Föhn­tage oder Gior­ni di ven­to? Ein Über­setzungs­pro­jekt

Im Rahmen eines Übersetzungskurses am Institut für Translationswissenschaft (INTRAWI) wurde der Roman „Föhntage“ des Tiroler Autors Bernd Schuchter ins Italienische übersetzt und nun veröffentlicht. Das aufwendige Projekt erstreckte sich über zwei Semester im Jahr 2018 und 2019. Die Präsentation der italienischen Übersetzung fand im Oktober 2020 auf Zoom statt.
Buchumschläge von Föhntage und Giorni di Vento.
Bild: Deutscher und italienischer Buchumschlag: Föhntage/Giorni di Vento von Bernd Schuchter. (Credit: Carla Festi)

„Föhntage“ („Giorni di vento“, edizioni Alphabeta Verlag, Merano 2019) des Tiroler Autors Bernd Schuchter steht paradigmatisch für seine literarische Produktion: Er kombiniert Autobiografisches und Historisches, die große Geschichte und die kleinen individuellen Schicksale.

In der INTRAWI-Übersetzungswerkstatt wurden die 22 Kapitel des Buches in Abschnitte unterteilt, so dass jede Person wöchentlich 300 bis 400 Wörter übersetzen musste. Neun Studierende nahmen teil: Luisa Cerani, Alberto Geat, Christina Hörmann, Fabio Manon, Laura Rebosio, Vera Valduga, Tobias Venzo, Madelaine Vikoler und Fabiana Villotti.

Wie bei Fachtexten bedarf es auch bei der literarischen Übersetzung einer eingehenden Dokumentations- und Recherchephase. Auch Fotos und Besichtigung der im Roman angeführten Schauplätze waren ein Teil des Projekts. Bei zwei Treffen mit dem Autor konnten offene Fragen geklärt und Hintergründe zum Werk in Erfahrung gebracht werden. Alle Studierenden erstellten vor Beginn der Übersetzungsarbeit eine detaillierte Analyse des Romans. Weiters wurden Figurenkonstellationen sowie problematischer Wortschatz analysiert.

Wir tauschten die übersetzten Textabschnitte untereinander zum Korrigieren aus, im Unterricht wurden sie dann besprochen. Gemeinsam wurde diskutiert, interpretiert und nach Lösungen gesucht. Die Übersetzungsteams bestanden aus italienischen und deutschen MuttersprachlerInnen, was sich als großer Vorteil erwies. Das kollektive Übersetzen bringt einen höheren zeitlichen sowie organisatorischen Aufwand mit sich, dafür ergeben sich mehrere unterschiedliche Sichtweisen und kreative Vorschläge, welche eine bestmögliche Übersetzung entstehen lassen. Wir haben unsere Vorschläge mehrmals überarbeitet, problematische Abschnitte zu einem späteren Zeitpunkt neuerlich besprochen. Im Anschluss daran wurde der Text von der Leiterin des Seminars, Mag. Carla Festi, durchgesehen. Letzte Instanz im Revidieren war dann der Verlagslektor.

Besonders lehrreich war die Möglichkeit, im Team die Übersetzungsvorschläge zu analysieren. Ein reger Austausch ermöglichte das Stellen und Beantworten von Fragen – nicht nur lexikalischer Natur. Auch die Aufbereitung einiger Vorschläge für den Titel des Romans und die Gestaltung des Umschlags ergaben sich als spannende Beschäftigung. Im Rahmen eines solchen „echten“ Projekts konnten wir einen realen Einblick in den Prozess des literarischen Übersetzens als Ganzes gewinnen.

Im Oktober 2020 fand die Präsentation der italienischen Übersetzung des Romans „Föhntage“ des Tiroler Autors Bernd Schuchter online statt. Das von der Associazione Culturale Antonio Rosmini in Trento organisierte Gespräch mit dem Autor moderierte die Projektleiterin Carla Festi. Einige Lesepassagen aus der italienischen Übersetzung wurden von den Studierenden vorgetragen. Auch Stellungnahmen zur Übersetzungsarbeit im Kurs wurden berücksichtigt. Für alle Interessierten ist hier der Link zur Präsentation: https://www.associazrosminitrento.it/video-2020/video-ottobre-2020-2/

(Carla Festi, Christine Hörmann, Laura Rebosio)

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