Erste Inge­borg-Hoch­mair-Professo­rinnen berufen

Zwei erfolgreiche Nachwuchs­wissenschaftle­rinnen wurden vor kurzem als Professorinnen berufen: die Pharmazeutin Daniela Schuster und die Quantenphysikerin Tracy Northup. Mit den nach der erfolgreichen Tiroler Unternehmerin Ingeborg Hochmair benannten Professuren fördert die Universität Frauenkarrieren in Naturwissenschaften und Technik. Am Dienstag fanden die Antrittsvorlesungen statt.
Antrittsvorlesungen der ersten Hochmair-Professorinnen
Bild: Die beiden Hochmair-Professorinnen Daniela Schuster und Tracy Northup mit Namenspatronin Ingeborg Hochmair, Rektor Tilmann Märk und Vizerektorin Sabine Schindler. (Credit: Uni Innsbruck)

Frauen stellen an der Universität Innsbruck 53 % der Studierenden und zeichnen für 56 % der Studienabschlüsse verantwortlich. 44 % der Mitarbeitenden sind Frauen, im wissenschaftlichen Personal 38 %. Bei den Professuren beträgt der Frauenanteil derzeit 20 %. „Mit dem neuen Programm für Frauenprofessuren fördern wir Frauenkarrieren insbesondere in Naturwissenschaften und Technik“, sagt Rektor Tilmann Märk. „Mit Ingeborg Hochmair leiht ein idealtypisches ‚Role Model’ diesem Programm seinen Namen. Dafür sind wir der erfolgreichen Forscherin und Unternehmerin sehr zu Dank verpflichtet.“  Neben den neuen Ingeborg-Hochmair-Professorinnen verfügt die Universität Innsbruck mit dem Erika-Cremer-Habilitationsprogramm bereits seit 2009 über ein weiteres Programm, um gezielt Frauenkarrieren in der Wissenschaft zu fördern.

Nebenwirkungen im Blick

Mit computerbasierten Modellen versucht die Pharmazeutin Daniela Schuster die Wirkungen und Nebenwirkungen von chemischen Verbindungen vorherzusagen. Das könnte helfen, die Sicherheit hunderttausender Chemikalien rascher zu überprüfen. Das ist wichtig, weil heute viele Chemikalien verwendet werden, ohne dass deren Wirkungen auf Mensch und Umwelt genau bekannt sind. Daniela Schuster simuliert am Institut für Pharmazie verschiedene Mechanismen im menschlichen Körper und kann so abschätzen, welche Chemikalien das Immunsystem beeinflussen, den Hormonhaushalt stören oder Herz und Kreislauf belasten. Langfristig will die Forscherin eine Plattform etablieren, auf der chemische Verbindungen systematisch auf ihre Nebenwirkungen hin untersucht werden können.
Daniela Schuster wurde 1978 in Innsbruck geboren, hat an der Universität Innsbruck Pharmazie studiert und 2006 promoviert. Danach war sie in der Industrie und an der Universität Erlangen tätig, bevor sie wieder nach Innsbruck zurückkehrte. Für ihre Forschungen wurde Daniela Schuster schon mehrfach ausgezeichnet, so 2011 mit dem Ernst-Brandl-Preis.

Schnittstellen für das Quanteninternet

Das Quanteninternet der Zukunft benötigt effiziente Schnittstellen, über die Information von Materie auf Licht und umgekehrt übertragen werden können. Die Physikerin Tracy Northup erforscht diesen Informationstransfer und arbeitet aktuell daran, ein freischwebendes Glaskügelchen und ein gefangenes Ion mit einem optischen Resonator zu kombinieren, um eine nichtlineare Kopplung zu erreichen. Mit dieser Anordnung will die Forscherin das Glaskügelchen in einen Superpositionszustand bringen, das heißt in einen quantenmechanischen Zustand, in dem die Nanokugel sich an zwei Positionen gleichzeitig befindet. Längerfristig könnten diese nichtklassischen Zustände des Glaskügelchens als hochempfindliche Detektoren, zur Erforschung bisher unzugänglicher Bereiche der Quantenmechanik und als Schnittstelle zu anderen Quantensystemen Verwendung finden.
Tracy Northup wurde 1978 in Newton, Massachusetts, USA, geboren. Nach dem Physikstudium an der Harvard University promovierte sie am California Institute of Technology. 2008 kam sie in die Forschungsgruppe um Rainer Blatt nach Innsbruck und forschte hier seit 2012 im Rahmen eins Elise-Richter-Projekts an Quantennetzwerken und Quantensimulationen. Im Vorjahr hat Tracy Northup den START-Preis erhalten, die höchste Auszeichnung für Nachwuchswissenschaftler in Österreich.

Pionierin und Role Model

Die Namengeberin der neugeschaffenen Professuren an der Universität Innsbruck, Ingeborg Hochmair, gilt in internationalen Fachkreisen als Pionierin auf dem Gebiet der Hörimplantate. Ihr Enthusiasmus und ihr großes Engagement haben es möglich gemacht, dass heute mit Hilfe von Elektronik erstmals ein menschliches Sinnesorgan vollwertig ersetzt werden kann. Mit einem Cochlea-Implantat erlangen Menschen mit hochgradigem Hörverlust das natürliche Hörvermögen wieder. Tausenden Menschen weltweit konnte mit dieser in Österreich entwickelten Technologie in den vergangenen Jahren geholfen werden. Als Forscherin und erfolgreiche Unternehmerin ist Ingeborg Hochmair heute ein „Role Model“ für Frauen, die sich in Naturwissenschaften und Technik engagieren und ebenso beeindruckende Karrieren anstreben. Für ihre herausragenden Leistungen wurde Hochmair international schon vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem renommierten Lasker-DeBakey Clinical Medical Research Award und dem Russ Prize der National Academy of Engineering. Die Universität Innsbruck ernannte Ingeborg Hochmair 2013 zur Ehrensenatorin.


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