Reforming the Austrian Matura – 10 years on

Das Institut für Fachdidaktik und die Language Testing Research Group Innsbruck (LTRGI) der Fakultät für LehrerInnenbildung luden am 8. Juni 2018 zu einem Symposium, das zu Ehren von Dr. Carol Spöttl aus Anlass ihres Übertritts in den Ruhestand veranstaltet wurde und insbesondere ihre großen Verdienste um die Reife- und Diplomprüfung (SRDP) in den Fremdsprachenfächern würdigte.
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Bild: Dekan Wolfgang Stadler und Institutsleiterin Barbara Hinger ehren Dr. Carol Spöttl (Mitte). (Credit: Isabella Seeber)

2007 wurde unter der damaligen Bildungsministerin Claudia Schmied der Startschuss zur Reform der neuen Reifeprüfung für die AHS gegeben. Der Universität Innsbruck wurde unter der Leitung von Dr. Spöttl das erste Projekt für die wissenschaftliche Begleitung der Reform übertragen, wobei die Initiative zur Reform von Dr. Spöttl in Kooperation mit schulischen Lehrpersonen und LandesschulinspektorInnen ausgegangen war. Dr. Spöttl leitete die Projekte bis 2013 und konnte so die Reifeprüfung an internationale Standards der Sprachtestforschung heranführen. Im Jahr 2008 setzten Pilotschulen die neue Reifeprüfung erstmals für das Fach Englisch um. In Folge wurde das Vorhaben um weitere schulische Fremdsprachen ergänzt und auf den Schultyp BHS übertragen. 2018 kann nun auf einen zehnjährigen, erfolgreichen Prozess zurückgeblickt werden, der jährlich qualitativ hochwertige, vergleichbare und faire Aufgabenstellungen und Testbedingungen in den modernen Fremdsprachen für alle SchülerInnen Österreichs sicherstellt. Die wissenschaftliche Leistung und das herausragende persönliche Engagement von Dr. Spöttl bei der Verankerung der Reform wurden im Rahmen des Symposiums durch Vorträge internationaler WissenschaftlerInnen, Grußbotschaften von WegbegleiterInnen und das zahlreiche Erscheinen von KollegInnen und Familie gewürdigt.

Durch die Veranstaltung führten Univ.-Prof.in Mag. Dr.in Barbara Hinger, MA, als Institutsleiterin und Dr. Benjamin Kremmel, neuer Leiter von LTRGI. Der Dekan der Fakultät für LehrerInnenbildung, Univ.-Prof. Mag. Dr. Wolfgang Stadler, MA, verlas Grußworte des Rektors und zeichnete in seiner persönlichen Laudatio das Wirken von Dr. Spöttl in ihrer langjährigen Laufbahn an der Universität Innsbruck nach und eröffnete den ZuhörerInnen ein vielschichtiges Bild von ihr. Sektionschef Dipl.-Ing. Mag. Dr. Christian Dorniger nahm in seiner Rede Bezug auf die aktuellen Diskussionen um die Reifeprüfung 2018 und hob dabei die Errungenschaften der Fremdsprachenfächer hervor, denen er eine exzellente Umsetzung bescheinigte. Das hohe Maß an Qualität und Funktionalität, das dieser Teil der Reifeprüfung erreicht habe, sei Vorbild für andere Fächer und insbesondere auf die Bemühungen von Dr. Spöttl zurückzuführen. Per Videobotschaft sprach der ehemalige Direktor des BIFIE, Mag. Josef Lucyshyn, seine fachliche und persönliche Anerkennung gegenüber der Leistung von Dr. Spöttl aus und übermittelte dem Auditorium Einblicke in die Anfangsphase der Reifeprüfungsreform.

Auf die zahlreichen Grußworte aus universitären und bildungswissenschaftlichen Kreisen folgte der Hauptteil des Symposiums mit internationalen ReferentInnen zur Maturareform. Den Anfang machte Dr. Tineke Brunfaut (Lancaster University) mit ihrem Vortrag „Developing language assessment literacy and practices: Learning from the Austrian Matura experience“. Ausgehend von Best-Practice-Prinzipien der Testentwicklung zeigte sie anhand eines vergleichbaren Projekts aus Luxemburg, welchen Einfluss die Erkenntnisse aus dem österreichischen Maturaprojekt auf andere nationale Testentwicklungsprojekte und die Professionalisierung von Lehrpersonen im Sinne der language assessment literacy, respektive Bewertungskompetenz, hatte. Die amtierende Präsidentin der European Association of Language Testing and Assessment (EALTA), Prof. Dr. Claudia Harsch (Universität Bremen), strich die beachtlichen Leistungen von LTRGI hervor und widmete ihre Präsentation „Reforming the Austrian Matura - Legacy and Challenges“ den Schwierigkeiten, die durch die Bezugnahme von Sprachprüfungen auf den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen entstehen können. Prof. Harsch betonte explizit, dass z.B. eine faire und an Schwellenwerten orientierte Testgestaltung in der österreichischen Reifeprüfung für Fremdsprachen besser gelingt als in vergleichbaren Prüfungen anderer Länder. Prof. em. John de Jong (VU University Amsterdam) wandte sich in seinem Vortrag „Digital delivery of large-scale exams – potential challenges for the Austrian Matura“ der Zukunft zu und stellte Möglichkeiten und Herausforderungen einer digitalisierten Abwicklung der Reifeprüfung vor. Die Reihe der Vorträge wurde mit der von LTRGI-Mitgliedern gestalteten Präsentation „From 0 to 10 years and beyond: Accountability, consequences and possible future validation agendas for the SRDP“ abgeschlossen. In ihrer Präsentation zeichnete die Forschungsgruppe den Weg der Reifeprüfungsreform seit ihrer Entstehung nach und skizzierte anhand erster Ergebnisse aus einem laufenden Forschungsprojekt die Bedeutung der Erforschung von Konsequenzen der teilzentralen, standardisierten Reifeprüfung für zukünftige Validierungsvorhaben dieser Prüfung.

Mit Dankesworten von MMag. Dr. Doris Frötscher und Mag. Lucy Bauer, Weg- und Arbeitsgefährtinnen der ersten Stunde des Reformprojekts und nach wie vor aktiv in der SRDP, sowie einem abschließenden Beitrag von Altrektor und Altdekan em. o. Univ.-Prof. Dr. Hans Moser fand das Programm sein Ende. Hans Moser fasste nicht nur die universitären Leistungen von Dr. Spöttl zusammen, sondern hob insbesondere die erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln durch die Reifeprüfungsprojekte hervor, deren Volumen – als einzige an der Fakultät – mit jenen an den naturwissenschaftlichen und technischen Fakultäten mithalten konnte und daher von großer Bedeutung für die von ihm geleitete Fakultät war. Mit den Worten von Lisa Spöttl, Tochter von Dr. Spöttl, überraschte die Veranstaltung gegen Ende mit einer persönlichen Perspektive über die Geehrte. Unter musikalischer Begleitung fand das Symposium zu Ehren von Dr. Spöttl einen würdigen Ausklang, persönliche Glückwünsche wurden während eines großzügigen Buffets überbracht, das auch Anlass zu angeregten Gesprächen bot.

(Veronika Schwarz, Benjamin Kremmel, Barbara Hinger)


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