Historische Bibliothek des Servitenkonvents Volders

Nach der 2025 erfolgten Auflassung der Servitenniederlassung in Volders gingen die dortigen Bibliotheksbestände als Schenkung an die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol über. Die Klosterbibliothek zeichnet sich durch den hohen Anteil neuzeitlicher Drucke und ihre große thematische Vielfalt aus. Der zeitliche Schwerpunkt des Bestandes liegt im 18. Jahrhundert, doch sind auch Titel des 16. und 17. Jahrhunderts sowie aus späterer Zeit in nennenswerter Zahl vertreten. Es dominieren deutsch- und lateinischsprachige Werke, ergänzt durch solche in italienischer, französischer, griechischer sowie weiteren vorrangig europäischen Sprachen. Inhaltlich spiegelt die Bibliothek in eindrucksvoller Weise die geistige und wissenschaftliche Ausrichtung eines neuzeitlichen Ordenskonvents wider, wobei neben der Theologie auch zahlreiche nichttheologische Fachdisziplinen vertreten sind.

Die Anfänge der Bibliothek reichen in die Frühzeit des Klosters zurück, das 1698 im Anschluss an die bereits bestehende Kirche zu Ehren des hl. Karl Borromäus fertiggestellt wurde. Ab dem frühen 18. Jahrhundert ist mit dem Amt des Bibliothekars eine geregelte Verwaltung der Bestände nachweisbar. Ein wesentlicher Teil der historischen Sammlung geht auf Schenkungen und Nachlässe von Konventmitgliedern sowie auf Widmungen umliegender Adelsfamilien zurück. Von herausragender Bedeutung ist das 1732 errichtete Legat des Servitenpaters Caspar M. Künigl, der seine umfangreiche Privatbibliothek unter der Auflage der Unveräußerlichkeit dem Konvent vermachte. Ergänzt wurden die Bestände durch gezielte Ankäufe aus einem eigenen Bibliotheksfonds. Trotz kriegsbedingter Verluste während der 1940er-Jahre blieb der Kernbestand erhalten.

Die Bibliothek dokumentiert damit nicht nur die geistige Geschichte des Servitenkonvents Volders, sondern stellt zugleich eine wertvolle Quelle für die Ordens-, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte Tirols dar.

Vgl. Gernot Peter Obersteiner / Birgit Scheidle, Bibliothek des Servitenkonvents St. Karl, in: Bernhard Fabian (Hrsg.), Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Hildesheim 2003, 176–178.

Die Bücher der Bibliothek des Servitenkonvents Volders können über eine im Lesesaal der Abteilung für Sondersammlungen bereitgestellte Liste recherchiert werden, die auf der Neukatalogisierung in den 1990er-Jahren basiert.

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