drei Personen um einen Tisch herum

Rückblick

Aquinas Lecture 2026 // Exkur­sion zum Bren­ner­ba­si­stunnel // Sympo­sium in Rom // Theo­logie im Gespräch 2026 // Veran­stal­tungs­reihe zu Politik und Reli­gion // Auss­tel­lung „Nicht in Stein gemeißelt“ // Fest­ver­an­stal­tung „Ressource Interreligiösität“ // Work­shop „Körper im öffent­li­chen Raum“ // Master­stu­dium Kirchen­recht // Work­shop zu Vertrauen und KI // 2. Josef-Jung­mann-Lecture // Seminar in Passau // Tagung „Religion und Staat“ // Antritts­vor­le­sung Burke

Aquinas Lecture 2026 und Tagung „Demokratie in der Krise?“

ein gut besetzter Hörsaal

Vom 26. bis 28. Februar 2026 fand die Fachtagung „Die Zukunft der Demokratie – Philosophische und theologische Perspektiven“ statt. Sie wurde von der Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Philosophinnen und Philosophen an katholisch-theologischen Fakultäten in Kooperation mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen organisiert. Im Zentrum der Tagung stand die Beobachtung, dass demokratische Systeme weltweit zunehmend unter Druck geraten. Ziel der Tagung war es, aus philosophischer und theologischer Perspektive über grundlegende Fragen der Demokratie und ihre zukünftige Entwicklung zu diskutieren.

Den Auftakt der Veranstaltung bildete am 26. Februar 2026 eine öffentliche Vorlesung im Rahmen der jährlichen Aquinas Lecture. Der Philosoph Christian List von der Ludwig-Maximilians-Universität München hielt den Vortrag mit dem Titel „The Will of the People Revisited“. In seinem Beitrag beschäftigte er sich mit der Frage, welche Rolle kollektive Entscheidungsprozesse für demokratische Systeme spielen und warum die Annahme eines „Volkswillens“ demokratietheoretische Probleme aufwirft. Am 27. und 28. Februar 2026 fand die Tagung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen ihre Fortsetzung. In mehreren Vorträgen wurden unterschiedliche Aspekte der demokratischen Ordnung aus politischer, philosophischer und theologischer Perspektive beleuchtet.

Insgesamt zeigte die Tagung, dass die Zukunft der Demokratie nicht nur eine politikwissenschaftliche Frage ist, sondern auch grundlegende philosophische, theologische und ethische Überlegungen erfordert. Durch die Verbindung verschiedener wissenschaftlicher Perspektiven wurde deutlich, dass demokratische Systeme sowohl institutionelle Stabilität als auch eine reflektierte öffentliche Kultur benötigen, um den Herausforderungen der Gegenwart erfolgreich begegnen zu können.

(Josef Quitterer)

Seelsorge auf der Baustelle: Interdisziplinäre Lehrveranstaltung direkt am Brennerbasistunnel

zwei Personen gehen in einen Tunnel

Der Brennerbasistunnel: rund 55 km lang, eine geplante Bauzeit von 24 Jahren und mehr als 1000 Angestellte. Doch wer kümmert sich um die Mineure, Schichtleiter:innen und Ingenieur:innen? Wie gelingt ein gutes Miteinander auf teils sehr engem Raum?

Mit diesen Fragen nahmen zwei Studierende unserer Fakultät in der Karwoche an der interdisziplinären Lehrveranstaltung „Der Mensch im Tunnelbau. Nicht ohne soziales Miteinander“ teil. Organisiert wurde diese von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz in Kooperation mit der Montanuniversität Leoben. Begleitet wurden die Studierenden der Theologie und des Tunnelbau-Ingenieurwesens von Betriebsseelsorger Peter Meile. Sie konnten durch Austauschtreffen untereinander sowie mit Geschäftsführung, Auftraggebenden und Bauaufsicht einen vielschichtigen Eindruck vom Leben und Arbeiten auf der Großbaustelle gewinnen.

Ein besonderes Highlight war die vierstündige Tunneleinfahrt. Dabei erfuhren wir Theologiestudierende durch Gespräche mit den Tunnelbaustudierenden nicht nur viel über die Struktur des Tunnels, sondern konnten auch Peter, den Betriebsseelsorger, bei seiner Arbeit hautnah erleben.

Für alle Beteiligten wurde deutlich, wie wichtig Betriebsseelsorge ist. So sprach auch der Auftraggeber des Tunnelprojektes am Ende des Austausches von der Notwendigkeit von Seelsorge auf einer Großbaustelle. Seitens der Montanuniversität Leoben wurden zudem erste Überlegungen geäußert, das Thema künftig in das Studiencurriculum aufzunehmen, und auch uns Theologiestudierenden wurde deutlich, dass Pastoral nahe an den Lebens- und Arbeitswelten der Menschen sein muss. Weiterführende Vorbereitung und Qualifikation wäre sinnvoll!

(Sabine Mieke Schönekäs)

Symposium zur Vermögensverwaltung in der römisch-katholischen Kirche

ein Hörsaal während einer Tagung

Unter dem Titel „Kirche als Gesellschafter und Investor – kirchenrechtliche Fragen zu Unternehmensbeteiligungen und Wertpapiertransaktionen“ veranstaltete die Diözese Innsbruck in Kooperation mit dem Fachbereich Kirchenrecht der Universität Innsbruck das IV. Symposium zur Vermögensverwaltung in der römisch-katholischen Kirche (23.–24. April 2026). Tagungsort war das Pontificio Ateneo Sant´Anselmo in Rom. Nach der inhaltlichen Hinführung durch Rainer Kirchmair (Diözesanökonom Diözese Innsbruck) und der Begrüßung durch Magdalena Bernhard (Kanzlerin Diözese Innsbruck) und Sabine Konrad führte Wilhelm Rees mit einer Zusammenfassung der letzten Tagungen ein.

In den Fachvorträgen wurden die Kapitalanlagen hinsichtlich vermögensrechtlicher Fragestellungen (Rainer Kirchmair), die praktische Umsetzung bestehender Finanzrichtlinien (Reinhard Friesenbichler), Veranlagungen im kirchlichen Recht (Andreas Kowatsch) sowie Unternehmensbeteiligungen und Vermögensfragen mit Blick auf die Benediktinischen Kongregationen (Laurentius Eschlböck) vertieft. Ergänzend wurden Best-Practice-Beispiele im Veranlagungsbereich (Klaus Gabriel, Geld & Ethik) vorgestellt, die vermögensrechtlichen Regelungen der ÖBK, der DBK und des Partikularrechts (Magdalena Bernhard) und die kirchliche Vermögensverwaltung anhand des Generaldekrets der DBK von 2023 (außerordentliche Vermögensverwaltung) diskutiert (Noach Heckel). Die Panels unter der Moderation von Marlies Hofer-Perktold widmeten sich der Umsetzung katholischer Vermögensvorgaben in der klassischen Kapitalanlage.

Gefördert wurde die Veranstaltung großzügig durch die BIB – BANK IM BISTUM ESSEN und Lupus Alpha Asset Management AG. Eine besondere Ehre stellte der Empfang in der Österreichischen Botschaft beim Heiligen Stuhl durch Botschafter Marcus Bergmann dar.

Die 42 Teilnehmenden aus Kirchenrecht, kirchlicher Vermögensverwaltung und Finanzwesen nutzten das Symposium zum fachlichen Austausch zu einem höchstaktuellen Thema. Die Ergebnisse werden in einem Tagungsband veröffentlicht.

(Sabine Konrad)

Theologie im Gespräch 2026: Ein Bild von Gott – verhüllte und entborgene Transzendenz im Barock

Ein Mann deutet in einer Kirche nach oben

Verhüllte und entborgene Transzendenz stand in diesem Jahr im Zentrum der Veranstaltung in der Reihe „Theologie im Gespräch“, die am 28. April 2026 in und um die Katholisch-Theologische Fakultät stattfand. Das besondere, aktivierende Format des Nachmittags wurde durch die gute Zusammenarbeit mit den Tiroler Landesmuseen, insbesondere mit den Kunstvermittlerinnen Katharina Walter und Laura Manfredi, möglich. Nach einführenden Überlegungen durch Christoph Jäger, der Werke der bildenden Kunst als ästhetisch gelungene Repräsentation eines bedeutsamen Gehaltes bezeichnete, und durch Diözesankonservator Stefan Schöch, der daran erinnerte, dass das Konzil von Trient nach der Auseinandersetzung um den Bildersturm der Reformation die Grundlage dafür geschaffen hatte, sich mit der Bedeutung der Kunst für die Theologie und das Glaubensleben neu auseinanderzusetzen, hatten die über 60 Teilnehmer:innen die Gelegenheit, selbst intensiv mit barocker Kunst in Interaktion zu treten. Gerade das Barock spielt immer wieder mit der Verhüllung von Motiven durch faltenreiche Kleider und Vorhänge. Was vordergründig dem Blick entzogen wird, kann so seine Bedeutung aber oft tiefer entfalten. Im Kirchenbau können Architektur, Plastiken und Bilder so letztlich zum eigentlichen Bild Gottes hinführen, zum Licht, in dem alles andere erst gesehen und verstanden werden kann, wie Roman Siebenrock in der Jesuitenkirche ausführte. Ein Parcours, der von Claire Geyer perfekt geplant und vorbereitet worden war, führte zur Ausstellung „Weltentfaltung“ im Innsbrucker Stadtmuseum, in die Spitalskirche mit ihrer Neuinterpretation eines barocken Gitterwerks durch Peter Kogler, in die Hofkirche, wo Sakramentsmotetten des 17. Jahrhunderts zum Vortrag kamen und in die Jesuitenkirche. Die Stationen boten nicht nur die Möglichkeit, anhand konkreter Werke die Bedeutung von Kunst für religiöse Erfahrung und Praxis zu reflektieren, sondern auch darüber nachzudenken, in welcher Weise Erkenntnis durch Kunstwerke stattfindet und so die philosophische und theologische Auseinandersetzung mit dem Transzendenten ergänzt. Künstlerischer und intellektueller Arbeit gemeinsam ist, dass sie sich der Wahrheit nur anzunähern vermögen und die Medien, derer man sich dabei bedient, das Gemeinte zugleich offenbaren und verhüllen.

Ein besonderer Dank für den gelungenen Nachmittag gilt den Mitarbeiter:innen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum: Ralf Bormann, Leiter der graphischen Sammlung, Franz Gratl, Leiter der Musiksammlung, und Delia Scheffer, Leiterin der Kunstgeschichtlichen Sammlung.

(Wilhelm Guggenberger)

Politik und Religion in herausfordernden Zeiten: Veranstaltungsserie zur Zukunft politischer Theologie

drei Personen bei einer Podiumsdiskussion

Global verbreiten sich demokratiefeindliche Strömungen, die unter Anrufung des „Christlichen“ eine neue Ordnung durchsetzen wollen, dezidiert auch mit Gewalt. Evangelikale, orthodoxe und katholische Akteure arbeiten zusammen an globalen antidemokratischen Netzwerken. Aber auch jüdische, muslimische und hinduistische Ideologien arbeiten gegen Demokratie, Menschenrechte und moralischen Universalismus. Im Angesicht dieser Herausforderungen organisierte Michaela Quast-Neulinger eine Serie von Veranstaltungen im Sommersemester 2026.

Am 29. April 2026 sprach Luke Bretherton (Oxford) über sein Konzept von politischer Theologie als Zeugnis. Beim RGKW-Forschungsgespräch am 30. April 2026 zeigte sich deutlich, dass Theologie aktiver im öffentlichen Diskurs als Theologie sichtbar werden muss.

In Zusammenarbeit mit dem Journalismusfest organisierte Quast-Neulinger am 9. Mai 2026 im Haus der Begegnung das Panel „Religiöse Rechte greifen nach der Politik in den USA und in Europa“. Unter Moderation von Georg Löwisch (Die Zeit) diskutierte sie vor über 200 Gästen mit Katharina Limacher (Universität Wien) und Gionathan Lo Mascolo (Berlin, Faith in Democracy) die ideologischen Grundlagen dieser Netzwerke und die österreichischen Spezifika.

Am 28./29. Mai 2026 sprach Jonathan Chaplin (Cambridge) über den „Common Good Constitutionalism” des katholischen Harvard-Juristen Adrian Vermeule. Chaplin zeigte, dass dessen neointegralistischer Entwurf weder katholisch noch demokratisch ist, aber dennoch einflussreich und durch die enge Bekanntschaft Vermeules mit P. Waldstein in Österreich seine Wurzeln hat. Chaplin plädierte u. a. für eine Rückbesinnung auf das christlich-demokratische Erbe unter neuen Vorzeichen, um den demokratiefeindlichen, extremistischen Bewegungen wie einer sinnentleerten Politik entgegentreten zu können.

(Michaela Quast-Neulinger)

Ausstellung: Nicht in Stein gemeißelt

Kunstwerk mit hängenden Betonkugeln

Unter diesem Motto stand die Ausstellung des Kreativzweiges der Mittelschule Ilse-Brüll-Gasse, die in der Katholisch-Theologischen Fakultät von 4. Mai bis 1. Juni 2026 zu sehen war. Die Schüler:innen aller vier Schulstufen setzten sich dabei unter Begleitung ihrer engagierten Lehrpersonen mit der Frage von Beständigkeit und Vergänglichkeit auseinander, mit dem, was Halt gibt, aber auch festlegt, und dem, was unverlässlich erscheint, dadurch aber auch gestaltet werden kann. Bruno Niederbacher war im Vorfeld der Ausstellung in die inhaltliche Auseinandersetzung einer größeren Schüler:innengruppe mit dem Thema involviert und lieferte dabei sicherlich den einen oder anderen Denkanstoß, der dann in den gezeigten Bildern und Objekten zum Ausdruck gebracht wurde. Die gezeigten Werke reichten von Zeichnungen, die das klassische Vanitas-Motiv aufgriffen, bis hin zum sandgefüllten Becken, in dem sich eine Steinplatte verbirgt. Dieses Objekt wurde von dem deutenden Zitat begleitet: „Unter meinen Füßen der feine, warme Sand – einst Stein: So viel Zeit hat Gott für das Harte.“ (Wohl in Anlehnung an Siegfried Macht.)

Der Titel jenes Objektes, das das Bild über diesem Text zeigt, trug den Titel „Stein des Anstoßes“. Der einzelne Impuls, der am Anfang steht, kann am Ende zur tief eingegrabenen Überzeugung in den Köpfen von Menschen werden, weitergetragen durch scheinbar neutrale Medien; eine Kraftübertragung, mit der wir gerade in Zeiten von Social-Media permanent ringen. Ähnliche Fein- und Tiefsinnigkeit kennzeichnete alle gezeigten, von jungen Menschen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren ausgeführten Arbeiten. Die Anschlussfähigkeit dieser Ausstellung an jene Themen, die wir als Wissenschaftler:innen in Philosophie und Theologie bearbeiten, war überaus erstaunlich. Ich bedanke mich im Namen der gesamten Fakultät nochmals bei allen Beteiligten der Mittelschule Ilse-Brüll-Gasse dafür, dass sie diese Ausstellung in unseren Räumlichkeiten präsentiert haben.

(Wilhelm Guggenberger)

Ressource Interreligiosität? Eine Spurensuche anlässlich der runden Geburtstage von Martina Kraml und Matthias Scharer

Gruppenfoto mit acht Personen

Mit einer akademischen Feier würdigten die Fachbereiche der Katholischen und Islamischen Religionspädagogik unter der Leitung von Karin Peter, Mehmet Tuna, Azemina Mašetic und Maria Juen das prägende Wirken der ehemaligen Professor:innen für Katholische Religionspädagogik Martina Kraml (70) und Matthias Scharer (80), die in diesem Semester runde Geburtstage feiern.

Nach den Grußworten durch den Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Wilhelm Guggenberger, dankte Professor Zekirija Sejdini (Universität Wien) in seiner Laudatio den beiden Jubilar:innen für das große Engagement beim Aufbau der Islamischen Religionspädagogik in Innsbruck.

Im anschließenden Festvortrag widmete sich die islamische Theologin Hamideh Mohagheghi (Hannover) dem Thema „Vielfalt denken, Differenz würdigen: Interreligiöse Lernprozesse als Beitrag zu einer pluralitätsfähigen Gesellschaft“. Gerade angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen brauche es „Formen des Lernens, die Menschlichkeit, Mitgefühl und solidarisches Handeln nicht nur thematisieren, sondern praktisch einüben.“ Interreligiöse Bildung gehöre daher „zum Kernauftrag einer zukunftsfähigen Bildung“ und stelle damit eine wesentliche Säule der Demokratie dar. Interreligiöse Lernprozesse leben von Begegnungen, der Wahrnehmung von Unterschieden, Empathie und der Gastfreundschaft für die mögliche Wahrheit der/des anderen. Interreligiöse Bildung brauche nicht nur engagierte Einzelpersonen, sondern eine strukturelle Verankerung an Schulen und Universitäten. Auch in dieser Hinsicht waren Matthias Scharer und Martina Kraml „Vorreiter:innen“. Die in Innsbruck etablierten interreligiösen kooperativen Seminare ermöglichen den Studierenden tiefgreifende persönliche Lernprozesse und „eröffnen damit ein großes Potential, Interreligiosität wertschätzend in ihren zukünftigen Wirkungsraum Schule einzubringen“, betonte Mohagheghi. Den Abschluss der offiziellen Feierstunde bildete eine Gesprächsrunde zu den Vortragsthesen mit der Festrednerin und den beiden Geehrten.

Im Anschluss war zum Ausklang dieses inhalts- und begegnungsreichen Abends für die zahlreich erschienenen Gäste aus Nah und Fern noch ausgiebig Gelegenheit, die beiden Jubilar:innen hochleben zu lassen.

Von Herzen Danke für alles Engagement an der Fakultät und alles Gute für alles Kommende!

(Maria Juen und Karin Peter)

Workshoptag „Körper im öffentlichen Raum“

Gruppenfoto mit vier Personen

Am 8. Mai 2026 veranstaltete unsere Mitte April verabschiedete Kollegin Carolin Hohmann gemeinsam mit Sarah Delling von der Universität Siegen und unserem Praedoc-Mitarbeiter Johannes Härting einen Workshoptag zum Thema „Körper im öffentlichen Raum. Theologische Fokussierungen“. Ziel der Veranstaltung war es, dezidiert Nachwuchsforscher:innen aus Religionspädagogik und weiteren theologischen Fächern an einen Tisch zu holen und in einem Think Tank gemeinsam ins Gespräch zu kommen.

Der von den drei Jungwissenschaftler:innen organisierte Tag war zweigeteilt: Während am Vormittag nach einem inhaltlichen Problemaufriss drei Workshops in Präsenz angeboten wurden, öffnete man nach der Mittagspause bewusst den Raum, um im hybriden Modus weitere im Themenfeld forschende Nachwuchswissenschaftler:innen aus Deutschland, Polen und Österreich virtuell in Innsbruck begrüßen zu dürfen. Durch diese Möglichkeit ergaben sich unterschiedliche Austauschformate und Konstellationen, die neben einer Vorstellung aktueller körperbezogener Forschungsprojekte auch Vernetzungsmöglichkeiten boten. Unter anderem wurden an dem Workshoptag körperliche bzw. körperbezogene Darstellungen in virtuellen und analogen Settings (Memes) thematisiert, Chancen, Herausforderungen und Grenzen von Trans*-Personen im öffentlichen Raum beleuchtet und anhand eines Vergleichs von Körperdarstellungen in Kinderzeichentrickserien die intersektionale Kategorie Körper angefragt.

(Johannes Härting)

Studierende des Kirchenrechts in Innsbruck

Foto einer Ausgabe des Codex Iuris Canonici

Am 8. und 9. Mai 2026 fand am Fachbereich Kirchenrecht die 7. Präsenzphase des „Masterstudiums Vergleichendes Kanonisches Recht“ statt. Das Studium ist berufsbegleitend möglich und verteilt sich auf acht Präsenzphasen innerhalb von zwei Jahren. Die 15 Studierenden hörten in Innsbruck Vorlesungen zum Recht der katholischen Kirche (Kanonisationsverfahren und Religionen im deutschen, österreichischen und schweizerischen Religionsrecht; Stefan Mückl, Rom), sowie zum evangelischen Kirchenrecht (Einführung in das Recht der Kirchen der Reformation [AT] bei Eva Lahnsteiner aus Wien; sowie Einführung in das Recht der Kirchen der Reformation II [DE] bei Heinrich de Wall aus Erlangen). Außerdem absolvierten sie eine Übung zum kirchlichen Sanktionsrecht (Wilhelm Rees) und zwei Prüfungen. Das Studium wird getragen durch die Europäische Gesellschaft für Kirchenrecht in Österreich und geleitet von Gabriela Eisenring (Lugano), Sabine Konrad (Innsbruck) und Andreas Graßmann (Linz). Weitere Informationen finden sich hier: Masterstudium Kirchenrecht.

Können wir Künstlicher Intelligenz vertrauen?

Gruppenfoto mit sieben Personen

Die internationale Konferenz „Trust in the Age of AI“, die am Institut für Christliche Philosophie der Universität Innsbruck stattfand, widmete sich aktuellen philosophischen und gesellschaftlichen Fragen rund um Vertrauen in Künstliche Intelligenz. Forschende aus der Philosophie und der empirischen Wissenschaft diskutierten dabei die Bedingungen vertrauenswürdiger KI sowie die Auswirkungen KI-gestützter Technologien auf Wissen, Autonomie und soziale Praktiken.

Die Vorträge behandelten unter anderem die formale Überprüfbarkeit von Vertrauenswürdigkeit und Fairness in KI-Systemen (Giuseppe Primiero), die Dynamik von Vertrauen und Misstrauen in digitalen Informationsumgebungen (Katherine Dormandy) sowie die Auswirkungen personalisierter KI-Assistenten auf menschliche Autonomie (Eleonora Catena). Weitere Beiträge widmeten sich Fragen moralischer Kognition in Mensch-KI-Interaktionen, dem Einfluss von Transparenz auf das Vertrauen in KI-generierte Inhalte sowie den Grenzen algorithmischer Klassifikationen. Den Abschluss bildete ein Vortrag von Matteo Baggio und Federica I. Malfatti zur Frage, ob KI-Systemen Verständnis zugeschrieben werden kann. Die Konferenz machte deutlich, dass Vertrauen in KI nicht nur eine technische, sondern vor allem auch eine philosophische und gesellschaftliche Herausforderung darstellt.

(Federica Malfatti)

Zweite Josef-Jungmann-Lecture

ein Mann beim Vortrag

Am Dienstag, 12. Mai 2026, fand die Zweite Josef-Jungmann-Lecture statt, die in Würdigung von Josef Andreas Jungmann SJ (1889–1975), einem der bedeutendsten Professoren in der Geschichte unserer Fakultät, einen besonderen Fokus auf die Liturgiewissenschaft richtet.

Als Referent war Alexander Zerfaß von der Universität Salzburg zu Gast. Unter dem Titel „Aller guten Dinge sind drei?“ sprach er über Kriterien und Herausforderungen der Liturgiesprache bei der laufenden Messbuch-Revision. Der Vortrag behandelte den derzeitigen dritten Anlauf zur Erarbeitung einer neuen Ausgabe des Messbuchs für die römisch-katholische Eucharistiefeier in deutscher Sprache, stellte die Vorgeschichte der kirchlichen Vorgaben für die Übersetzungsarbeit vor und präsentierte Herausforderungen bei der Übertragung von Gebetstexten aus dem Lateinischen ins Deutsche anhand konkreter Beispiele. – Im Anschluss an den Vortrag gab es nicht nur einen lebhaften Austausch im Plenum, sondern auch einen kleinen Empfang.

Die Veröffentlichung des Vortragsmitschnitts auf dem YouTube-Kanal unserer Universität ist in Vorbereitung.

Im Oktober 2026 soll auch die Online-Edition des Konzilstagebuchs Josef Andreas Jungmanns SJ der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Das Konzilstagebuch wird vom Forschungsinstitut Brenner-Archiv aufbereitet. Sowohl die Leiterin des Brenner-Archivs, Ulrike Tanzer, als auch unser früherer Mitarbeiter Rudolf Pacik, der für die Edition wesentlich verantwortlich ist, konnten bei der Jungmann-Lecture begrüßt werden.

(Liborius Lumma)

Internationales Doktorand:innenseminar von Moraltheologie & Sozialethik in Passau

ein Konferenzraum mit Dissertanten

Eine stattliche Gruppe von zehn Mitgliedern der Fakultät fuhr vom 15. bis 16. Mai 2026 zu einem internationalen Doktorand:innenseminar nach Passau (Bayern), wo sich ca. zwanzig Wissenschaftler:innen der Universitäten von Passau und Innsbruck sowie der Pontificia Università Gregoriana in Rom versammelten. Nach zwei Grundlagenreferaten gab die Tagung den Doktorand:innen die Möglichkeit, ihre Forschungsprojekte einer internationalen Hörerschaft vorzustellen und mit dieser zu diskutieren. Die vorgetragenen Themen reichten von Fragen einer afrikanischen Rezeption von Gaudium et Spes und Amoris Laetitia bis hin zur integralen Ökologie und sozialethischen Themen von Sorge, Anerkennung und Resonanz. Als zentrale Grundfrage wurde immer wieder diskutiert, wie sich christliche Ethik in einer pluralistischen Gesellschaft entwickeln und positionieren kann. Die Teilnehmer:innen kamen aus Indien, Burundi, Nigeria, Elfenbeinküste, Ghana, Frankreich, Malta, Italien, Österreich und Deutschland. Die Innsbrucker Gruppe besuchte auf dem Rückweg auch das Museum „Jägerstätter Haus“ in St. Radegund, das das beeindruckende Glaubenszeugnis des sel. Franz Jägerstätter präsentiert, der als Kriegsdienstverweigerer von den Nazis zum Tod verurteilt und am 9. August 1943 hingerichtet wurde. Das internationale Doktorand:innenseminar findet nunmehr seit drei Jahren jährlich in einer anderen Universitätsstadt statt. Im Jahr 2027 wird das Seminar – wie bereits 2025 – wieder an der Universität Innsbruck zu Gast sein. Organisatoren des Treffens sind die Professoren Bernhard Bleyer (Passau), René Micallef SJ (Rom), Wilhelm Guggenberger und Stefan Hofmann SJ (Innsbruck).

(Stefan Hofmann SJ)

Religion und Staat im Brennpunkt: „Kirchen- und Religionsgemeinschaften im Dialog. Miteinander – mit Staat und Gesellschaft – im interreligiösen Kontext“

Gruppenfoto vor einem Gebäude

Im Rahmen der Tagung „Religion und Staat im Brennpunkt“ trafen Vertreter:innen der in Österreich anerkannten Religionsgemeinschaften und staatlich eingetragenen Bekenntnisgemeinschaften erneut zusammen. An der von den Organisatoren Wilhelm Rees, Iris Robinigg (Fachbereich Kirchenrecht, Institut für Praktische Theologie) und Johann Bair (Institut für Römisches Recht und Rechtsgeschichte der Rechtswissenschaftlichen Fakultät) initiierten und organisierten Tagung nahmen Vertreter:innen der Katholischen Kirche, der Evangelischen Kirche A.B., der Altkatholischen Kirche, der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, der Neuapostolischen Kirche, der Vereinigungskirche, der Pfingstkirche Gemeinde Gottes, der Christengemeinschaft, der Freien Christengemeinden, der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten, der Alevitischen Glaubensgemeinschaft und der Bahá’í teil und referierten über die jeweiligen Erfahrungen, Herausforderungen und Chancen des interreligiösen Dialogs. Im Rahmen der Tagung präsentierten Johannes Panhofer (Institut für Praktische Theologie), Thomas Mönius (GWÖ-Berater) und einige Vertreter:innen der Kirchen und Religionsgemeinschaften die neuesten Ergebnisse der Gemeinwohl-Prozesse. Abschließend war die einhellige Meinung der Teilnehmenden, dass die Weiterführung des interreligiösen Dialogs nicht nur eine Notwendigkeit, sondern eine Unabdingbarkeit ist. Während sich aber in manchen Themenfeldern durchaus eine Intensivierung des Dialogs zeigen könnte, sind andere Themenfelder (z. B. Liturgie, Gottesdienst) von Natur aus weniger dialogoffen. Die Mehrheit der Religionsgemeinschaften befürwortet den gemeinsamen Dialog, den Dialog zum Staat und der Gesellschaft und wünscht sich, diesen zu intensivieren und zu verstärken – vor allem mit denjenigen Institutionen und Religionsgemeinschaften, mit denen Kooperationen noch gering ausgestaltet sind.

(Iris Robinigg)

Antrittsvorlesung Prof. Dr. Andree Burke

Am 15. Juni 2026 hielt Andree Burke im Madonnensaal seine Antrittsvorlesung unter dem Titel „Auf der Suche nach Spielraum“. Seit Oktober 2025 ist er Professor für Pastoraltheologie und Homiletik

Andree Burke neben Bischof Hermann Glettler

an der Universität Innsbruck.

In seinem Vortrag skizzierte Burke sein Fachverständnis. Ihm geht es darum, Spielräume des Lebens aufzuspüren – eine Perspektive, die bereits im Johannesevangelium angelegt ist, wo zwei unterschiedliche Begriffe von „Leben“ in der Hirtenrede Jesu (Joh 10) miteinander in Beziehung stehen. Anliegen der Pastoral sei es, das unverfügbare Leben wahrzunehmen, das sich ereignishaft im Alltag zeigt und Spielräume öffnet.

In Zeiten zunehmender Pluralität und Situativität von Religiosität müsse Glaube stärker an Erfahrungen gebunden werden. Pastoral dürfe nicht einfach als kirchliches Programm verstanden werden, das Biografien möglichst lückenlos umrahmt. Entscheidender seien Erfahrungen, von denen her Kirche ihre Gestalt je neu justieren könne.

Demnach wachse der Bedarf nach einer neuen Balance zwischen Ordnung und Kreativität. Hier setzt Burke mit dem Spielbegriff an: Er steht für ein bewegliches Denken, das interdisziplinär anschlussfähig ist und die Gegenwartskultur erreicht. Spiel zeigt sich dabei in mehreren Dimensionen: als game (Ordnungen, Regeln), als play (kreatives, regelsetzendes Tun), als act (Rollenhandeln) und als perform (leiblich-investiertes Hervorbringen). Sie strukturieren Erfahrungen, zwischen denen das Leben „spielt“.

Pastoral sei als forschende, kreative Investition der Tradition in gegenwärtige Situationen zu verstehen. Damit müsse sie immer wieder neu anfangen, die Vielfalt verschiedener Erfahrungen ernst nehmen, kritisch gegen Machtasymmetrien einsprechen und sensibel für das machen, was Menschen heute trägt. Entsprechend formuliert Burke die Leitfragen dieser Pastoral einfach und zugleich anspruchsvoll: „Wo ist Spielraum? Wo spielt das Leben? Wie finden Menschen Zugang zum Leben?“

(Johannes Panhofer)

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