Benediktinerkloster St. Georgenberg (Fiecht)

Über die Anfänge der Bibliothek des 1138 gegründeten Benediktinerklosters St. Georgenberg ist wenig bekannt. Vermutlich existierte schon früh ein Armarium zur Aufbewahrung für die liturgischen Bücher, die für das klösterliche Leben notwendig waren. 

Die ältesten Handschriften zeigen eine enge Verbindung zum Benediktinerkloster Tegernsee und dessen bedeutender Schreibschultradition. Nach den Klosterbränden von 1284 und 1448 erhielt die Bibliothek unter dem „Humanistenabt“ Kaspar II. Augsburger (1469–1491) einen großen Zuwachs an Handschriften und Inkunabeln. 

Im Zuge der Reformation stagnierte das klösterliche Leben und damit auch das Wachstum der Bibliothek. Nach dem Brand von 1637, bei dem auch Bücher verloren gingen, ließ Abt Benedikt Herschl (1639–1660) das Kloster wiedererrichten, die Bibliothek neu ordnen und einen Katalog anlegen. 

Nach einem weiteren Brand im Jahr 1705 übersiedelte der Konvent ins Tal nach Fiecht in einen neu errichteten Klosterbau. Die dort eingerichtete theologische Hauslehranstalt trug wesentlich zum Ausbau der Buchbestände bei. 

Mit der Aufhebung des Klosters und der Hauslehranstalt unter bayerischer Administration (1807–1816) erlitt die Bibliothek empfindliche Verluste. Das Königlich Baierische General-Landes-Commissariat beanspruchte 1808 zwölf Kisten Bücher und den Katalog und verfügte die Ablieferung weiterer elf Kisten nebst Landkarten an die Lyzealbibliothek (die heutige Universitäts- und Landesbibliothek Tirol) sowie fünf Kisten an die Mittelschule der Stadt Innsbruck. Bemühungen um die Rückführung der abgegebenen Werke nach Wiedererrichtung des Klosters ab 1816 waren erfolgreich. 

Mitte des 19. Jahrhunderts – wohl in Zusammenhang mit finanziellen Herausforderungen anlässlich der Grundentlastung 1848/49 – veräußerte Abt Pirmin Pockstaller (1834–1875) zahlreiche Handschriften und Inkunabeln an das Birett'sche Antiquariat in Augsburg (Inhaber Fidelis Butsch). Diese gelangten über das Antiquariat Asher großteils nach London an das British Museum und befinden sich heute in der British Library. Einige Bücher fanden ihren Weg in private und öffentliche Sammlungen. 

Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges und die anschließende Besatzungszeit führten erneut zu erheblichen Bestandsverlusten. Nach dem Verkauf des Stiftsgebäudes in Fiecht und dem Rückzug des Konvents an den Wallfahrtsort St. Georgenberg im Jahr 2018 befinden sich die historischen Buchbestände heute weiterhin in einem 1961 errichteten Trakt des ehemaligen Fiechter Stiftsgebäudes

Weiterführend: 

  • Thomas Naupp, Bibliotheksgeschichte (St. Georgenberg-Fiecht), in: Ulrich Faust (Bearb.), Germania Benedictina 3,1: Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Österreich und Südtirol. St. Ottilien 2000, 465–470. 
  • Thomas Naupp, Zur Geschichte der Bibliothek der Abtei St. Georgenberg-Fiecht, in: 850 Jahre Benediktinerabtei St. Georgenberg-Fiecht. St. Ottilien 1988, 337–390. 
  • Christoph Steiner, Bibliothek der Benediktinerabtei St. Georgenberg-Fiecht, in: Handbuch der Historischen Buchbestände in Österreich 4. Hildesheim 1997, 114–118. (online)
  • St. Georgenberger Bücherliste 14. Jh. = London, British Library, Add. 18.367, Bl. 69v: Bücherliste des Klosters St. Georgenberg 14. Jh. (abgedruckt in: Jeffery–Yates 349). 
  • St. Georgenberger Bücherliste 15. Jh. = Fiecht, Bibliothek, Hs. 15 / Ms. 129, Bl. 137r: Bücherliste des Klosters St. Georgenberg 15. Jh. (abgedruckt in: Jeffery–Yates 350). 
  • St. Georgenberger Katalog um 1650 = Fiecht, Bibliothek, o. Sign.: Einteilung des Bücherbestandes der Bibliothek von St. Georgenberg nach dem Bibliothekskatalog des Abtes Benedikt Herschl (um 1650). 
  • St. Georgenberg-Fiechter Handschriftenverzeichnis 1809 = Fiecht, Bibliothek, Hs. 127 / Ms. 14 bzw. 14a: Verzeichnis der im Jahre 1809 im Kloster St. Georgenberg-Fiecht verbliebenen Handschriften, zusammengestellt von P. Jakob Andexer 1809.
  • Katalog eines Teilbestandes der Stiftsbibliothek Fiecht 19. Jh. (Innsbruck, ULBT, Cod. 983 B)
  • Verzeichnis der an das Stift Fiecht 1817 zurückgegeben Bücher und Landkarten (Innsbruck, ULBT, Cod. 983 A)
  • Hans Bachmann, Inventar des Archives des Stiftes Fiecht 1939. 
  • Handschriftenkatalog, zusammengestellt von P. Hugo Santer. Transkribiert von P. Maurus Kramer 1978.
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