Forschung Vergleichende LiteraturwissenschaftFORSCHUNG

Diese Seite versammelt überblicksartig die wissenschaftlichen Aktivitäten des Bereichs Vergleichenden Literaturwissenschaft.

1. TAGUNGEN
2. FORSCHUNGSPROJEKTE
3. GASTVORTRÄGE
4. PUBLIKATIONEN

 


1. TAGUNGEN

» Primo Levi. Tradition, Translation, Transmission 

Symposium an der Universität Innsbruck // 17. - 19. November 2015

Organisiert von Federico Italiano (Vergleichende Literaturwissenschaft, Innsbruck) und Manuela Consonni (Department of Romance and Latin American Studies, Hebrew University, Jerusalem) Programm
» Lyrik transkulturell

Internationale Tagung an der Universität Innsbruck // 21. - 24. Januar 2015

Von 21. bis 24. Jänner 2015 fand an der Universität Innsbruck die internationale Tagung „Lyrik transkulturell“ statt, zu der Vortragende aus acht europäischen Ländern angereist waren, um gemeinsam mit Literaturwissenschaftler/innen der Universität Innsbruck das Phänomen der Transkulturalität in Zusammenhang mit der Gattung Lyrik zu diskutieren. Diese Tagung wurde von Eva Binder, Theresa Frank, Federico Italiano, Sieglinde Klettenhammer und Birgit Mertz-Baumgartner organisiert. Programm

» Das Unbehagen an der Kultur

Vom 22.-25. September 2014 fand an der Universität Innsbruck die internationale Tagung »Das Unbehagen an der Kultur« statt, die von Ingo Schneider (Europäische Ethnologie) und Martin Sexl (Vergleichende Literaturwissenschaft) organisiert wird. Weitere Informationen 

» Pseudoübersetzungen

Vom 26.-28 September 2011 fand an der Universität Innsbruck die Tagung »Pseudoübersetzungen. Imaginationen anderssprachiger Originale« statt. Pseudoübersetzung ist der Prozess, bei dem eine Äußerung einer Sprache eine Äußerung in einer anderen Sprache als deren imaginiertes Original evoziert, diese anderssprachige Äußerung aber nur durch eben diese Imagination zugänglich ist. Die Beiträge der Tagung beschäftigen sich mit diesem Phänomen in Texten vom 5. bis zum 21. Jahrhundert. 

Die Tagung wurde organisiert von Dr. Brigitte Rath und Melanie Fessler. Das Programm sowie weitere Informationen zur Tagung finden Sie auf der Tagungshomepage.

 


2. FORSCHUNGSPROJEKTE

» INVENTUR - Ein szenischer Essay

Mittelgeber: Vizerektorat für Forschung der Universität Innsbruck, Südtiroler Bildungszentrum, Forum für Kultur- und Spracherhaltung mit Sitz in Innsbruck, Südtiroler Bildungszentrum Genossenschaft (Sozialunternehmen Bozen), Vizerektorat für Lehre der Universität Innsbruck, Südtiroler Hochschülerschaft (SH), Österreichische Hochschülerschaft (ÖH).

KooperationspartnerInnen: Tanztheater Muspilli in Meran, Ewald Kontschieder (Regie), Manuela Kerer (Komposition), Riccardo Meneghini (Choreograph und Tänzer), Brigitte Hochrainer (Zither), Antonia Tinkhauser (Schauspiel)

Projektleiterin: Dunja Brötz

Laufzeit: Juni 2011

»Inventur« ist ein interdisziplinäres Projekt, das über regionale Grenzen reicht und Tirol, Südtirol und das Trentino miteinander verbindet. Das Projekt eint die drei Bühnenkünste Musik, Schauspiel und Tanz in einer künstlerischen Inventur mit Performance-Charakter. Ein Experiment zwischen Komposition und Improvisation, ein Versuch – ein Essay. Als Basistext diente das Gedicht »Inventur« (1947) von Günter Eich, in dem dieser eine persönliche Bestandsaufnahme von den wenigen Dingen vornimmt, die ihm nach der Kriegsgefangenschaft geblieben sind. Die KünstlerInnen des Inventur-Teams nahmen diesen Text zum Anlas für eine eigene persönliche Bestandsaufnahme, die sie mit Hilfe ihrer jeweiligen Kunstform zum Ausdruck bringen. Vier der fünf KünstlerInnen hielten zu Beginn des Semesters einen Gastvortrag über ihr Projekt in Dunja Brötz' LV »Tanz als Text / Tanztheater / Tanztheorie«. Die Aufführung ist eng mit den in der Lehrveranstaltung erarbeiteten tanzgeschichtlichen und tanztheoretischen Hintergründen verbunden. Die Premiere von »Inventur« fand am 22.6.2011 im Innsbrucker Künstlerhaus Büchsenhausen statt.

» Mehr Informationen zu und Impressionen von den Aufführungen von »Inventur« 

 » WIEDERHOLTE SPIEGELUNGEN – Reflexionsprozesse zwischen Texten, Medien, Sprachen, Religionen und Kulturen

Mittelgeber: Eurasia-Pacific Uninet

KooperationspartnerInnen:
Seoul National University: Prof. Dr. Young-Ae Chon, Prof. Dr. Ihmku Kim und Dr. Young-Jin Choi
Universität Innsbruck: Univ.-Prof. Dr. Sebastian Donat (Projektleiter), Dr. Brigitte Rath und Dr. Dunja Brötz

Laufzeit: 2011/12

Ausgangspunkt und verbindendes Moment des Gesamtprojekts ist Goethes Konzept der wiederholten Spiegelungen. Die zentrale Idee ist dabei, dass mehrfache Reflexionen ein und desselben Gegenstands zu dessen geschärfter und vervollständigter Wahrnehmung führen können. Diese Experimentieranordnung aus seinen optischen Studien hat Goethe im Umkreis seiner – in den letzten Jahren ins Zentrum literatur und kulturwissenschaftlicher Diskussion gerückten – Überlegungen zur Weltliteratur zu einer zentralen Gedankenfigur entwickelt.

In den insgesamt fünf Teilprojekten werden komplexe Interdependenzverhältnisse zwischen heterogenen Texten, Medien, Lebensbereichen, Religionen sowie Kulturen beschreibbar gemacht und die in ihnen enthaltenen spezifischen künstlerischen Möglichkeiten herausgearbeitet. Denn ein frappierend moderner Zug in Goethes später Schaffensphase besteht einerseits in der Anerkennung der wechselseitigen Alienität unterschiedlicher kultureller Positionen, d.h. ihrer prinzipiellen Eigenständigkeit jenseits etwaiger hegemonialer Leitkategorien, und andererseits in dem festen Vertrauen darin, dass diese prononcierte Fremdheit der Standpunkte bei der Kommunikation in Zweier oder Mehrfachanordnungen ein immenses reflexives Potential zu entfalten vermag. Das Prinzip der »Emporsteigerung« von Phänomenen im Zuge ihrer (mehrfachen) Spiegelung bzw. Vermittlung kennzeichnet dabei nicht nur die Untersuchungsgegenstände der Einzelprojekte, sondern es bildet auch die Grundlage der konkreten Zusammenarbeit der LiteraturwissenschaftlerInnen aus Ostasien und Zentraleuropa. Ganz bewusst soll das in der Verschiedenheit der wissenschaftlich-kulturellen Backgrounds liegende kommunikative und reflexive Potential genutzt werden.

 

» SYSTEMTHEORETISCHER VERGLEICH VON Web 2.0 UND DISKURSEN ÜBER POP

Mittelgeber: TWF – Tiroler Wissenschaftsfonds

Projektleitung: MMag. Martin Fritz

Laufzeit: ab 1. Mai 2011

Popkultur wird beschrieben als exemplarisches Modell für andere soziale Diskursprozesse unter den Bedingungen der elektronischen Medien und gewinnt damit an Interesse über ihren Gegenstand hinaus. Die zentrale These des zu Grunde liegenden Konzepts von Pop lautet: Ein im Web 2.0 häufiges Ordnungsprinzip von Kulturgütern, das Ähnlichkeiten, Genres etc. über den nicht weiter begründeten Geschmack eines Kollektivs generiert (statt aus von ExpertInnen bestimmten inhaltlichen, formalen etc. Kriterien), wird mit Hilfe der Luhmann'schen Systemtheorie als für Pop konstitutiv beschrieben – systemtheoretisch ausgedrückt wird Pop als Teilbereich des Kunstsystems auf Programmebene beschrieben.

Mit diesem Pop-Programm wird auf der systemtheoretisch geleitete Vergleich der Organisation von (Pop-)Kultur im Web 2.0 und Diskursen über Pop versucht. Anwendungen im Web 2.0, v.a. das soziale Musiknetzwerk Last.fm, können damit ebenso beschrieben werden wie historische und gegenwärtige Popdiskurse. Konkret: Durch eine systemtheoretische Re-Lektüre eines breiten Korpus' popkulturell-relevanter Texte (akademischen Auseinandersetzungen, Zeitschriften, Weblogs etc.) wird mit einem Begrifff Luhmanns die Pop-Semantik rekonstruiert und so mit dem zuvor bestimmten Pop-Programm vergleichbar gemacht.

 

 » RUSSISCHE MODERNE UND INTERMEDIALITÄT – Literatur und Film

Mittelgeber: TWF – Tiroler Wissenschaftsfonds

Projektleitung: Dr. Dunja Brötz, Projektmitarbeiter: MMag. Martin Fritz

Laufzeit: 1. Januar 2009 – 30. April 2011

Das Projekt zielt auf eine Verbindung zwischen slawistischer und komparatistischer Forschung ab. Konkret sollen dabei Ansätze des intermedialen Forschungsbereichs »Literatur und Film« mit slawistischer Forschung zur Russischen Moderne verknüpft und mittels komparatistischer Analyse bewertet werden. Als einende, interdisziplinäre Konstanten werden dabei zwei weitere, in den letzten Jahren viel beachtete Forschungsgebiete fungieren: Zum einen die im Rahmen feministischer Theorien und Gender Studies thematisierte Untersuchung von Frauenfiguren in unterschiedlichen Medien, und zum anderen die im Rahmen soziologischer, kommunikationswissenschaftlicher und psychoanalytischer Ansätze entwickelte Untersuchung nonverbaler Ausdrucks- und Kommunikationsmittel in der Kunst. Das reichhaltige Anregungspotential, das die Russische Moderne medienübergreifend in die Wechselbeziehung zwischen Literatur und Film einbringt, soll dabei paradigmatisch an ausgewählten Werken Puschkins, Dostojewskis und Tschechows verdeutlicht werden.

 

» Goethes »West-östlicher Divan« und seine Übersetzung im Spannungsfeld von Weltlite­ratur, Orientalismus und Okzidentalismus

Mittelgeber: Eurasia-Pacific Uninet

KooperationspartnerInnen: Prof. Dr. Young-Ae Chon (Seoul National University), Prof. Dr. Hong-Bae Lim (Koreanische Goethe-Gesellschaft), Univ.-Prof. Dr. Sebastian Donat (Universität Innsbruck; Projektleiter)

Laufzeit: 2010

Das Projekt zielt auf die Entwicklung und Erprobung eines innovativen orientalistisch-okzidentalistischen Zugangs zu Goethes Idee der Weltliteratur, die sich als leistungs- wie durchsetzungsfähige und zugleich humanistische Perspektiven eröffnende Kom­munikationsform zu einem Leitgedanken der modernen Gesellschaft entwickelt hat.

Dabei geht es darum, sich dem weltliterarischen Potential und der besonderen interkulturellen Herausforderung von Goethes später Gedichtsammlung »West-östlicher Divan« auf spezifische Weise zu nähern: Im Zentrum stehen die koreanischen Divan-Übersetzungen (zwei publizierte und eine im Manuskript weitgehend abgeschlossene), die getreu der Goetheschen Idee der ›wiederholten Spiegelungen‹ nicht allein als Transferformen, sondern auch als Reflexionsmedium untersucht werden sollen. Der orientalistischen Perspektive des deutschen Werks (wie auch seiner Übersetzungen in europäische Sprachen) steht dabei die okzidentalistische Blickrichtung der fernasiatischen Kultur auf den vorderen Orient gegenüber.

 


3. GASTVORTRÄGE

22. Juni 2017  Dr. Katharina PIECHOCKI Luís de Camões: Kartographie und die Weltliteratur der frühen Neuzeit   

 

12. Mai 2016  Dr. Stephanie FLEISCHMANN  ‚Orient-Reise‘ im Zeichen kolonialen Scheiterns: Selbsterhebung, Irritation und Kränkung in Ernesto Giménez Caballeros Notas Marruecas de un soldado (1923)   

 

12. Mai 2016  Prof. Dr. Kyunghee KIM  Weltliteratur und Interkulturalität im Hinblick auf die Rezeption der deutschsprachigen Literatur in Korea   

 

3. Dezember 2015  Dr. Karin SARDADVAR  Harte Frauenarbeit – härtere Männerarbeit? Arbeit und Geschlecht in europäischen Niedriglohnbranchen   

 

16. Juni 2015  Mag.a Ulli GLADIK „Natasha“ – ein Dokumentarfilm zum Thema Bettelmigration. Die Arbeit am Film und seine Rezeption   

 

11. Juni 2015  Anna MARCOS NICKOL Lesen und wandern – und wissen?   

 


4. PUBLIKATIONEN

» Roma und Travellers. Identitäten im Wandel Erika Thurner, Elisabeth Hussl, Beate Eder-Jordan. (Hg.). IUP. 2015 

„... in den letzten Jahren hat die wissenschaftliche Beschäftigung mit so vielen Aspekten der Geschichte, Kultur, Sprache der Roma ein Niveau erreicht, das vor zwei, drei Jahrzehnten noch kaum vorstellbar war. ... den akademischen Elfenbeinturm hat es, was die Roma-Studien betrifft, nie gegeben, denn wer immer über Roma forscht, tut es auch, um auf seine Weise das fatale und gefährliche Bild, das sich die Öffentlichkeit von den Roma so lange gemacht hat, zu korrigieren, und Wissen zu verbreiten, das in die Gesellschaft hinauswirkt.“ (Karl-Markus Gauß, Vorwort)

Die Herausgeberinnen bieten einen breiten Überblick über die gesell- schaftliche Position von Roma, Jenischen und Travellers in Österreich und in einigen anderen europäischen Staaten. Lebensverhältnisse und Lebenszusammenhänge, Sprachen und kulturelle Produktionen sind ebenso Thema wie engagiertes Aufbegehren und organisiertes Sichtbarwerden dieser Minderheiten („Wenigerheiten“ mit den Worten von Ceija Stojka). Namhafte WissenschafterInnen aus unterschiedlichen Disziplinen und AktivistInnen haben sich zu diesem Zweck vernetzt, beteiligten sich an Workshops, Lehrveranstaltungen und Tagungen an der Universität Innsbruck und stellen ihre zum Teil jahrzehntelangen Erfahrungen und Forschungsergebnisse für diesen Sammelband zur Verfügung. 

 

» Das Unbehagen an der Kultur. Ingo Schneider, Martin Sexl (Hg.) Argument. 2015.

Das Unbehagen an der Kultur

Der Kulturbegriff, in den Geisteswissenschaften längst zum Leitkonzept geworden und in öffentlichen Diskursen zunehmend inflationär verwendet, ist unscharf. Kultur kann singuläre Praxis sein, Handlung oder Produkt oder wie im bildungsbürgerlichen Programm Abgrenzung von einem »kulturlosen« Zustand.
Immer noch, ja verstärkt greifen kulturalistische Kon- zepte um sich, die Kultur als Bündel von Eigenschaften definieren, durch die sich die Mitglieder einer Gruppe auszeichnen und von anderen Menschen unterscheiden, die anderen Gruppen, anderen »Kulturen« angehören. Aus diesem kulturalistischen Kulturbegriff, der die Gesellschaft anhand von Identität und Differenz organisiert, lässt sich politisches Kapital schlagen. Das titelgebende Unbehagen entzündet sich an zwei parallelen Entwicklungen: der anhaltenden Konjunktur unterschiedlicher Kulturkonzepte in aktuellen (gesell- schafts)politischen Diskursen sowie dem ungebremsten Boom der Verwendung des Kulturbegriffs in den Geistes- und Sozialwissenschaften. In vielen Teilen der Welt sehen wir heute, wie »Kultur« in Gesellschaft, Politik und Wirt- schaft instrumentalisiert wird: als Strategie der Simplifizie- rung und Naturalisierung bestehender Verhältnisse sowie zur Legitimierung von Macht, Herrschaft und Gewalt. Dazu muss die Wissenschaft mehr sagen, als sie es bisher getan hat. 

 

» Intermedialität in der Komparatistik. Dunja Brötz, Beate Eder-Jordan, Martin Fritz (Hg.) innsbruck university press. 2013.

Dunja Brötz, Beate Eder-Jordan, Martin Fritz (Hrsg.): Intermedialität in der Komparatistik. 2013, innsbruck university pressIntermedialität und das komplexe Relationsgeflecht zwischen Literatur und anderen Kunstformen, wie Malerei, Architektur, Tanz, Musik, Fotografie, Film, Performance-Art und digitaler Kunst, zählen seit nunmehr 40 Jahren zu den zentralen Lehr- und Forschungsschwerpunkten der Vergleichenden Literaturwissenschaft in Innsbruck. Den Innsbrucker Studierenden wurde dieser Schwerpunkt vor allem in den innovativen und breit gefächerten Lehrveranstaltungen von Klaus Zerinschek vermittelt, dem dieser Band gewidmet ist.

Alle Beiträge in diesem Band stammen von Komparatist_innen oder komparatistisch arbeitenden Philolog_innen, die sich mit theoretischen Intermedialitätskonzepten beschäftigen, sie zur praktischen Analyse konkreter künstlerischer Phänomene nutzen oder sie in die eigene künstlerische Arbeit einfließen lassen. Diese unterschiedliche und vielfältige Auseinandersetzung mit medialen Verschränkungen aus komparatistischer Perspektive spiegelt sich auch in den Beiträgen dieses Bandes wider: So bilden in einigen Beiträgen literarische Werke oder die literarischen Teilkomponenten einer intermedialen Hybridform die Basis für die wissenschaftliche Analyse, während wiederum in anderen Fällen die narrativen Qualitäten audio-visueller und/oder ikonischer Medien wie Tanz, Performance-Art und Film in den Blick genommen werden. In manchen, auf die Entwicklung neuer, intermedialitätstheoretischer Modelle ausgerichteten Beiträgen werden hingegen kultur-, literatur- und medientheoretische Ansätze auf komparatistische Weise verknüpft und auf intermediale Phänomene angewendet. In ihrer Gesamtheit zeugen die in diesem Band versammelten Beiträge somit eindrücklich von der kaleidoskopischen Vielfalt des komparatistisch-intermedialen Forschungsfeldes.

 

» Narratives Verstehen. Brigitte Rath. Velbrück Wissenschaft. 2011.

Brigitte Rath: Narratives Verstehen. Velbrück Wissenschaft 2011Erzählt der Film? Macht ein Ereignis schon eine Geschichte? Ist ein Club-Besuch eine Narration? In der Diskussion solcher wie vieler anderer aktueller Fragen in den Kultur- und Literaturwissenschaften geht es darum zu klären, was narrative Texte ausmacht. Dieses Buch schlägt vor, zunächst einen Schritt zurückzutreten und diese Fragen auf eine andere Grundlage zu stellen: Denn narrativ, so die Überlegung, ist nicht eine Eigenschaft von Texten, sondern einer Art des Verstehens. Das in dieser Untersuchung entwickelte narrative Schema will auch den sozial- und kulturwissenschaftlichen Nachbardisziplinen eine operationalisierbare Beschreibung von narrativ zur Verfügung stellen. Der Bedarf danach wurde durch den narrative turn geweckt; und der häufig bedauerte wild wuchernde, inzwischen beinahe beliebige Einsatz dieses Terminus in den unterschiedlichsten Disziplinen scheint vor allem darauf hinzudeuten, dass es noch nicht gelungen ist, aus den Literaturwissenschaften ein Konzept zu exportieren, das etwa auch in der narrativen Psychologie, der Geschichtswissenschaft oder in der Soziologie fruchtbar eingesetzt werden kann. Dem Trend zur Unterbestimmung außerhalb der Literaturwissenschaft steht dabei innerhalb der Literaturwissenschaft eine hoch ausdifferenzierte Diskussion gegenüber, deren Beiträge nur selten die Bedürfnisse anderer Disziplinen in den Blick nehmen. Die hier entwickelte Beschreibung ist nun gezielt darauf angelegt, auf diese Weise übertragbar zu sein.

 

» Dialogische Beziehungen und Kulturen des Dialoges. Analysen und Reflektionen aus komparatistischer Sicht.  Beate Burtscher-Bechter und Martin Sexl (Hg). StudienVerlag. 2011.

Norbert Bachleitner, Manfred Schmeling, Jürgen Wertheimer, Karl Zieger: Dialogische Beziehungen und Kulturen des Dialoges. Analysen und Reflektionen aus komparatistischer Sicht: Hrsg. von Beate Burtscher-Bechter und Martin Sexl. StudienVerlag 2011»Der Band Dialogische Beziehungen und Kulturen des Dialogs ist der österreichischen Komparatistik Fridrun Rinner gewidmet und erschien anlässlich ihres 65. Geburtstages. Es handelt sich jedoch nicht um eine Festschrift, da die Autoren keine Hommage an ihre "Lehrerin" verfassen sollten (vgl. S. 20). Stattdessen wollen die Autoren und HerausgeberInnen den Dialogbegriff wieder in die Diskussion einführen – allerdings unter neuen, kritischen Gesichtspunkten. Besonders der Machtfaktor erhält eine große Bedeutung für die Untersuchung trans- oder interkultureller Dialoge. Daher widmen sich sowohl der theoretische Beitrag zum Dialogbegriff, als auch die drei literaturwissenschaftlichen Fallstudien zu 'Dialogen' zwischen Frankreich und Deutschland bzw. Österreich, den politischen Rahmenbedingungen kulturellen Austauschs.« (Menja Holtz: Rezension »Bedingungen für einen ›wirklichen‹ Dialog im Kulturkontakt«, in: http://kult-online.uni-giessen.de/wps/pgn/home/KULT_online/33-3; Ausgabe 33/2012)

Beiträge:

  • Beate Burtscher-Bechter / Martin Sexl: Vom Dialoge
  • Jürgen Wertheimer: Dialog – eine Kulturtechnik im Wandel
  • Karl Zieger: Der österreichisch-französische Dialog im Spiegel der (Kultur-)Vermittler
  • Norbert Bachleitner: Der Dialog zwischen den Literaturen und seine Behinderung. Der französisch-österreichische Transfer im 19. Jahrhundert
  • Manfred Schmeling: Französische Hefe für den deutschen Teig. Studien zur Metaphorik dialogischer Beziehungen: Menschen, Kulturen, Texte

 

» Deskriptive Metrik. Sebastian Donat. Studienverlag. 2010

Sebastian Donat: Deskriptive Metrik. Studienverlag 2010Die »Deskriptive Metrik« versteht sich als ein Beitrag zur metrischen Grundlagenforschung, der jedoch von vornherein auf praktische Anwendbarkeit ausgerichtet ist. Es geht um die Entwicklung eines Modells, mit dessen Hilfe die Versdichtung der Literaturen der Welt gleichermaßen einfach wie präzise beschrieben und analysiert werden kann. Hierzu ist es zunächst notwendig, eine adäquate Definition des Verses vorzulegen. Die Entscheidung zugunsten einer primär optischen (und eben nicht akustischen) Wesensbestimmung des Verses erfolgt aus systematischen Gründen und wird durch empirische Proben (Klabunds Gedichtband »Die Harfenjule« sowie Helmut Heißenbüttels »Textbücher«) sinnfällig gemacht.
Auf der Basis einer kritischen Bestandsaufnahme wichtiger jüngerer englisch-, deutsch- und russischsprachiger versifikationstypologischer Ansätze wird im Hauptteil ein neues Beschreibungsmodell entwickelt. Es verfolgt ein konsequentes Grundprinzip: die gleichberechtigte Behandlung von Verskonstituenten einerseits und den produktiven Prinzipien ihrer Anordnung andererseits. Für die gebundenen Versformen wird daraus schrittweise eine deskriptiv-typologische Matrix erstellt: ein Beschreibungsraster, das es erlaubt, jeden Verstyp hinsichtlich seiner primären rhythmischen Merkmale adäquat zu bestimmen und von anderen Formen abzugrenzen.
Für die ungebundenen Verse mit ihrem stets individuellen, prinzipiell unvorhersagbaren Rhythmus wird eine Systematik erarbeitet, die zwischen obligatorischen und fakultativen Merkmalen unterscheidet und Möglichkeiten einer nicht-defizitären, sondern wesensgemäß positiven Beschreibung aufzeigt.
Das Buch enthält eine Vielzahl von Gedichtbeispielen aus der deutschsprachigen Literatur wie auch aus anderen Sprachen. Sie dienen der Veranschaulichung der abstrakten Kategorien und unterstreichen zugleich die komparatistische Anlage des Buches.

 

» Imagined Wars. Mediale Rekonstruktionen des Krieges. Martin Sexl, Arno Gisinger. innsbruck university press. 2010.

Martin Sexl, Arno Gisinger: Imagined Wars. Mediale Rekonstruktionen des Krieges. Innsbruck University Press 2010Kriege sind real, aber wie Nationen, Gesellschaften, der Klimawandel oder die Verteilung von Armut und Reichtum sozial konstruiert. Es ist also nicht ganz ›natürlich‹, dass es Kriege gibt, sondern kulturell bedingt: Kriege entstehen durch die Verwendung von Zeichen. Die Bezeichnung und Beschreibung von Ereignissen ist also nicht einfach ein Versuch, etwas im Nachhinein kommunikativ zugänglich zu machen – davon zu berichten und darüber zu informieren –, vielmehr ist dieser Versuch der medialen Rekonstruktion Teil des Konstruktionsprozesses selbst.
Das vorliegende Buch präsentiert zwei Essays, die einen solchen Konstruktionsprozess darstellen und gleichzeitig reflektieren: Der Textessay von Martin Sexl entwickelt eine Kritik der Verwendung von fotografischem Material in der Konstruktion von Kriegen und im Berichten darüber, der Fotoessay von Arno Gisinger demonstriert in einer gegenläufigen Bewegung, dass Fotografien nicht zwangsläufig einer Logik der Abbildung folgen müssen, sondern auch eine Erzählung aufspannen können, welche den ›Zwang zur Abbildung‹ unterläuft. Beide Essays werden gleichsam ›durchquert‹ von grafischen Arbeiten Magnus Pöhackers, welche die vereinfachende Gegenüberstellung von Text und Bild durchbrechen und erweitern.

 

Ältere Publikationen finden sich im ARCHIV.