Schreibtisch von Rudolf Greinz in der Villa Rosenegg

Uni Inns­bruck erhält Villa Rosen­egg und Greinz-Nachlass

Das Ehepaar Georg und Edeltraut Ott schenkt der Universität Innsbruck das 1856 errichtete Landhaus Rosenegg in Aldrans, das den Nachlass des erfolgreichen Tiroler Volksschriftstellers Rudolf Greinz beheimatet. Die wertvollen Archivbestände sind teilweise unerschlossen und werden nun einer wissenschaftlichen Aufarbeitung zugänglich.

„Noch nie erhielt die Universität Innsbruck eine Zuwendung dieser Art und Größenordnung von einer Privatperson“, erklärte Rektor Tilmann Märk in einem Pressegespräch in der Villa Rosenegg. Im Ambiente des denkmalgeschützten Landhauses aus dem Spätbiedermeier wurde am 18. Oktober 2018 gemeinsam mit dem Ehepaar Ott die bereits erfolgte Unterzeichnung der Stiftungserklärung und -vereinbarung der Rudolf-Greinz-Stiftung an der Universität Innsbruck öffentlich gemacht. Der Wert der Villa und des erst teilweise unerschlossenen Nachlasses von Rudolf Greinz (1866-1942) wird auf weit über 2 Millionen Euro geschätzt. Greinz war einer der erfolgreichsten Tiroler Heimatschriftsteller und erreichte wie sein Zeitgenosse und Genre-Kollege Reimichl Millionenauflagen. „Ich möchte mich einmal mehr und diesmal coram publico bei Ihnen bedanken. Sie können sich sicher sein, dass sowohl das Gebäude also auch die umfangreichen Archiv-Bestände bei unseren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in allerbesten Händen sind“, so Märk zu Georg Ott, der seit Jahrzehnten das literarische Erbe und die Wirkungsstätte seines Großvaters verwaltet. „Bei der Gründung der Stiftung habe ich meiner Familie gedacht, in deren Sinne sie sicher erfolgt ist“, erklärte Dr. Georg Ott. Seinen Eltern, so Ott weiter, sei es in der Kriegs- und Nachkriegszeit trotz schwierigster Bedingungen gelungen, die Liegenschaft be- und erhalten zu können. Auch der Universitätsrat, beim Pressegespräch vertreten durch seinen Vorsitzenden Dr. Werner Ritter, begrüßt die Schenkung sehr. Angesichts der immer vielfältiger und komplexer werdenden Aufgaben benötige eine Volluniversität wie die Universität Innsbruck vermehrt Drittmittel, um weiterhin Spitzenforschung betreiben und den akademischen Nachwuchs spitzenmäßig ausbilden zu können, so Ritter. „Mäzenatentum spielt dabei eine immer größere Rolle. Deshalb freut es mich sehr, dass das Ehepaar Ott mit dieser Schenkung ein tolles und wichtiges Zeichen setzt. Vielen herzlichen Dank dafür“, sagte der Universitätsratsvorsitzende.

Ungehobene Archiv-Schätze

Sehr erfreut zeigte sich auch Ulrike Tanzer, Vizerektorin für Forschung und Leiterin des Forschungsinstituts Brenner-Archiv: „Für das Brenner-Archiv ist der Nachlass von Rudolf Greinz eine große Bereicherung. Bereits meine Vorgänger Walter Methlagl und Johann Holzner haben sich intensiv darum bemüht, dass diese wertvollen Bestände zu uns kommen“, sagte Tanzer. Der Nachlass von Rudolf Greinz besteht aus einer umfangreichen Sammlung von Werkmanuskripten, einer großen Anzahl an Korrespondenzen, einer weitreichenden Sammlung an Rezeptionszeugnissen und einer nahezu lückenlos erhaltenen Arbeitsbibliothek. „Da der Bestand nur teilweise erschlossen ist, kann das in ihm steckende Forschungspotenzial noch nicht endgültig abgeschätzt werden“, meint Ulrike Tanzer und ergänzt: „Sehr lohnend für zukünftige Forschungsprojekte sind auf jeden Fall die rund 2000 Korrespondenzen mit dem damals in Leipzig beheimateten Staackmann Verlag, dessen Verlagsarchiv im 2. Weltkrieg völlig zerstört wurde. Aber auch die Briefwechsel mit anderen Autoren aus dem In- und Ausland, darunter auch Conrad Ferdinand Meyer oder Peter Rosegger, versprechen bedeutende kulturgeschichtliche Aufschlüsse.“

Greinz im Zeitraffer

Rudolf Heinrich Greinz wurde als erstes von fünf Kindern am 16. August 1866 in Innsbruck geboren. Seine Universitätsstudien und die Absicht, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen, gab er früh auf, weil er an Tuberkulose erkrankte. Zu Kurzwecken übersiedelte Greinz 1887 nach Meran, wo er sich bereits literarisch betätigte. In Meran lernte er auch seine Frau Zoe, eine Großnichte des englischen Staatsmanns Benjamin Disraeli kennen, die er 1899 heiratete. 1905 zog Greinz mit seiner Frau und der einzigen Tochter nach Innsbruck, 1911 nach München, wo er schon seit einiger Zeit Mitarbeiter der Zeitschrift „Jugend“ war. 1936, zwei Jahre nach dem frühen Tod seiner Ehefrau, macht Rudolf Greinz die Villa Rosenegg in Aldrans, die er zunächst nur zur Sommerfrische genutzt hatte, zu seiner Hauptwohn- und Wirkungsstätte. An seinem 76. Geburtstag im Jahr 1942 starb er.
In seinem 1917 erschienenen Roman „Die Stadt am Inn“ und vielen weiteren Werken macht Rudolf Greinz Innsbruck zum Schauplatz. Greinz hatte allerdings über weite Strecken seines Lebens ein zwiespältiges Verhältnis zur Tiroler Hauptstadt und vielen seiner hier wirkenden Kollegen. Er sah sich als Volksschriftsteller. Als solcher war Greinz mit seiner „Heimatkunst“ der Gruppe rund um die Zeitschrift „Brenner“, besonders dessen Herausgeber Ludwig von Ficker, ein Dorn in Auge. Aber auch in der Redaktionsgruppe um die Zeitschrift „Der Föhn“ stieß Greinz schon bald auf die Ablehnung seiner Kollegen. Ungeachtet dessen war er als Schriftsteller äußerst erfolgreich und vor allem auch produktiv: Nahezu jedes Jahr erschien im Leipziger Staackmann-Verlag ein neuer Roman von ihm. Rund 110 Bücher mit Erzählungen, Schnaderhüpferln, Marterln, Stücken und Erzählungen hat Greinz im Zeitraum von 1885-1942 publiziert, im Schnitt also zwei Bücher pro Jahr. Dass Karl Schönherr und Greinz einmal gemeinsam Dramen geschrieben haben, ist nur den wenigsten bekannt, ebenso wie der darauffolgende Plagiatsstreit.

Baudenkmal aus der Biedermeierzeit

Die 1856 durch Leopold Ortlieb in spätbiedermeierlichem Stil errichtete Villa Rosenegg in Aldrans wurde 1926 durch den Schriftsteller Rudolf Greinz erworben und befand sich bis zur Schenkung an die Universität Innsbruck im Besitz seines Nachkommen Georg Ott, der dort das Erbe seines Großvaters betreut und verwaltet. 2004 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. In einer Stellungnahme des Bundesdenkmalamts wird u.a. die architektonische Qualität hervorgehoben, die sich „nicht nur in den ausgewogenen Proportionen des Bauwerks insgesamt zeigt, sondern auch in der aufwändigen Detailgestaltung wie beim Mittelrisalit, der Portalzone und in der gediegenen Ausführung auch im Inneren.“ Die Villa Rosenegg ist in weiten Teilen unverändert geblieben und daher ein wertvolles dokumentarisches Beispiel für die Landsitzentwicklung in Aldrans im 19. Jahrhundert.



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