iBT-Treff #15: Ansätze zum leist­ba­ren Bauen 2030 – Chan­cen durch Opti­mie­rung und Stan­dar­di­sie­rung

Nach der Winterpause meldete sich der iBT‑Treff #15 mit reichlich Gesprächsstoff, Optimismus und Diskussionsfreude zurück – aus technischer, rechtlicher und gesellschaftlicher Perspektive. Zentral standen Fragen im Raum wie: Ist das Bauwesen von einer Normgebung geprägt, die zwar nicht Gesetz ist, aber dennoch von starken Lobbyinteressen beeinflusst wird? Und wie bauen wir künftig, wenn die Kosten und die Klimadaten weltweit weiter steigen?

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Julia Dorn, Co-Founderin von BuildSystems, zeigte konkrete Lösungsansätze. Sie präsentierte die PlattformE – die Zukunft des Bauens in Bayern – und den Hamburger Standard, also die „Hamburger Bauweise“, mit welcher der Wohnungsnot in Deutschland effizient begegnet werden soll. Ziel ist es, durch gezielte Hebelwirkungen mutig außerhalb etablierter Standards „einfacher“ aber sicherer zu bauen – kostengünstig, schneller umsetzbar und dennoch klimaneutral. Die Plattform skaliert innovative Ansätze aus Referenzprojekten auf zukünftige Objekte und Quartiersentwicklungen.

Die rechtliche Perspektive lieferte Univ.-Prof. Dr. Alexander Schopper, Leiter des Institut für Unternehmens- und Steuerrecht an der Universität Innsbruck. Er machte deutlich: Normen und Richtlinien sind keine Gesetze und damit grundsätzlich nicht verpflichtend, gelten in der Praxis jedoch als De‑facto‑Standards. Dabei wird oft übersehen, dass hinter vielen Normen „nur“ private Vereine und vielfach wirtschaftliche Interessen mit im Vordergrund stehen können. Grundsätzlich gilt aber, dass die langfristige Wirtschaftlichkeit und Abweichungen im Interesse der Kunden oder im allgemeinen Interesse stehenden Anforderungen heute schon gut möglich und vertragstechnisch abbildbar sind. Aus seiner Sicht fordert das BVerG geradezu diese langfristigen Wirtschaftlichen Überlegungen mit ein. Es gilt aber, wer außerhalb von Normen baut, muss besonders sorgfältig vorgehen – sonst kann es schnell teuer werden.

Angesichts steigender Temperaturen und der absehbaren wesentlichen Überschreitung des 1,5‑Grad‑Ziels rückt die Gebäudekühlung stärker in den Fokus. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Streicher, Koordinator des Arbeitsbereichs Energieeffizientes Bauen an der Universität Innsbruck, betonte, dass weiterhin primär über das Heizen und den Heizwärmebedarf diskutiert wird – mit sehr hohen und teilweise überzogenen Anforderungen in der aktuellen OiB‑Richtlinie 6. Warum wir im Unterschied zu manchen Nachbarländern die „normativen“ und wahrscheinlich industriegetriebenen Vorgaben nicht konsequenter und im Sinne der Endkunden an die Realität anpassen, blieb offen.

Klar ist: In Zukunft muss kostenoptimal geplant und gebaut werden – inklusive der konsequenten Berücksichtigung von möglichen Betriebs- und Entsorgungskosten über den gesamten Lebenszyklus eines Objekts.

Den Abschluss bildete eine lebhafte Diskussion mit dem Auditorium, bevor der Abend beim bauaffinen Stehbuffet gemütlich ausklang.

Vorträge zum Download:

Dorn - Plattform-E

Schopper - Rechtsrahmen für kostenoptimiertes Bauen in Österreich –heute und künftig15

Streicher - Anforderungen an die energiebezogenen Bauordnungen bedingt durch derzeitige Ungereimtheiten und Klimawandel

Wir danken allen Teilnehmer:innen für ihr Kommen und freuen uns schon auf das nächste Wiedersehen. Seien Sie wieder dabei, wenn es am 16.06.2026 heißt: „Wissenschaft trifft Wirtschaft!“

Ein besonderer Dank gilt unseren Sponsor:innen für ihre Unterstützung!

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