Univ.-Prof.in Mag.a Dr.in Erna Appelt

Institut für Politikwissenschaft

Erna Appelt

„Geschlechterforschung zwischen Kritik und Konformismus“ wählte Erna Appelt als Thema ihres Abschiedssymposiums. Feministisch zu denken, mit Sorgfalt und Engagement verdeckte Strukturen widerständig sichtbar zu machen und das eigene Handeln theoretisch reflektiert zu leiten, sind Ansprüche, die Erna Appelt nicht nur lebt, sondern auch lehrt. Ihrem herausragenden Engagement für die Geschlechterforschung im universitären und außeruniversitären Bereich ist es zu verdanken, dass Erna Appelt nicht nur einen wesentlichen Beitrag für die politikwissenschaftliche Geschlechterforschung leistete, sondern auch Strukturen etablierte, die die Geschlechterforschung nachhaltig fördern. Sie hat mehrere Generationen von Studierenden sensibilisiert, geprägt und gefördert.

1951 in Graz geboren, studierte sie zunächst von 1969 bis 1971 an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien das Konzertfach Viola. Nach dem Abschluss des Lehramtsstudiums Germanistik und Geschichte an der Universität Salzburg promovierte sie 1984 im Fach Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Wien und erwarb 1988 das Diplom der Soziologie am Institut für Höhere Studien. 1995 habilitierte sich Erna Appelt an der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck mit der Habilitationsschrift „Staatsbürgerschaft und soziales Geschlecht. Zur politischen Transformation des Geschlechterverhältnisses. Studien an ausgewählten europäischen Ländern“.

Ihre nahezu drei Jahrzehnte umfassende wissenschaftliche Laufbahn in Innsbruck begann Erna Appelt 1989 als Universitätsassistentin am Institut für Politikwissenschaft. 1995 folgte eine  Assistenz-, 1997 eine außerordentliche Professur. 2010 wurde sie zur Universitätsprofessorin an der Universität Innsbruck ernannt. Erna Appelt forschte und lehrte an mehreren in- und ausländischen Universitäten. Als Autorin, Koautorin und Herausgeberin publizierte sie 16 Bücher, acht Schwerpunkthefte in wissenschaftlichen Zeitschriften und über 80 Buch- und Zeitschriftenartikel. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die politikwissenschaftliche Frauen- und Geschlechterforschung, insbesondere feministische Staats- und Demokratietheorie, Gleichstellungspolitiken sowie Care-Studies. 2013 erhielt Erna Appelt die Verdienstmedaille des Landes Tirol für Verdienste um die Politikwissenschaft und der österreichischen Frauen- und Geschlechterforschung.

Erna Appelt war maßgeblich an der strukturellen Etablierung und Verankerung der Geschlechterforschung an der Universität Innsbruck beteiligt. Sie war Initiatorin und Sprecherin des Interfakultären Forschungsschwerpunktes „Geschlechterforschung: Identitäten – Diskurse – Transformationen“ (2005–2009) und der gleichnamigen Interfakultären Forschungsplattform  der Universität Innsbruck (2008–2013), die sie bis heute mit ihrer Expertise unterstützt. Als Mitbegründerin des Interfakultären Masterstudiums „Gender, Kultur und sozialer Wandel“, das 2010 eingerichtet wurde, setzte sich Appelt auch im Bereich der Lehre für die Geschlechterforschung ein.

Mit der Pensionierung von Erna Appelt verliert die Universität Innsbruck nicht nur eine hochgeschätzte Kollegin, die sich innovativ in Forschung und Lehre einbrachte. Sie verliert auch eine Brückenbildnerin, die sich durch jahrzehntelanges gesellschaftspolitisches Engagement und den Transfer von Wissen auszeichnet.

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