Live vom Forschungs­schiff Sonne: Woche 2

Vom 4.10. bis 2.11. findet im Bereich des Japanischen Grabens und des Nankai Trogs eine internationale Forschungsausfahrt mit Innsbrucker Beteiligung statt. Vier Studierende haben die Möglichkeit die Geologen Michael Strasser und Jasper Moernaut zu begleiten. Hier berichten sie über Forschung und Leben an Bord des deutschen Forschungsschiffes.
Forschungsschiff Sonne am Rückweg
Bild: Auf dem Weg zurück nach Yokohama: Der Wellengang hat sich endlich wieder beruhigt und die herbstlichen Winde zeichnen beeindruckende Wolkenformationen in den Himmel. (Credit: Sebastian Trütner)

Die zweite Woche an Bord der Sonne ist vorbei – Zeit für ein weiteres Update von Bord. Wir befinden uns gerade auf dem langen Weg aus unserem Arbeitsgebiet zurück nach Yokohama. Ein Teil des Teams muss schweren Herzens zurück nach Hause an Ihre Schreibtische. In ihre Kammern werden für die kommenden zwei Wochen die Spezialisten für den Tauchroboter Kiel PHOCA einziehen, die uns auf dem zweiten Fahrtabschnitt begleiten werden.

Die vergangenen Tage waren richtig produktiv und wir konnten bereits über 90 Meter an Sedimentkernen aus dem Meer fischen. Die ersten Resultate aus den schiffseigenen Labors sehen vielversprechend aus und wir konnten den ambitionierten Plan unseres Fahrtleiters Professor Michael Strasser abarbeiten.

Damit die Kerne an den richtigen Stellen gezogen werden, wird mit Hilfe eines Multibeam Echo Sounders (MBES) die Bathymetrie (zu Deutsch – die Unterwasser-Topographie) des Tiefseegrabens vermessen. Das Gerät sendet dabei hochfrequente akustische Wellen aus, die vom Meeresboden reflektiert, auf dem Schiff gemessen und in Tiefen umgerechnet werden.

Zusätzlich wird mit einem Sub-bottom Profiler (SBP) der Untergrund analysiert. Dieses Gerät basiert ebenfalls auf akustischen Signalen. Es sendet allerdings akustische Wellen mit niedrigerer Frequenz aus, die bis zu 150 Meter in den Meeresboden eindringen können und uns Information über die Struktur des Untergrundes geben.

Die Hydroakustik-Zentrale der Sonne: Hier wird im Schichtbetriebt 24/7 durchgearbeitet damit wir kein Detail des Meeresbodens übersehen. (Credit: Tobias Schwestermann)

Die Hydroakustik-Zentrale der Sonne: Hier wird im Schichtbetriebt 24/7 durchgearbeitet damit wir kein Detail des Meeresbodens übersehen. (Credit: Tobias Schwestermann)

Während der vergangenen Wochen haben wir so unglaubliche 2038 Kilometer des Japangrabens vermessen - Schwerstarbeit für die Jungs und Mädels in der Hydroakustik-Zentrale, aber der 24-Stunden Betrieb lohnt sich: Die Technik, mit der die Sonne ausgestattet ist, findet sich in dieser Qualität auf keinem anderen Forschungsschiff der Welt. Das ermöglicht es uns extrem präzise Tiefseekarten zu erstellen auf denen Sedimentbewegungen genau dargestellt werden können.

Besuch von Land (Image credit: Yukihiko Nakano)

Besuch von Land (Image credit: Yukihiko Nakano)

Während die Geophysiker in ihrer fensterlosen Kontrollstation schuften bekamen die Labore weiter oben am Schiff unerwarteten Besuch. Ein kleiner Vogel, der wohl von Taifun Chaba aufs offene Meer hinaus getragen wurde, tauchte plötzlich an Deck auf. Ein ungewöhnlicher Anblick 200 Kilometer von der Küste entfernt.

Bis nächste Woche und SCHIFF AHOI!

(Dominik Jaeger, Jana Molenaar, Tobias Schwestermann und Paul Töchterle)

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