Ein ganz schön tragi­sches „Comic“

Wie kann man eine spannende historische Episode an ein breites Publikum bringen, wenn man nicht über die Millionen von Steven Spielberg verfügt? Man schreibt eine „Bande dessinée“. Denn im französisch-belgischen Kulturraum ist „Comic“ schon längst keine lustige Lektüre für Kinder mehr, sondern eine eigenständige Kunstform, mit der auch sehr ernste Themen abgehandelt werden.
Blick auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Bild: Gastvortragende Valérie Lemaire in der Dolmetschtrainingsanlage vor lauschendem Publikum. (Credit: Karin Scheichl)

Valérie Lemaire, Verfasserin der „Bande dessinée“ „Les Cosaques d’Hitler“ („Hitlers Kosaken“), hielt im Rahmen des Gemeinsamen Forschungskolloquiums „Geschichtswissenschaften in der Diskussion“ des Instituts für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie am 28. Mai 2019 in der Dolmetschtrainingsanlage einen Vortrag zu ihrer „graphic novel“, sowohl zu deren Entstehung als auch zu den geschichtlichen Fakten, die dahinterstehen. 
Das historische Geschehen war in diesem Fall die Geschichte der „Lienzer Kosaken“ am Ende des Zweiten Weltkrieges, und das Team, das sie recherchiert und auf zwei dünne Alben reduziert sowie mit einer Liebesgeschichte als „Aufhänger“ versehen hat, waren die oben erwähnte Valérie Lemaire als Drehbuchautorin und Olivier Neuray als Zeichner. Sie waren fasziniert von dieser Osttiroler Episode, bei der die britischen Besatzer kosakische Regimente, die sich – im Widerstand gegen Russland – der Deutschen Wehrmacht angeschlossen hatten, und dazu noch – weil man das angeblich „nicht so genau überprüfen konnte“ – zigtausende kosakische Zivilisten (Frauen, Kinder und Alte) allesamt in die Sowjetunion deportierten, wo sie größtenteils dann im Gulag endeten.
Für diese Veranstaltung kooperierten das Institut für Archäologien, das Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie, der Frankreich-Schwerpunkt, das Russland-Zentrum und das Institut für Translationswissenschaft, und weil die Translationswissenschaft dabei war, wurde der Vortrag von Studierenden simultan übersetzt.
Für Valérie Lemaire und Olivier Neuray ist als nächste Station ein Besuch am Ort des Geschehens, in Lienz in Osttirol, eingeplant. Und erst seit kurzem können sie den Namen dieser Stadt auch korrekt aussprechen, nachdem er vorher in ihrem Munde eher nach „Linz“ geklungen hatte.

(Eva Lavric)

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