich das Überschreiten von Systemgrenzen sowie Inter- und Transdisziplinarität, um den Wandel von der Produkt- zur Leistungsökonomie vom Bewusstsein zur Wirklichkeit voranzutreiben.

Kooperation als "Vehikel" für Unternehmerischen Wandel Richtung Nachhaltigkeit

Kerstin Neumann, behandelte in ihrer Antritssvorlesung das Thema Nachhaltigkeit aus einer Management-Perspektive. Sie beschäftigt sich in ihrer Forschung vor allem damit, was Nachhaltigkeit für Unternehmen bedeutet und wie nachhaltiges Ressourcenmanagement erreicht werden kann. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang vor allem der Begriff Kooperation, der sich durch gegenseitige Offenheit, Zusammenarbeit und gemeinsame Ziele auszeichnet. Kerstin Neumann betonte, dass die langfristige Integration von Stakeholder-Interessen in die Prozesse und Organisation eines Unternehmens, die Leistung und Legitimität eines Unternehmens steigern kann. In ihrer weiteren Forschung möchte sich Kerstin Neumann unter anderem mit der Frage nach der Möglichkeit rationaler Entscheidungen in Kooperationen beschäftigen. Mit Hilfe des "Innovation Lab for Sustainability" möchte sie die Forschung zu neuen, nachhaltigen Unternehmenstypen und Unternehmenstheorien vorantreiben. 

 

 


 Lebensläufe:

Gabriele Chiogna studierte Physik an den Universitäten Trient und Tübingen sowie angewandte Geowissenschaften an der Universität Tübingen. Dort promovierte er 2011 im Fach Geologie über den Transport von Kontaminationsstoffen in Grundwasserleitern. Als Post-Doc war er an der Universität Trient bis 2013 tätig und änderte dort seinen wissenschaftlichen Fokus zur Oberflächenhydrologie und dem Management von Wasserressourcen. Ein weiteres Jahr als Post-Doc schloss er an der Universität Tübingen an, in dem er Forschungsaufenthalte an der Stanford University und an der Universidad de Chile verbrachte. Aktuell leitet er die Gruppe Wasserqualität und Transport gelöster Stoffe am Lehrstuhl für Hydrologie und Flussgebietsmanagement an der Technischen Universität München und unterrichtet dort zu Strategien von Umweltsanierungsmaßnahmen und Wassermanagement. Er ist außerdem Forschungspartner des Projekts FP7 globaqua. Seit Oktober 2016 ist Gabriele Chiogna Professor für Nachhaltiges Ressourcenmanagement an der Universität Innsbruck.

Martin Stuchtey studierte Geologie und Lagerstättenkunde in Würzburg und an der Rhodes Universität in Südafrika. Weiters absolvierte er das Studium der Betriebswirtschaftslehre mit einerseits dem Abschluss als Diplomkaufmann an der WHU in Koblenz sowie andererseits einem MBA der Lancaster University. 2000 promovierte er an der Universität Dresden zum Thema „Innovationscluster“. Zwanzig Jahre arbeitete er bei McKinsey und verantwortete dort über 290 Klientenprojekte. In den letzten acht Jahren leitete er dort die „Sustainability and Resource Productivity Practice“. Seit sieben Jahren ist er strategischer Berater des World Economic Forum. Dieses Jahres gründete er zusammen mit Jeremy Oppenheim die Firma SYSTEMIQ, die Innovationen und Investitionen in neuen nachhaltigen Systemfeldern betreibt. Im Oktober 2016 veröffentlichte er sein Buch „A Good Disruption – Redefining Growth in the Twenty-first Century“. Seit Oktober 2016 ist er Professor für Nachhaltiges Ressourcenmanagement an der Universität Innsbruck.

Kerstin Neumann ist seit 1. September 2016 Professorin für BWL, Nachhaltiges Ressourcenmanagement, an der Universität Innsbruck. Vorher war sie 4 Jahre Senior Researcher am ICRIOS Forschungszentrum der Bocconi, dessen affiliiertes Mitglied sie bleibt. Sie promovierte und habilitierte an der WU Wien und war als Gastprofessorin u.a. an der University of Illinois, Purdue University und ETH. Ihre Forschung liegt an der Schnittstelle von Strategie, Organisation und Corporate Sustainability. Sie untersucht, wie Unternehmen ihre strategischen Entscheidungsprozesse und Strukturen verändern können, um nachhaltig positive Effekte für Unternehmen, Stakeholder und Gesellschaft zu generieren. Dafür verbindet sie kooperative Strategie, Stakeholder- und Organisationstheorie mit der Corporate Sustainability-Literatur. Aktuell fokussiert sie auf die individuelle Analyseebene, um zu verstehen, wie Charakteristiken von Entscheidungsträgern nachhaltiges Verhalten im unternehmerischen Kontext bedingen. Ihre Arbeiten sind in u.a. erschienen in Strategic Management Journal, Global Strategy Journal, Management Accounting Research und Organization & Environment.