Jeans

Jeansstoff sagt Gift ade

Bekleidungsmarken setzen verstärkt auf nachhaltige Produkte. Das Unternehmen Acticell, ein Spin-off der Uni Innsbruck, hilft den Herstellern beim umweltfreundlichen Aufhellen von Jeans.

Jährlich gehen weltweit rund 3 Milliarden Jeans über den Ladentisch. Viele davon gebraucht – zumindest was den Look angeht. Der „used Look“ mit den typischen hellen Stellen an Knien, Oberschenkeln oder Gesäß ist „in“. Um die Beinkleider so aussehen zu lassen, als wären sie schon jahrelang getragen worden, treibt die Industrie einen erheblichen Aufwand. Früher wurde der Jeansstoff in den Fabriken mit Sandstrahlern bearbeitet, dann setzen die Jeanshersteller auf chemische Verfahren. Mit Kaliumpermanganat, einem starken Oxidationsmittel, wird der indigoblaue Stoff gebleicht. Während das Sandstrahlen bei den Fabrikarbeitern zu gefährlichen Staublungen führen kann, hinterlässt die chemische Bleiche Schwermetalle im Abwasser.
Am Forschungsinstitut für Textilchemie und Textilphysik der Uni Innsbruck in Dornbirn entwickelten Christian Schimper und Thomas Bechtold eine alternative Methode: mit biologischen Enzymen gelang es ihnen, Jeansstoffe umweltfreundlich aufzuhellen. Das Verfahren wurde patentiert, und zur Weiterentwicklung und Vermarktung wurde das Spin-off Acticell gegründet. Die Universität Innsbruck beteiligte sich über die Uni-Holding an dem Unternehmen, die Geschäftsführung übernahm Christian Schimper. In der Zusammenarbeit mit den Jeansherstellern zeigt sich allerdings, dass das neue Verfahren zwar den Jeansfarbstoff Indigo ablöst, aber nicht den Stoff selbst bleicht. „Um die gängigen Bleicheffekte zu erzielen, war das den Herstellern zu wenig“, erzählt Acticell-Chef Schimper. „Wir haben unser Produkt nun weiterentwickelt und dabei auf einem neuen Verfahren ausgesetzt, das sich in der Industrie gerade durchzusetzen beginnt. 

Laser ersetzt Handarbeit

Die manuelle Herstellung wird zusehends durch Laserautomaten ersetzt. Diese zeichnen die gewünschten Effekte auf den Stoff. Allerdings ist dieses Verfahren sehr zeitaufwändig, die Effekte wirken nicht so natürlich und Materialien wie Stretch können nicht behandelt werden, weil der Stoff zu heiß wird. „Alle großen Herstellen haben heute solche Maschinen im Einsatz“, sagt Schimper. „Rund 10 bis 15 Prozent der Weltproduktion wird bereits gelasert.“ Mit der vorhandenen Maschinenkapazität könnte die halbe weltweite Jahresproduktion auf diese Weise gebleicht werden. Und hier kommt das österreichische Start-up Acticell wieder ins Spiel. Den Textilforschern ist es gelungen, ein Produkt zu entwickeln, das die Nachteile des Laserverfahrens aufhebt: Eine vom Unternehmen patentierte wässrige Lösung wird auf den Stoff aufgesprüht, und der Laser entwickelt das Produkt an jenen Stellen, wo gebleicht werden soll. „Die Produktionsgeschwindigkeit steigt um mindestens 20 Prozent und auch Stretchstoffe können damit behandelt werden, weil weniger Laserintensität benötigt wird.“

Weltweiter Vertrieb

„Damit kann das giftige Kaliumpermanganat-Verfahren kostenneutral ersetzt werden“, zeigt sich Schimper zufrieden. Er kooperiert eng mit einem Entwickler der Lasertechnologie, dem amerikanischen Unternehmen Revolaze, und hat das Verfahren bereits in Fabriken in Mexiko, Indien und China eingeführt. „In der nächsten Runde folgen Firmen in Kolumbien, Peru, der Dominikanischen Republik, Pakistan, Bangladesch, Malaysia, Argentinien und Russland“, erzählt Schimper. „Inzwischen erfüllen wir alle Industriestandards, und Zertifikate bestätigen die giftfreie Produktion.“ Da die Bekleidungsindustrie immer stärker auf solche zertifizierten Produkte setzt, sieht Schimper die Zukunft rosig. Er lässt sein Produkt in Österreich produzieren und verschickt es weltweit. Weitere Unternehmen vertreiben es als Lizenznehmer. „Damit wollen wir die weltweite Verbreitung sicherstellen.“

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