Alles Verblendung?
Was wir (nicht) wahrnehmen können, sollen, wollen

XVIII. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Universität Innsbruck, 2.-5. Juni 2020

Die Innsbrucker Vergleichende Literaturwissenschaft freut sich, die XVIII. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft von 2. bis 5. Juni 2020 auszurichten und Komparatist*innen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum in Innsbruck willkommen zu heißen.

Die Tagung widmet sich unter dem Titel "Alles Verblendung? Was wir nicht wahrnehmen können, sollen, wollen" einem breiten Spektrum von Themen, die (scheinbare) Doppelstrukturen wie Oberfläche und Dahinter in den Blick nehmen. Den Call for papers finden Sie unten auf dieser Seite oder als pdf.

Call for Papers

»Verblênden, verb. regul. act. welches eigentlich blind machen bedeuten sollte, aber nur in engerer und figürlicher Bedeutung gebraucht wird, durch Darstellung eines falschen Gegenstandes dasjenige zu sehen hindern, was man sehen sollte oder wollte« (Adelung). Vor dem Hintergrund dieser historischen Begriffsbestimmung wird sich die 18. Verbandstagung der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (DGAVL) 2020 in Innsbruck der Verblendung, aber auch benachbarten Phänomenen (Fassade, Verkleidung, Kaschieren, Verstecken, Verschleiern, Camouflage, Simulation, Uneigentlichkeit, Illusion, Fälschung, Verführung, Simulakrum, Trugbild, Täuschung etc.) in den Feldern der Literatur und Kunst aus komparatistischer Sicht widmen.

Dabei soll einerseits das Potential der buchstäblichen Bedeutung der Begriffe (und ihre teilweise Herkunft aus dem Handwerk) genutzt werden, die meist auf eine Doppelstruktur (von vorne/hinten bzw. sichtbare Oberfläche/verborgenes Dahinter, Eigentlichkeit/Uneigentlichkeit etc.) verweist. So deckt beispielsweise eine Blende oder eine Verblendung etwas ab, was man der Wahrnehmung entziehen oder schützen möchte. Andererseits soll auch die Suggestivkraft der Begriffe befragt werden: Wer von Verblendung spricht, geht implizit häufig davon aus, dass sich hinter der Blende oder der Verblendung etwas versteckt, was als wirklicher, wahrer, authentischer, natürlicher, wichtiger etc. gilt als das an der Oberfläche Sichtbare. Dabei kann eine Blende durchaus das Eigentliche sein, etwa weil nichts dahinter ist. Solchermaßen hoffen wir, die Begriffe und die damit beschriebenen Phänomene als Einschränkung wie auch als Erweiterung der Möglichkeiten von Gestaltung, Wahrnehmung und Erkenntnis zu sehen.

Die Phänomene unseres Themas »Alles Verblendung?« spannen historisch wie systematisch ein breites Spektrum auf. Gerade aus einer Perspektive der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft eröffnet sich die Chance, diese Vielgestaltigkeit wahrzunehmen, durch Vergleiche zu erschließen und zu konzeptualisieren.

Unter anderem folgende Aspekte könnten damit für die Tagung in den Blick rücken:

  • Das Begriffsfeld Verblendung
  • Verblendung als Thema oder Motiv: verblendete Protagonist*innen...
  • Gegenstandsbezogene Verblendungen: Verblendungen in ihrer Materialität und Medialität; Verkleidungen; Masken; Aufwertung des Gesehenen (Fassaden, CGI); ›Schützende Verblendungen‹ (Beachtung von Tabus, Schamgrenzen, Trauma etc.); Verblendung als rhetorische Strategie...
  • Rezipient*innenbezogene Verblendung: Fälschungen und Täuschungen (gefälschte Kunstwerke, Pseudoübersetzungen, Plagiate, etc.); Verblendungen in der Wissenschaft; Fiktion als Fakt (»Fake news«); Ideologie; Medienmimikry (z.B. fotorealistische Malerei); Verführungen; Mimikry in der Literatur und in anderen Künsten...
  • Produzent*innenbezogene Verblendungen: ›Prekäre‹ Autorschaft (Pseudonym, Anonym, Allonym, Heteronym; Identitätswechsel und Identitätsaneignung; Texte und Kunstwerke ohne Autor/Urheber; umstrittene Autorschaft); der Mythos des Autors; biographische Legenden; fingierte Autorschaft; Kryptomnesie; Selbstverblendung...

Wir laden ein zur Einsendung von Themenvorschlägen mit Kurzexposé (bis zu max. 2.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) und Kurzbiographie an dgavl2020@uibk.ac.at bis zum 1. Juli 2019. Eine (kostenpflichtige) Kinderbetreuung kann bei genügend Anmeldungen organisiert werden. Vermerken Sie gegebenenfalls bitte Ihr Interesse mit den entsprechenden Informationen (Anzahl und Alter der Kinder).

Organisationsteam

Univ.-Prof. Dr. Sebastian Donat, Univ.-Ass. Dr. Beate Eder-Jordan, Ass.-Prof. Dr. Brigitte Rath, Univ.-Prof. Dr. Martin Sexl

Kontakt

Petra Gasparini (studentische Mitarbeiterin)
Email: dgavl2020@uibk.ac.at

Nach oben scrollen