Franz Myrbach-Rheinfelden

Franz Myrbach-Rheinfelden (* 1850, † 1919) war von 1893 bis 1915 als Ökonom und Finanzrechtler an der Universität Innsbruck tätig. Der hier veröffentlichte Nachruf auf den Nationalökonomen wurde 1919 von Hermann Schullern-Schrattenhofen verfasst.
Franz Myrbach-Rheinfelden (1850-1919)
Bild: Franz Myrbach-Rheinfelden (1850-1919)

Franz Freiherr Myrbach von Rheinfelden, Hofrat und o. Professor der politischen Ökonomie hat am 11. Februar 1919 sein arbeitsreiches Leben beschlossen, viel schneller als seine Freunde erwartet hatten, obwohl sie schon lange davon unterrichtet waren, dass er ernstlich leidend sei. Mit ihm hat die Universität einen angesehenen Gelehrten und beliebten Lehrer, die Hörerschaft einen eifrigen, tatkräftigen und stets hilfsbereiten Förderer verloren. Eine dankbare und achtungsvolle Erinnerung ist ihm sicher.

Myrbach wurde am 3. Dezember 1850 zu Zalesczyki in Galizien als Sohn eines hohen Verwaltungsbeamten geboren und trat nach Abschluß seiner Studien in den Staatsdienst, in dem er es zunächst zum Finanzrate brachte. In Graz, seinem damaligen Dienstorte, habilitierte er sich für politische Ökonomie, um am 30. März 1893 zum Professor [an der Universität Innsbruck] ernannt zu werden. In dieser Stellung verblieb er, bis er im Jahr 1915 durch Kränklichkeit gezwungen wurde, vorzeitig in den Ruhestand zu treten.

Sein Hauptwerk ist ein „Grundriß des Finanzrechtes“, das in zwei Auflagen erschienen ist und auch im Auslande, insbesondere auch in Frankreich lebhaften Anklang und reiche Anerkennung gefunden hat. Es behandelt den schwierigen und überaus komplizierten Gegenstand in einer eigenartigen und erfolgreichen Systematik, nach allen Seiten erschöpfend und überall tief das Wesen der Sache erfassend, so dass man wohl mit Recht sagen kann, dass das Finanzrecht des alten Regierungssystems nirgends wissenschaftlicher und eindringlicher behandelt worden ist, als in diesem Werke.

Treffliche Schriften waren auch seine finanzwissenschaftliche Erstlingsarbeit: „Die Übertretung der Zinsverheimlichung nach österreichischem Gesetze“ (1881 und 1891) und das Buch: „Besteuerung der Gebäude und Wohnungen in Österreich“ (1886).

Wenn auch Finanzwissenschaft und Finanzrecht Myrbachs hauptsächlichste Arbeitsgebiete waren, so hat er sich doch auch auf anderen Gebieten mit Glück versucht. Seine Studien über die politische Verwaltung in Österreich“ (1876) verdienen reichlich ihren Platz in der Literatur, die Arbeiten über den „Fremdenverkehr in Österreichs Alpenländern“ (1876) und „über die Notwendigkeit einer Ausgestaltung der westlichen Staatsbahnlinie“ (1908), die Schrift „Der gemeinwirtschaftliche Betrieb elektrischer Anstalten“ (1886) seien hier anerkennend erwähnt.

Eine seiner letzten Schriften „Über Teuerung“ (1908) behandelt ein Thema, das seit jener Zeit leider immer noch an Tatsächlichkeit gewonnen hat. Die Arbeit bietet wertvolle Einblicke in das Wesen des Phänomens. Es seien endlich aus der reichen Fülle kleinerer Arbeiten noch genannt die Abhandlungen über „Die Molkereigenossenschaften in Österreich und ihre Besteuerung“ (1894), worin sein Sondergebiet berührt wird, und der hübsche Aufsatz „Die Entwicklung der Wirtschaftssysteme“ (1900). Myrbach hat, wie das obige ergibt, fleißig geforscht und gearbeitet und Wertvolles der Nachwelt hinterlassen.

(ip)

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