The Ontology of Sex and the Governance of Life: Trans Politics, Social Reproduction, and the Crisis of Democratic Intelligibility
Vortragende Person: Miguel Soares Silveira
This presentation examines contemporary conflicts surrounding trans politics not simply as disputes over identity or recognition, but as deeper ontological and political conflicts concerning the organization of social life in liberal modernity. Drawing from my current doctoral research, I argue that trans existence destabilizes one of the central assumptions of modern governance: the idea that sex constitutes a stable, natural, and pre-political foundation for the administration of populations, citizenship, and social reproduction.
Bringing together trans studies, feminist political theory, biopolitics, and social reproduction theory, the presentation analyzes how contemporary institutions rely on bodily classifications to organize labor, care, legitimacy, and political belonging. In this context, current anti-trans reactions —including trans-exclusionary radical feminism and broader anti-gender movements— can be understood not merely as moral or cultural disagreements, but as attempts to restore sex as a sovereign category capable of stabilizing social order.
At the same time, I explore how trans politics exposes the fragility of contemporary systems of governance by revealing that bodily categories are historically produced, administratively managed, and materially linked to capitalist forms of social reproduction. Rather than treating trans politics as a marginal identity issue, the presentation proposes understanding it as a privileged site from which to analyze broader crises of democracy, governance, and the organization of life under contemporary capitalism.
Ideologie und Gefühl: Zur feministischen Re*Vision Antonio Gramscis Konzept des Alltagsverstands
Vortragende Person: Henrike Bloemen
Angesichts der multiplen Krise des gegenwärtigen Kapitalismus, die sich insbesondere in Autoritarisierungs- und Faschisierungsprozessen zeigt, stellt sich die Frage: Weshalb leben wir noch immer in einer bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, obwohl sie für die meisten Menschen „ein schlechtes Leben“ (Berlant 2011) bereithält? Weshalb halten so viele Menschen dennoch an dieser vermeintlich ‚alternativlosen‘ Gesellschaftsformation fest? Und weshalb erscheint daher auch gesellschaftliche Transformation als schier unmöglich?
Die These des Projekts lautet: Weil wir es mit einer Wirkweise von Macht- und Herrschaftsverhältnissen zu tun haben, die nicht nur rational und äußerlich operiert, sondern bis in das Innerste der Subjekte dringt; in ihre Köpfe, Körper und Herzen; in die Gefühle und das Begehren; in die selbstverständliche Auffassung von Selbst und Welt und damit auch, wie die Subjekte ihr (Zusammen-)Leben führen und ihren Alltag im gegenwärtigen Kapitalismus bewältigen. Doch auch genau diese Wirkweise bietet Wege, um nach Möglichkeiten transformatorischer Praxis zu fragen.
Um aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse über und durch ein Zusammenspiel aus Ideologie und Gefühl sowohl re_produziert und stabilisiert als auch verschoben und transformiert werden können, richtet das Projekt den Blick auf das Konzept des Alltagsverstands des Marxisten Antonio Gramsci. Über die methodologische Dialektik der Re*Vision des Alltagsverstands wird dieser als ideologietheoretisches Analysewerkzeug zur Vermessung des alltäglichen Selbst- und Weltverhältnisses neu aufgegriffen (Revision). Anhand von Kritik, Erweiterung und Aktualisierung über kritische affekttheoretische Perspektiven wird das Konzept des Alltagsverstands zeitgenössisch gewendet (Vision). Damit bringt das Projekt Ideologie- und Affekttheorie zusammen, entwickelt ein neues Analysewerkzeug, welches den Alltagsverstand als ideologisch-affektive Praxis weiterdenkt und produktiv für Analyse und Kritik von Produktions- und Lebensweise im gegenwärtigen Kapitalismus macht. In diesem Zuge eröffnet das Projekt ein neues, nicht-essentialistisches Verständnis von Ideologie und führt zugleich eine materialistische Ausdeutung kritischer Affekttheorie weiter, die ideologietheoretisch verankert ist. Damit gelingt es nicht nur, die stabilisierende Wirkweise von Macht- und Herrschaftsverhältnissen zu analysieren, sondern auch Möglichkeiten der gesellschaftlichen Transformation aufzuzeigen.

Kleines Kolloquium am CGI
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Veranstaltungen
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