Archäo­lo­gische Ex­kur­sion nach Tune­sien

Im Rahmen einer zweiwöchigen Exkursion reiste im Oktober eine Gruppe von Innsbrucker Studierenden unter der Leitung von Florian Müller und Birgit Öhlinger vom Institut für Archäologien nach Tunesien und konnte dort in einer interessanten Zeit beeindruckende archäologische Denkmäler und ein faszinierendes Land kennenlernen.
Kapitolstempel der antiken Stadt Sufetula
Bild: Innsbrucker Archäologengruppe vor den Kapitolstempeln der antiken Stadt Sufetula/Sbeitla (Credit: Florian Müller)

Nachdem die bereits für Frühjahr 2020 geplante Exkursion aufgrund der Maßnahmen zur Einschränkung der Covid-19-Pandemie mittlerweile dreimal verschoben werden musste, bot sich im Oktober 2021 ein kurzes Fenster, in welchem es die Sicherheitslage zuließ, ohne Reisebeschränkungen und Quarantänemaßnahmen Tunesien zu bereisen. So machte sich unter Einhaltung aller notwendigen Hygienevorschriften eine Gruppe von 29 vollimmunisierten Personen unter der Leitung von assoz.-Prof. Mag. Dr. Florian Müller und MMag. Dr. Birgit Öhlinger vom Institut für Archäologien in das nordafrikanische Land auf. 

Beeindruckende archäologische Stätten der Römer, Karthager und Berber

Auf den Stufen des nahezu vollständig erhaltenen Kapitolstempels der antiken Stadt Thugga (Credit: Florian Müller)

In 15 Tagen wurde im Zuge einer Rundreise fast das ganze Land erkundet und es so neben den beindruckenden archäologischen und historischen Stätten auch ermöglicht, die landschaftliche Vielseitigkeit und Schönheit Tunesiens kennenzulernen. Beginnend in der Hauptstadt Tunis und den Stätten des Umlandes ging es zunächst bis an die Nordküste des Landes und von dort vom algerischen Grenzgebiet weiter im Landesinneren in den Süden bis zum großen Salzsee Chott el Djerid. Von dort führte die Route nach Süden bis in die Steinwüste bei Tatouine, um dann wieder fast die gesamte Westküste entlang nach Norden zu verlaufen. Bedeutende Ruinenstädte der römischen wie punischen Zeit wie z.B. Karthago, Thugga, Mactaris, Haidra, Sbeitla und Thysdrus, genauso wie beeindruckende Siedlungen und Speicherbauten der Berber sowie Zeugnisse des Islam, wie die große Moschee von Kairouan, konnten dabei besichtigt werden.

Exkursionen stellen zentrale und wichtige Lehrveranstaltungen in der archäologischen Ausbildung dar. Das Erfassen historischer Landschaften und somit des ursprünglichen Lebensraumes gelingt nur durch die Veranschaulichung und das Erleben vor Ort. Zudem dienen Exkursionen durch Besuche von Ausgrabungsstätten, Museen und Sammlungen der Vertiefung der Denkmälerkenntnis und bieten die Möglichkeit Fundgegenstände im Original zu betrachten. Die Studierenden mussten daher ausgewählte archäologische Stätten und Museen eigenständig bearbeiten, um diese dann im Rahmen von selbstständigen Führungen im Verlauf der Exkursion vorstellen zu können.

Reisen in diesen Zeiten …

Die ganze Zeit über fühlten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Land sehr gut aufgenommen und überall willkommen. In zahlreichen Orten wie Sbeitla, Kairouan und Hammamet wurde die Gruppe von den Direktoren der jeweiligen Fremdenverkehrsämter, aber auch von Vertretern der regionalen Denkmalbehörden und Universitäten offiziell persönlich begrüßt und vielfach eingeladen. Interviews und Beiträge in Zeitungen, im Radio und auf diversen Social-Media-Kanälen berichteten laufend über die Reise. Ein Schutz rund um die Uhr wurde durch die tunesischen Sicherheitsbehörden gewährleistet. An den großen und bedeutenden archäologischen Stätten sowie in den Museen waren die Innsbrucker Reisenden oft die einzigen Besucher. Große Hotelanlagen für mehrere hundert Gäste öffneten oftmals nur einen Tag eigens für die Innsbrucker Gruppe. So exklusiv sich die Reise für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer als einzige zu diesem Zeitpunkt in Tunesien verkehrende touristische Rundreisgruppe darstellte, so deutlich ließ sich dadurch aber auch die schwierige und prekäre wirtschaftliche Situation der Einheimischen erkennen. Aufgrund der Covid-19-Pandemie und politischer Umwälzungen gab es über fast eineinhalb Jahre keinen Tourismus und kaum Gäste; Hotelanlagen, Gastronomie und Geschäfte mussten geschlossen bleiben. 

Dank an viele UnterstützerInnen

Im Zuge der 2019 aufgenommen Planungen, aber auch aufgrund der zahlreichen Verschiebungen der Reise entstand in den letzten beiden Jahren ein kleines Netzwerk von Personen, die mit Rat und Informationen, aber auch konkreter praktischer Hilfe und Unterstützung zum guten Gelingen der Exkursion beigetragen haben. Frau Elisabeth Kneissl-Neumayer von Kneissl Touristik übernahm geduldig die zahlreichen Verschiebungen und Planungen der jeweils neuen Reisetermine und war rund um die Uhr für alle Fragen erreichbar. Frau Botschaftsrätin und Konsul Mag. Konstanze Mantsch von der Österreichischen Botschaft in Tunis lieferte laufend Einschätzungen zur jeweiligen Lage vor Ort und den Möglichkeiten einer sicheren Einreise. In Tunis wurde die ganze Reisegruppe von ihr zu einem Empfang mit zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern der Botschaft zu ihr nach Hause eingeladen, was gerade auch für die Studierenden eine eindrucksvolle Erfahrung darstellte. Frau Béatrice Chicanaux vom Tunesischen Fremdenverkehrsamt in Wien kümmerte sich darum, dass mit Erlaubnis der Agence de Mise en Valeur du Patrimoine et de Promotion Culturelle die Gruppe alle archäologischen Stätten und Museen bei freiem Eintritt besuchen konnten. Da gerade Exkursionen für Studieren auch unter dem Aspekt der Kosten betrachtet werden müssen, stellte dies eine große Erleichterung dar. Mit Herrn Anouar Ghoul hatten wir zudem einen fachlich wie menschlich hervorragenden Reiseleiter mit sehr umfangreichen Kenntnissen, mit dem auch die Zusammenarbeit vor Ort immer perfekt funktionierte, der uns alle unsere Wünsche erfüllte und so zu einem perfekten Reiseerlebnis beitrug.

 

Auch für Cineasten wichtige Orte wurden besucht. 😉 (Bild: Florian Müller)

Sensibilisierung für andere Länder, Kulturen, Lebensweisen und Glaubensvorstellungen

Bei archäologischen Exkursionen steht zwar primär die Auseinandersetzung mit archäologischen Befunden und Funden – also Zeugnissen der Vergangenheit – im Vordergrund, aber es werden auch die nachantike Geschichte und Kultur von Land und Leuten, Fragen der Religion bis hin zur Zeitgeschichte behandelt. So bieten Exkursionen im Sinne eines interkulturellen Austausches durch Kontakte mit den Menschen vor Ort vielfältige Anknüpfungspunkte zur Sensibilisierung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer für andere Länder, Kulturen, Lebensweisen und Glaubensvorstellungen. Insbesondere die heurige Reise nach Tunesien ermöglichte vor dem Hintergrund der aktuellen Situation besondere Einblicke, und so konnten alle Studierenden mit vielen positiven Erlebnissen und neu gewonnen Eindrücken eines wunderschönen Landes nach Hause kommen. Zudem konnte gezeigt werden, dass auch in diesen Zeiten mit einer disziplinierten und verantwortungsbewussten Gruppe sicheres Reisen möglich ist.

 (Florian M. Müller, Birgit Öhlinger)

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