Symbolbild: Tor der Fakultät

Vorwort

Papst Leo und der Friede

 

Wilhelm Guggenberger

Nachdem an unterschiedlicher Stelle schon einiges von Personen aus unserer Fakultät zur Enzyklika Magnifica humanitas von Papst Leo gesagt wurde, erlaube ich mir hier nochmals jenes Thema aufzugreifen, das durch den primären Fokus auf KI vielleicht etwas an den Rand gedrängt wurde: Frieden.

Am Ende eines Semesters, in dem die weltpolitische Begleitmusik unserer akademischen Arbeit von der fortlaufenden Missachtung und Aushöhlung des Völkerrechts geprägt war – nicht nur durch die üblich verdächtigen diktatorischen Regime – darf die Parteinahme Papst Leos für den Multilateralismus wohl auch an einer theologischen Fakultät als besonders bedeutsam hervorgehoben werden.

Der Friede, so schreibt der Papst, ist nicht nur „ein Thema unter vielen, sondern eine Voraussetzung für das globale Gemeinwohl und ein Prüfstein für die moralische Reife der Völker, insbesondere derjenigen, die Regierungsverantwortung tragen“. (MH 182)

Dem mag man zustimmen und sich dennoch denken, damit weder als privates Individuum noch als wissenschaftlich tätiger Mensch angesprochen zu sein, trägt man doch in beiden Rollen keine Regierungsverantwortung. Die Enzyklika spricht jedoch auch von einer „geistigen und kulturellen Blindheit“ (MH 204) der gesamten Gesellschaft, in der Krieg zunehmend als Normalzustand wahrgenommen wird und ein falscher Realismus die Vorherrschaft der Stärke betont. So durchdringt die Gesellschaft eine „Kultur der Macht“ (MH 188). Was ein derartiges Klima betrifft, sind wir alle in die Verantwortung gerufen, als christliche Philosoph:innen und Theolog:innen wohl in besonderer Weise. Denn sowohl als gläubige Menschen als auch als Wissenschaftler:innen haben wir die „Stimme zu erheben, wenn die Würde der Brüder und Schwestern entstellt wird, wenn die Politik den Dramen der Menschheit nicht gerecht wird, wenn sich die Wirtschaft gegen den Menschen wendet oder die Wissenschaft die Grenzen ihrer Methode überschreitet“. (MH 27)

Stellen wir uns dieser Herausforderung auf einer jedem Fach angemessenen Weise, so kommen wir Schritt für Schritt dem Selbstanspruch näher, der auf der Homepage der Katholisch-Theologischen Fakultät formuliert wurde: „Wir reflektieren die großen Fragen des Lebens: Gott und Welt, Leben und Tod, Schöpfung und Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, Frieden und Freiheit, Dialog und Wahrheit. Wir gestalten aktuelle wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurse. Wir lernen aus der Geschichte und denken für die Zukunft. Wir betreiben lebensrelevante Theologie und Philosophie.“

Ich hoffe sagen zu können, dass wir uns im zurückliegenden Studienjahr redlich darum bemüht haben und dies auch im kommenden wieder tun werden, zu dessen Auftakt wir alle Interessierten wieder zu den Innsbrucker Theologischen Sommertagen einladen. Bis dorthin darf ich im Namen der gesamten Fakultät einen guten, hoffentlich friedvollen Sommer wünschen.

Wilhelm Guggenberger, Dekan

 

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