Trans­langua­ging: Sinn und Un­sinn eines popu­lären Kon­zepts

Professor Peter Auer von der Uni Freiburg hielt im Rahmen des Linguistischen Arbeitskreises der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät einen Vortrag. Gastgeberin Prof. Eva Lavric stellte in ihrer Begrüßung fest, dass Prof. Auer in Innsbruck offensichtlich über einen echten Fan-Klub verfüge, so groß war das Echo unter KollegInnen auf ihr Ansinnen, ihn doch einmal einzuladen.
Peter Auer
Bild: Gastvortragender Peter Auer (Credit: Uni Innsbruck)

Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Auer, der als Germanist und Allgemeiner Linguist in vielen Bereichen der Sprachwissenschaft tätig ist, z.B. auch in der Sozio- und Varietätenlinguistik des Deutschen, findet in Innsbruck vor allem Anschluss über seine grundlegenden Arbeiten zur Mehrsprachigkeit und zur Interaktionsanalyse. In diesem Themenbereich war auch sein Vortrag angesiedelt, der sich mit dem zuletzt stark in Mode gekommenen Begriff des „Translanguaging“ und der dazugehörigen Theorie auseinandersetzte. Diese Forschungsrichtung, die aus dem Bereich der „educational sociolinguistics“ kommt, setzt sich bewusst von der bisherigen Mehrsprachigkeits-Forschung ab, indem sie das Konzept der „Sprache“ als solches in Frage stellt.

Hier setzt Peter Auers Kritik an, der überzeugend darlegte, dass gerade Praktiken wie Codeswitiching und Codemixing die Existenz unterschiedlicher Sprachen voraussetzen, welche als soziale Realitäten von den SprecherInnen konstruiert werden. Der Herausgeber von „Code-switching in conversation“ führte eine Reihe von „Translanguaging“-Beispielen vor, die mit den im Rahmen der traditionellen Mehrsprachigkeits-Forschung entwickelten Begriffen besser und feiner beschrieben werden können als mit dem viele heterogene Dinge umfassenden Modebegriff.

Die sehr angeregte Diskussion ging unter anderem der Frage nach, wieso gerade in schulischen Situationen in Migrationskontexten das Bedürfnis entstehen konnte, einen radikalen Bruch in den Begrifflichkeiten durchzuführen; diskutiert wurden auch spezielle mehrsprachige Praktiken, in denen zwei verschiedene Codes so systematisch und von den SprecherInnen beinahe unbewusst, ohne funktionalen Hintergrund, gemischt werden. Die Existenz solcher habitueller Mischungen stellt aber nicht das Konzept der Sprache an und für sich in Frage, sondern es ergeben sich vielmehr auf diese Weise neue Sprachen, neue Codes, die ihrerseits wieder in Prozesse des bewussten und intentionalen Sprachwechsels einfließen können. 

(Eva Lavric)

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