Barbara Hinger, Universität Graz
Abstract
Innovation(en) im (Fremd-)Sprachunterricht: Wer trägt sie (ins System) und wer verträgt sie?
Komplexe Institutionen wie Schulen und Universitäten werden – intern wie extern – oft als schwerfällige und kaum veränderbare Systeme wahrgenommen. Sie lassen sich als Expert:innenorganisationen (Kieser 2006) charakterisieren, in denen viele Interessensgruppen, direkt Beteiligte und konkret betroffene Personengruppen in Entscheidungen eingebunden werden wollen, um die bildungspolitische Verantwortungsträger:innen oft ringen. Innovationen verheißende Entscheidungen verzögern sich, werden hinausgeschoben oder nicht getroffen. Werden innovative Richtungen von der Bildungspolitik dennoch getroffen, ist sehr oft mit Widerstand unterschiedlichster Art zu rechnen. Leichter haben es Innovationen, wenn sie sich graswurzelartig entwickeln und sich Verbesserungen oder Erfolge rasch konkretisieren. Der Vortrag richtet den Blick auf Innovationen, die für den (Fremd-)Sprachunterricht im österreichischen Kontext top down auf der Ebene der Lehrpläne und schulischen Abschlussprüfungen von der Bildungspolitik ins System getragen wurden, die von Lehrwerkautor:innen für den (Fremd-)Sprachunterricht initiiert wurden, von einzelnen Lehrpersonen in den individuellen Unterricht getragen wurden oder von Schüler:innen als Fremdsprachenlernende eingefordert wurden. Gestreift wird dabei auch die cool-Initiative, die als Graswurzelbewegung Innovation an zunächst einer Schule bewirkte. Als erklärende Rahmungen dienen die Modelle der Innovationskurve von White (1983) und der Transition-Kurve von Waters (2005) (s. auch Waters 2009).
Kieser, A. (2006). Der situative Ansatz. In: Kieser, A., Ebers, M.: Organisationstheorien. 6. Auflage, W. Kohlhammer, Stuttgart, 215-45.
Waters, A. (2005). Expertise in teacher education: Helping teachers to learn. In: Johnson, K. (ed.), Expertise in second language learning and teaching. Basingstoke: Palgrave Macmillan, 210–229.
Waters, A. (2009). Managing innovation in English language education. In: Language Teaching, 42 (4), 421–458. DOI: 10.1017/S026144480999005X.
White, R. V. (1988). The ELT curriculum: Design, innovation, and management. Oxford: Blackwell.
Bio
Barbara Hinger hat Spanisch und Geschichte/Sozialkunde für das Lehramt an der Universität Graz und der Universität Barcelona studiert. Sie absolvierte im Anschluss ein Masterstudium in „Women’s Studies“ an der Universität Barcelona und den Hochschullehrgang „Deutsch als Fremdsprache“ an der Universität Graz, wo sie auch ihr Doktoratsstudium begann. Die Promotion erfolgte an der Universität Innsbruck mit einer Arbeit zur spanischen Fachdidaktik, für die sie den „Ludger-Schiffler-Preis für Fremdsprachendidaktik“ erhielt. Barbara Hinger war drei Jahre als österreichische Lektorin an der Universidad de Sevilla, Spanien, im Bereich Deutsch als Fremdsprache und Österreichische Kulturgeschichte tätig. Fünf Jahre unterrichtete sie an einem österreichischen Gymnasium Geschichte/Sozialkunde und Spanisch und konnte dieses Fach dort als zweite lebende Fremdsprache etablieren. Sie lehrt seit 1995 Fachdidaktik für das Unterrichtsfach Spanisch. Von 1997 bis 2012 war sie am Institut für Romanistik der Universität Innsbruck tätig und lehrte dort spanische Sprachgeschichte, ausgewählte Bereiche der spanischen Sprachwissenschaft sowie Fachdidaktik. Von 2002 bis 2020 lehrte sie im Rahmen der sprachenübergreifenden Fachdidaktik am Innsbrucker Modell der Fremdsprachendidaktik (IMoF), das sie gemeinsam mit Fachdidaktikkollegen der Anglistik, Latinistik und Slawistik initiiert und bis 2020 auch geleitet hat. An der Universität Innsbruck war sie von 2012 bis 2020 Leiterin des neu etablierten Instituts für Fachdidaktik an der School of Education, nunmehr Fakultät für Lehrer:innenbildung. Von 2013 bis 2020 hatte sie den Vorsitz der Curriculumkommission Lehramt Sekundarstufe Allgemeinbildung an der Universität Innsbruck inne.
Barbara Hinger war Mitbegründerin der 2007 gegründeten Österreichischen Gesellschaft für Sprachendidaktik (ÖGSD), bis 2017 Vorstandsmitglied und von 2011 bis 2015 deren Obfrau. Sie war Mitglied der Expert:innengruppe zur „Reform des Oberstufenlehrplans an AHS für Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch“ (2002-2004) für das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, wissenschaftliche Beraterin für die Neugestaltung der Lehrpläne (Fremdsprachen) Sekundarstufe I (2019-2020) für das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) und ist seit 2014 Fachdidaktikexpertin in der Bundesreifeprüfungskommission des Ministeriums.
Forschungsaufenthalte führten sie u.a. nach Australien, England und Spanien. 2012 erhielt sie die Lehrbefugnis für „Romanische Sprachwissenschaft und Sprachendidaktik“. In ihrer Habilitationsschrift beschäftigte sie sich mit dem Erwerb, der Vermittlung und der Überprüfung des Spanischen im schulischen Kontext. Ihr aktuelles Forschungsinteresse richtet sich auf den morphosyntaktischen Erwerb von Fremdsprachen, das classroom based assessment und auf Mehrsprachigkeitsansätze in der Lehrer:innenausbildung.
Barbara Hinger war von 2012 bis 2020 Universitätsprofessorin für Fremdsprachendidaktik am Institut für Fachdidaktik, Bereich Didaktik der Sprachen, der Universität Innsbruck. Seit 2020 arbeitet sie am Institut für Romanistik der Universität Graz und ist Professorin für Fremdsprachendidaktik.
