Maria Ducia-For­schungs­preis 2020 verliehen

Am 5. März 2020 erhielt DIin Lucia Wieger den mit 1.500 Euro dotierten Maria-Ducia-Forschungspreis. Der Preis wurde im Frühjahr 2020 zum 6. Mal verliehen. Gestiftet von der SPÖ Tirol, wurde der Preis von der Nationalratsabgeordneten und Tiroler SPÖ-Frauen-Vorsitzenden Mag.a Selma Yildirim und der Jury-Vorsitzenden Ass.-Prof.in Dr.in Heike Welte überreicht.
Gruppenfoto beim Ducia-Preis 2020.
Bild: Selma Yildirim, Lucia Wieger, Heike Welte, Mathilde Schmitt (von links). (Credit: Stefanie Hofer/SPÖ-Frauen Tirol)

Ins Leben gerufen wurde der Maria-Ducia-Forschungspreis im Jahre 2007. Er soll Nachwuchsforscher_innen bei der Fertigstellung ihrer Arbeit unterstützen und Öffentlichkeit für kritische Geschlechterforschung herstellen. Der Schwerpunkt liegt auf historischen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die aus der Perspektive feministischer und frauenspezifischer Forschung beleuchtet werden. Die Organisation des Preises wurde auch diesmal wieder vom Büro für Gleichstellung und Gender Studies abgewickelt. Besonders unterstützt werden Arbeiten, die eine hohe gesellschaftspolitische Relevanz besitzen. Gesellschaftspolitische Relevanz heißt hier, dass Lebenschancen und -bedingungen von Frauen zentral gesetzt werden – sei es in Hinblick auf Sozialpolitik, die Frage politischer und gesellschaftlicher Partizipation, ökonomische, gesellschaftliche und politische Transformationen oder, wie im Fall der heurigen Preisverleihung auf die Frage des Wohnens und. Eine der wohl brennendsten geschlechter- und sozialpolitischen Fragen der Zeit.

Die Preisträgerin …

Lucia Wieger hat in Wien an der Universität für Bodenkultur Landschaftsplanung und Landschaftspflege studiert und 2010 abgeschlossen, nun studiert sie Gender Studies an der Universität Wien. Wichtiges Anliegen ist es ihr, sich mit Räumen und gesellschaftspolitischen Konsequenzen von Raumgestaltung und -nutzung auseinanderzusetzen. Auch in ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich mit sozialen Bewegungen und dem öffentlichen Raum sowie Praktiken einer emanzipatorischen Raumaneignung und gesellschaftlicher Raumproduktion. Ihr Studium hat Sie mit Auslandsaufenthalten in Manchester und Berlin bereichert und sie setzt das Gelernte auch in die Praxis um, indem sie in einem Büro für Landschaftsplanung und in einem Verein zur Förderung der Stadtbenutzung arbeitet.

… und ihre Arbeit

Das Konzept von Lucia Wieger trägt den Titel „Wie Frauen wohnen: Geschlecht und Emanzipation im kollektiven Wohnbau Heimhof Frauenwohnheim in Wien. Fragmente einer Frauenbewegungsgeschichte“. Damit greift sie zwar ein historisches Thema auf – die Wohnungsfrage aus der Perspektive der radikalen bürgerlichen Frauenbewegung um 1900 –, doch gleichzeitig ist ihre Fragestellung hoch aktuell. Denn im Mittelpunkt stehen kollektive Wohnmodelle für Frauen, die leistbares Wohnen und einen selbstbestimmten Lebensalltag ermöglichen sollen. Die architektonische Gestaltung der Wohnhäuser berücksichtigt die Doppelbelastung von Frauen durch Erwerbsarbeit und unbezahlte Hausarbeit. Es wird aber auch ein öffentlicher Raum für Frauen gestaltet, um die politische Dimension sichtbar zu machen und geschlechtsspezifische Ungleichheiten und Diskriminierung mit diesem neuen Wohnmodell zu bekämpfen.

Die Wahl der Jury fiel auf dieses Konzept, weil es einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte der Frauenbewegung leistet und die historischen Quellen der Frauenbewegung mit dem Wohnbaudiskurs in Beziehung setzt. „Und angesichts dessen, dass auch im 21. Jahrhundert Arbeit und Chancen noch nicht gerecht verteilt sind, ist die Erforschung des emanzipatorischen Potenzials von Architektur, speziell des Wohnens, nach wie vor lohnenswert (nicht nur für die Wissenschaft) und von hoher Aktualität“, so die Jury-Vorsitzende Heike Welte.

(Alexandra Weiss, Büro für Gleichstellung und Gender Studies)

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