Live vom Forschungs­schiff Sonne: Woche 1

Vom 4.10. bis 2.11. findet im Bereich des Japanischen Grabens und des Nankai Trogs eine internationale Forschungsausfahrt mit Innsbrucker Beteiligung statt. Vier Studierende haben die Möglichkeit die Geologen Michael Strasser und Jasper Moernaut zu begleiten. Hier berichten sie über Forschung und Leben an Bord des deutschen Forschungsschiffes.
5 Meter hohe Wellen nach Taifun Chaba.
Bild: 5 Meter hohe Wellen nach Taifun Chaba. (Credit: Tobias Schwestermann)

Nach einer Woche an Bord des Forschungsschiffs Sonne wird es Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Während wir uns die ersten Tage über stabiles, mildes Herbstwetter freuen konnten, haben wir seit Donnerstag mit etwas raueren Bedingungen zu tun. Taifun Chaba konnten wir weitgehend umfahren; der starke Wellengang (bis zu 5 Meter), den uns der Tropensturm hinterlassen hat, stellte unsere Seefestigkeit dann aber doch etwas auf die Probe. Mittlerweile können wir aber wieder eine ruhigere See und sogar den ein oder anderen Sonnenstrahl an Deck genießen. In den vergangenen sieben Tagen haben wir uns vom Startpunkt Yokohama aus in Richtung Norden vorgearbeitet. Unsere Route führt entlang des Japan Grabens, etwa 150 bis 200 Kilometer östlich des japanischen Festlandes, über bis zu 8 Kilometer tiefe Meeresbereiche.

Absetzen des Probenentnahmegeräts. (Foto: Sebastian Trütner)

Eines der Ziele unserer Ausfahrt ist die Bergung der Sedimentablagerungen aus diesen großen Tiefen (zum Vergleich: stünde dort ein Berg doppelt so hoch wie der Großglockner, dann wäre sein Gipfel immer noch 400 Meter unter dem Meer). Dazu kommt ein Probenentnahmegerät mit ausgeklügelter Technik zum Einsatz: Das Hauptelement besteht aus einem wahlweise 5 oder 10 Meter langen Metallrohr, an dessen oberen Ende Bleielemente zur Beschwerung angebracht sind. Das hohe Gewicht von 1.1 Tonnen ist nötig, um die Apparatur später tief in den Meeresboden eindringen zu lassen. Im Inneren des Stahlrohrs wird ein exakt passendes Kunststoffrohr installiert, der sog. liner (engl. Auskleidung), der unser Probenmaterial aus dem Sediment ausstanzt. Um eine größere Eindringtiefe und damit die Bergung längerer Sedimentkerne zu ermöglichen, wird das Kerngerät kurz vor Aufsetzen am Grund durch ein Vorfallgewicht (der sog. Pilot Core) vom Stahlseil getrennt, sodass es im freien Fall und mit entsprechend höherer Geschwindigkeit auf den Meeresboden trifft. Der Kern wird im Anschluss wieder mit der Winde nach oben gehievt.

 

Zunächst aber müssen wir auf Deck alle diese Teile zusammenbauen und mit der Winde des Schiffes verbinden. Die Schiffsbesatzung lässt das Gerät dann mittels eines Metallgestells zu Wasser, wobei auch der Auslösemechanismus scharfgemacht wird. Hier heißt es überlegt und ruhig zu arbeiten, um keine gefährliche Falschauslösung zu riskieren!

Die Fahrt des Kerngeräts am Stahlseil dauert bei großen Wassertiefen einige Stunden. An Deck wird der liner, nun gefüllt mit Sediment, aus dem Metallrohr entfernt, in 1 Meter lange Segmente geschnitten und zur eindeutigen Zuordnung beschriftet. Dann beproben die Geochemiker an Bord das Sedimentporenwasser. Zuletzt werden die Kerne der Länge nach aufgeschnitten, sodass wir zwei Hälften erhalten: die Archivhälfte, die fotografiert, protokolliert, und in der schiffseigenen Kühlkammer eingelagert wird, und die Arbeitshälfte, aus der Proben entnommen werden und die für weitere Untersuchungen in die diversen Labore an Bord geleitet wird. Was wir dort untersuchen werden wir Euch in unseren nächsten Einträgen berichten.

Sayonara!

(Dominik Jaeger, Jana Molenaar, Tobias Schwestermann und Paul Töchterle)

 


Unileben aktuell – die neuesten Beiträge

weitere Beiträge