Maria Ducia-For­schungs­preis 2018 verliehen

Am 9. April 2018 erhielt Katharina Lux den mit 1.500 Euro dotierten Maria Ducia-Forschungspreis. Nach einer Unterbrechung konnte der Preis 2017 zum 5. Mal ausgeschrieben werden. Den von der SPÖ Tirol gestifteten Preis überreichte NR-Abgeordnete und SPÖ-Frauen-Vorsitzenden Selma Yildirim. Die Organisation des Preises wurde vom Büro für Gleichstellung und Gender Studies abgewickelt.
Gruppenfoto bei der Verleihung des Ducia-Preises im April 2018.
Bild: Alexandra Weiss, Selma Yildirim, Katharina Lux, Heike Welte (von links). (Credit: Julia Hitthaler)

Der Maria Ducia-Forschungspreis verfolgt zwei Ziele: Einerseits dient er dazu NachwuchswissenschafterInnen bei der Fertigstellung ihrer Arbeit zu unterstützen; es werden also noch nicht fertig gestellte Arbeiten bzw. Konzepte ausgezeichnet. Andererseits soll kritische Geschlechterforschung über die Universität hinaus sichtbar gemacht werden. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf historischen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die aus der Perspektive feministischer und frauenspezifischer Forschung beleuchtet werden. Besonders unterstützt werden Arbeiten, die eine hohe gesellschaftspolitische Relevanz besitzen. Gesellschaftspolitische Relevanz heißt auch, dass Lebenschancen und -bedingungen von Frauen zentral gesetzt werden – sei es in Hinblick auf Sozialpolitik, die Frage politischer und gesellschaftlicher Partizipation, ökonomische, gesellschaftliche und politische Transformationen oder in Hinblick auf zivilgesellschaftliche Entwicklungen und soziale Bewegungen.

Die Preisträgerin …

Katharina Lux hat an der Universität Leipzig Philosophie sowie Mittlere und Neuere Geschichte studiert und mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen. Ihr Dissertationsstudium hat sie schon an der Universität Leipzig begonnen. Im Herbst 2017 wechselte sie nach Innsbruck, um hier das Doktoratskolleg „Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in Transformationen: Räume – Relationen – Repräsentationen“ zu absolvieren. Sie weist eine interessante Lehr- und Forschungstätigkeit auf, die ihr Interesse an Wissenschaft und internationalem Austausch, kritischer Auseinandersetzung mit Begrifflichkeiten und Denkmodellen deutlich machen, wie die Jury-Vorsitzende Heike Welte in ihrer Laudatio erwähnte. Darüber hinaus zeichnet sie sich durch ehrenamtliches und außerakademisches Engagement in der Geschlechterthematik aus und sie betont die gesellschaftliche Relevanz von Forschung.

… und ihre Arbeit

Das Konzept von Katharina Lux trägt den Titel „Konflikt und Autonomie. Die Zeitschrift Die schwarze Botin. Ein Beitrag zur feministischen Konfliktgeschichte“. „Die Wahl der Jury fiel auf dieses Konzept, nicht nur, weil es ausgezeichnet begutachtet wurde, sondern weil die Thematik des Konflikts auf eine sehr innovative und gesellschaftskritische Weise aufgegriffen wurde“, so Heike Welte.

Katharina Lux zeigt in ihrer Arbeit, die unterschiedlichen Zugangsweisen zur Geschichte der Zweiten Frauenbewegung, die eine soziale Bewegung ist, die nicht im Singular zu haben sei, wie sie betont. Ein wichtiger Zugang ist insofern jener, der nicht nur die Vielfalt an Themen, sondern auch an Theorien in den Mittelpunkt stellt, aus der sich aber auch Spannungen, Widersprüche, Konflikte und unterschiedliche feministische Kritikentwürfe entwickeln. In diesem Sinn ist die Geschichte der Frauenbewegungen und der Feminismen auch eine Konfliktgeschichte, die im vorliegenden Dissertationsvorhaben nachgezeichnet werden soll.

Mit der Zeitschrift Die schwarze Botin hat sich Frau Lux eine noch kaum bearbeitete Quelle mit außerordentlich interessanten Autorinnen – von der Historikerin Brigitte Classen, der Schriftstellerin und Journalistin Gabriele Goettle, Theoretikerinnen wie Luce Irigaray, Hélène Cixous oder Julia Kristeva bis hin zu den Schriftstellerinnen Elfride Jelinek, Neda Bei, Elfriede Czurda oder Elfriede Gerstl – erschlossen. Interessant ist auch, dass die Zeitschrift von Beginn an einen transnationalen feministischen Diskursraum zwischen Deutschland, Frankreich und Österreich eröffnet.

Die Zeitschrift verstand sich, wie Katharina Lux ausführt, als Teil der autonomen Frauenbewegung und war zugleich eine ihrer schärfsten Kritikerinnen. Begriffe, wie jener der Erfahrung aus den Selbsterfahrungsgruppen der 1970er Jahre, werden von den Autorinnen kritisch aufgegriffen und in der Form, in der sie in diesem Kontext verwendet wurden in Frage gestellt. Darin sind letztlich auch die grundlegenden Fragen, nach den Zielen feministischer Kritik und Perspektiven der Befreiung enthalten.

(Alexandra Weiss, Büro für Gleichstellung und Gender Studies)

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