Bibliotheksleiterin HR Mag. Eva Ramminger dankte Provinzial P. Anthony Raj OSM und Prior Fr. Fero Bachorik OSM

His­to­ri­sche Ser­vi­ten­bi­blio­the­ken als bedeu­ten­der Zuwachs

Die ULB Tirol konnte zwei beachtliche historische Bibliotheken aus dem Umfeld des Servitenordens übernehmen und damit ihr Profil als eine zentrale Gedächtnisinstitution des Landes weiter stärken. Sowohl die historische Bibliothek des Servitenkonvents Innsbruck als auch die Bibliothek des Servitenkonvents Volders stellen bedeutende Quellen für die Ordens-, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte Tirols dar.

Historische Bibliothek des Innsbrucker Servitenkonvents

Bereits 2008 wurde die historische Bibliothek des Innsbrucker Servitenkonvents als Dauerleihgabe der ULB Tirol übergeben. Der im Dezember 2025 besiegelte Vertrag legt nunmehr fest, dass diese Sammlung in eine Schenkung umgewandelt wird.
Die Servitenbibliothek Innsbruck geht auf die Stiftung des Konvents im Jahr 1611 durch Anna Caterina Gonzaga, die zweite Gemahlin Erzherzog Ferdinands II., zurück und wurde insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert durch bedeutende Legate Tiroler Persönlichkeiten erweitert. Die umfangreiche Druckschriftensammlung beeindruckt durch die Vielzahl der in ihr vertretenen Wissensgebiete. Hervorzuheben sind außerdem rund 500 Handschriften aus dem 15. bis 19. Jahrhundert sowie über 200 wertvolle Inkunabeln.

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Besitzvermerke der Servitenbibliothek Innsbruck (Innsbruck, ULB Tirol, Cod. Serv. I a 25, Bl. 3r)

Historische Bibliothek des Servitenkonvents St. Karl in Volders

Ein weiterer bedeutender Zuwachs erfolgte 2025 mit der Schenkung der historischen Bibliothek des Servitenkonvents St. Karl in Volders nach der Auflassung der dortigen Ordensniederlassung. Die Anfänge der Bibliothek reichen in die Frühzeit des Klosters zurück, das 1698 im Anschluss an die bereits bestehende Kirche zu Ehren des hl. Karl Borromäus fertiggestellt wurde. Der Bestand weist einen Schwerpunkt im 18. Jahrhundert auf, enthält aber auch zahlreiche Werke des 16. und 17. Jahrhunderts sowie aus jüngerer Zeit. Die Bibliothek spiegelt das geistige Profil eines frühneuzeitlichen Ordenskonvents wider und umfasst neben theologischer Literatur u.a. auch Werke aus Rechtswissenschaft, Geschichte, Medizin, Philologie und Belletristik. Buch- und regionalhistorisch bedeutend sind die vielfältigen Vorprovenienzen, darunter das wertvolle Legat des Servitenpaters Caspar Maria Künigl (1699–1770) sowie Bestände aus Adelsbibliotheken und Büchersammlungen anderer Klöster.

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Exlibris der Servitenbibliothek Volders (Sign. 113/4558, VDS)

Wesentliche Beweggründe für diese schenkungsweisen Übertragungen waren das Fehlen einer adäquaten Betreuung der Bücher sowie ungeeignete konservatorische Lagerungsbedingungen an ihren bisherigen Aufstellungsorten sowie das erklärte Ziel, diese wertvollen Sammlungen für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Für die ULB Tirol stellen diese historischen Bibliotheken v.a. aufgrund ihrer Vorprovenienzen und der vielfältigen Bestandsverflechtungen eine willkommene Ergänzung ihrer Altbuchbestände dar.

Zugänglichkeit durch Erschließung und Digitalisierung

Neben der konservatorischen Sicherung werden die Bestände an der ULB Tirol auch sukzessive inhaltlich erschlossen und digital zugänglich gemacht: Derzeit werden die unikalen mittelalterlichen Handschriften im Rahmen eines drittmittelgeförderten Projektes (Förderprogramm „Kulturerbe digital“ 2024–2026 des Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport aus Mitteln des EU-Fonds NextGenerationEU) in Kooperation mit dem Institut für Klassische Philologie und Neulateinische Studien der Universität Innsbruck und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften für Forschung und Öffentlichkeit bereitgestellt.

Innsbruck, ULB Tirol, Cod. Serv. I b 42, Bl. 118 (Beilage)

Innsbruck, ULB Tirol, Cod. Serv. I b 42, Bl. 118 (Beilage)

Als Dank für die großzügige Überlassung dieser umfangreichen und für die Kulturgeschichte des Landes sehr bedeutsamen Sammlungen lud die Leiterin der ULB Tirol, Frau HR Mag. Eva Ramminger, die Vertreter der Provinzleitung, P. Anthony Raj OSM und Fr. Fero Bachorik OSM, zu einem Empfang in die Direktionsräumlichkeiten der ULB Tirol.
Der Besuch bot die Gelegenheit, den Ordensvertretern nähere Erläuterungen zu den Beständen und deren heutiger Verwahrung sowie Einblick in gegenwärtig bereits umgesetzte Erschließungs- und Digitalisierungsarbeiten zu den Handschriftenbeständen des Innsbrucker Konvents zu geben.

Beide Sammlungen sind bedeutsame Zeugnisse für das historische Wirken des Ordens in Tirol und repräsentieren wertvolles schriftliches Kulturgut unseres Landes. Sie ergänzen in willkommener Weise die an der ULB Tirol verwahrten historischen Bestände und geben wertvolle Aufschlüsse zur regionalen Buch- und Bibliotheksgeschichte.

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Bibliotheksleiterin HR Mag. Eva Ramminger (mitte) dankte Provinzial P. Anthony Raj OSM (rechts) und Prior Fr. Fero Bachorik OSM (links) für die Überlassung dieser herausragenden Sammlungen, die durch ihren Umfang, ihre thematische Vielfalt und zahlreiche qualitätsvolle Werke bestechen.

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