Chemiker erhielt Prof. Ernst-Brandl-Preis

Vergangene Woche wurde im Rathaus Schwaz der Prof. Ernst-Brandl-Preis an den Chemiker Florian Widner verliehen. Er wurde für eine Arbeit aus der organischen Chemie ausgezeichnet, in der die seit langem offene Frage über den selektiven biologischen Vorteil von Kobalt in der Grundstruktur des Vitamins B12 beantwortet wurde.
Der Brandl-Preisträger Florian Widner bei der Verleihung
Bild: Preisträger Florian Widner mit Monika Brandl-Knapp, der Witwe des Stifters, Bezirkshauptmann Michael Brandl, Bürgermeister Hans Lintner und Vizerektorin Sabine Schindler. (Credit: BH Schwaz)

Der Prof. Ernst-Brandl-Preis wird seit 1989 jährlich an herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben. Der diesjährige Preisträger Florian Widner forscht am Institut für Organische Chemie und wurde für eine Publikation in der Fachzeitschrift Angewandte Chemie International Edition ausgezeichnet. Er entwickelte eine effiziente Synthese eines Metallanalogs von Vitamin B12 basierend auf einer Kombination von biologischen und chemischen Synthesemethoden, um das Kobaltatom durch ein anderes Metallion zu ersetzen - mit einem spektakulären Ergebnis: Das verwendete Rhodium passte besser in die B12-Struktur als das für die biologische Funktion des Vitamins essentielle Kobalt. Diese Erkenntnis hat weitreichende Konsequenzen. Bisher war die Wissenschaft davon ausgegangen, dass die B12-Struktur optimal auf die im Coenzym B12 vorkommende Form des Kobalt-Ions angepasst ist. Der B12-Ligand wurde in der Natur offenbar für eine in der biologischen Katalyse wichtige und schwer zugängliche Zwischenstufe selektioniert, deren Reaktivität auf einem effektiv größeren, elektronenreichen Kobalt-Ion beruht. Die Arbeit ermöglicht weitreichende Anwendungen in den Bereichen Chemie des Lebens, Medizin, Mikrobiomforschung und Bioremediation. Vizerektorin Sabine Schindler gratulierte dem Preisträger zu dieser hervorragenden Publikation in einem sehr renommierten Fachjournal. „In diesem Jahr waren es an der Leopold-Franzens-Universität 14 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich für diesen Preis beworben haben“, sagte Schindler. „Es waren hochkarätige Anträge aus den Bereichen Biologie, Chemie, Informatik und den technischen Wissenschaften darunter.“ Begeistert zeigten sich bei der Preisverleihung auch Hans Lintner, Bürgermeister von Schwaz, und Bezirkshauptmann Michael Brandl. Der Prof. Brandl-Preis ist als Anerkennung für besonders innovative, zukunftsorientierte Leistungen gedacht, die dazu beitragen, die Schwierigkeiten unserer Zeit, welche durch die hemmungslose Realisierung allen wissenschaftlichen Fortschrittes entstanden sind, zu bewältigen und eine lebenswerte Zukunft sicherzustellen. Die Stiftung geht zurück auf den 1997 verstorbenen Prof. Ernst Brandl, der im Jahre 1952 gemeinsam mit Dr. Hans Margreiter säurestabiles Penicillin entwickelt hat, was die Verabreichung des Antibiotikums in Form von Tabletten oder Sirup ermöglichte. 

Zum Preisträger

Dr. Florian J. Widner wurde 1981 in Schwaz geboren, maturierte an der HTL-Jenbach, studierte Chemie an der Universität Innsbruck und dissertierte 2014 am Institut für Organische Chemie. Nach Forschungsaufenthalten in England und den USA ist er seit Sommer 2016 wissenschaftlich an der Universität Innsbruck tätig. Er ist an nationalen sowie internationalen Forschungsprojekten beteiligt. Seine für den “Prof. Ernst Brandl Preis“ eingereichte Arbeit wurde bei der weltweit renommierten GRC Konferenz für Tetrapyrrole für einen Vortrag ausgewählt.


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