In der neuen Ringvorlesung Geschlecht und Kolonialität (dienstags, 12:00-13:30, Hörsaal 5¾) sind neben Vorträgen von Muriel González Athenas auch externe Referent*innen mit ihren Beiträgen zu hören - alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
28.04.2026 Jenny Amancay: "Wenn „piña“ keine Ananas ist – methodologische und forschungsethische Überlegungen im Umgang mit mehrsprachigem Datenmaterial"
Die zunehmende Wahrnehmung der Heterogenität und Diversität von Gesellschaft fordert auch die Forschungspraxis auf, sich Fragen zur eigenen Situiertheit und Positionierung im Erkenntnisprozess sowie im Rahmen der Wissensproduktion zu stellen. Der Umgang mit mehrsprachigem Datenmaterial stellt immer noch eine Herausforderung dar. Der Vortrag soll mit postkolonialen Perspektive Kritik auf hegemoniale Wissensproduktionen sichtbar zu machen.
Amancay JENNY (she/her) ist Univ.-Ass.in und schreibt ihre Dissertation (Praedoc) FB Erziehungswissenschaft, Schwerpunkt Sozialpädagogik, Universität Salzburg.
05.05.2026 Dr. Celine Barry: "Unterhaltung mit den Gespenstern des EU-Grenzregimes: schwarze feministische Lager-Streiks und Dekolonisierung"
Ausgehend von Jacques Derridas Konzept der „Gespenster von Marx” entwickelt dieser Vortrag feministische-postkoloniale Unterhaltungen mit den Gespenstern der EU-Grenzregimed. Vorzeitige Tode rassifizierter Migrant:innen werden dabei als auffordernde Präsenzen begriffen, die strukturelle Missstände sichtbar machen und postkapitalistische, dekolonisierende und feministische Transformationen anstoßen. Im Mittelpunkt steht Rita Awour Ojunge, eine kenianische Geflüchtete, die 2019 in einem brandenburgischen Lager verschwand und erst Monate später tot aufgefunden wurde, sowie die Frauen-Refugeebewegungen, die sich um Ritas Gespenst versammeln und darauf verweisen, dass die "Dekolonisierung der Grenze" feministisch sein muss.
Céline Barry ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universität Berlin, wo sie am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG) zu panafrikanischer Dekolonisierung an der Schnittstelle von Race, Gender und Migration forscht und lehrt. In ihrer soziologischen Praxis verbindet sie schwarze feministische und sensorische Methodologien mit dekolonialer Psychogeographie, um im Alltag gründende Theorien postkolonialer Grenz- und Baustellenregimes zwischen Berlin und Dakar zu entwickeln. Zu ihren Publikationen zählen Toubabesse oder Wie Bildung Frauen koloniale Macht verleiht (2019) und Schwarzer Feminismus der Grenze: Refugee Frauenbewegungen und das Schwarze Mittelmeer (2021).
02.06.2026 Melinka Karrer: "Gloria Anzaldúa Die Sprache(n) der Mestiza: Zwischen Widerspenstigkeit und Unterdrückung"
Verhandelt wird in diesem Vortrag die spezifische Rolle der Sprachform der Chicana Autorin Gloria Evangelina Anzaldúa (1942-2004), die durch die Sprache hindurch das Gewaltregime an der mexikanischen Grenze ausdrückt. Ziel ist, die Beschädigung von Sprache überhaupt darzulegen, die Melancholie der Amerikas zu kontextualisieren und aus diesen Überlegungen heraus das Aufblitzen von Widerstandspraktiken zu (be-)greifen.
Melinka Karrer ist Doktorandin am Institut für Philosophie der Universität Innsbruck und beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit dem Konzept der negativen Subjektivierung in der Figur der Mestiza. Kunst und im Speziellen literarische Texte bieten dabei die Reibungsfläche ihrer Reflexionen. Als freiberufliche Autorin bewegt sie sich zwischen Lyrik, multimedialen (Video- und Audio-)Installationen und performativen Formaten.

Die Faschisierung der Gegenwart. Zeitdiagnosen aus den Gender Studies.
Innsbrucker Gender Lectures 2025/06

Archiv der Innsbrucker Gender Lectures
Die Innsbrucker Gender Lectures gibt es bereits seit 2009 und davon wurden die meisten aufgezeichnet. Im Archiv können sie nachgehört werden.