In den letzten Jahren ist auch in Deutschland ein Anstieg extrem rechter Mobilisierungen gegen die zunehmende Sichtbarkeit und rechtliche Besserstellung von LGBTIQ-Personen zu beobachten. Zunehmend geraten dabei auch Community-Infrastrukturen und Angebote der queer- und transaffirmativen Sozialen Arbeit ins Visier. Parallel dazu nimmt die AfD Einfluss auf die Förderung und öffentliche Wahrnehmung queerer Projekte. Besonders in ländlichen Regionen, in denen die Partei kommunalpolitisch an Einfluss gewinnt, mehren sich Hinweise auf den Entzug von Ressourcen und Räumen für queere Angebote.
Während queer- und transfeindliche Ideologien im Kontext autoritär-rechter Verschiebungen vermehrt erforscht werden, sind politische und physische Angriffe auf queere Unterstützungsstrukturen in ihren lokalen Auswirkungen bislang empirisch kaum untersucht. Wenig erforscht ist zudem, wie Akteur*innen und Einrichtungen auf die Angriffe reagieren, welche Handlungsstrategien sie entwickeln und wie sich ihr politisches Bewusstsein und ihr Verhältnis zu Staat und Zivilgesellschaft dabei verändert. Der Beitrag präsentiert erste Befunde einer qualitativen Pilotstudie, die sich mit Umgangsweisen, Gegenstrategien und politischen Deutungen von Akteur*innen befasst, die von extrem rechter Gewalt und Politik gegen queere Hilfe- und Unterstützungsstrukturen betroffen sind.
Mike Laufenberg ist Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Geschlecht und Sexualität an der Hochschule Fulda. In seiner Forschung verbindet er ein Interesse an kritischer Gesellschaftstheorie und feministischer politischer Ökonomie mit Perspektiven der sozialen Bewegungsforschung und einer theoretisch und empirisch gesättigten intersektionalen Ungleichheits-, Geschlechter- und LGBTIQ-Forschung. Aktuelle Buchpublikationen und Herausgeberschaften: Queere Theorien zur Einführung (Hamburg 2022), Queer Studies. Schlüsseltexte (Berlin 2023, hrsg. mit Ben Trott), Care in Bewegung: Strategien, Organisierung und Kämpfe um soziale Reproduktion (Forschungsjournal Soziale Bewegungen 2025, hrsg. mit Sarah Uhlmann); Surplus Society: „Überflüssige“ im Gegenwartskapitalismus (PROKLA 2025, hrsg. mit Laura Boemke, Jakob Graf, Tine Haubner, Dorothea Schmidt).

Die Faschisierung der Gegenwart. Zeitdiagnosen aus den Gender Studies.
Innsbrucker Gender Lectures 2025/06

Archiv der Innsbrucker Gender Lectures
Die Innsbrucker Gender Lectures gibt es bereits seit 2009 und davon wurden die meisten aufgezeichnet. Im Archiv können sie nachgehört werden.
